Vorträge, Vorträge, Vorträge – und das vierundzwanzig Stunden nonstop: eindeutig zu viel an Informationsflut für einen einzelnen Menschen, zumindest wenn ich alle Vorträge hätte besuchen wollen. Worum es bei der Veranstaltung ging, habe ich vor zwei Wochen ausführlich beschrieben, wenn diesbezüglich Unklarheiten bestehen sollten, bitte ich um Lektüre des betreffenden Artikels, in diesem Beitrag möchte ich kurz auf den Ablauf der Organisation und die Themen der einzelnen Vorträge eingehen, die ich gestern Abend und heute Morgen besucht habe, sowie ein persönliches Resümee der Veranstaltung ziehen und einen (kleinen) Ausblick auf das nächste Jahr geben.

Die Organisation

Präsentationsfolie Allgemeines Willkommen OT24VXDer technische Ablauf war faktisch makellos, die virtuellen „Vorlesungsräume“ konnten 30 Minuten vor dem jeweiligen Vorlesungsbeginn betreten werden, die Benutzeroberfläche der verwendeten Java-Software präsentierte sich als selbsterklärend und Verbindungsprobleme hatte ich zu keinem Zeitpunkt (was aber auch meiner recht guten Internetverbindung geschuldet sein kann). Allen Referentinnen und Referenten waren ein bis zwei Moderatoren zur Seite gestellt, um bei Problemen ein rasches Eingreifen sicherzustellen und die abschließenden Fragerunden zu moderieren. So ganz im Gegensatz zu meiner Ausbildung, haben hier alle Vorlesungen extrem pünktlich begonnen (*hust*), eine kurze Einführung zur Benutzeroberfläche gab es zu Beginn jedes Vortrags.

Interagieren und kommunizieren war über Icons (Applaus, Hand heben, etc.) möglich, zusätzlich stand ein Chat zur Verfügung, die abschließenden Fragen konnten auch per Headset gestellt werden, eine sehr runde Sache auf dieser Ebene. Die einzelnen Vortragsfolien wurden als Bilder präsentiert, in durchaus guter Qualität übrigens, was das Design der einzelnen Präsentationen angeht, wäre aus meiner Sicht allerdings ein bisschen mehr Feinarbeit bzw. ein einheitliches Erscheinungsbild vorteilhaft gewesen.

Die Vorträge

Präsentationsfolie Session 3 OT24VXEröffnungsvortrag: Professor Martin Hall „Paying it Forward – Der Eröffnungsvortrag war für mich ein bisschen zerfasert, ich bin aber auch ca. 20 Minuten zu spät gekommen. Das grundsätzliche Thema war Bildung und Ausbildung, besonders auf die positiven Auswirkungen nachhaltiger Bildung wurde detailliert eingegangen, einzelne Musterprojekte für länderübergreifende Lernprojekte wurde vorgestellt. Fun Fact am Rande: der Referent hat seine Laufbahn ursprünglich als Archäologe begonnen. (111 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 2 OT24VXAlice Hortop „Funny Kind of Treatment: Laughter and humour in Occupational Therapy practice – Humor im therapeutischen Prozess ist für mich ohnehin ein unabdingbares Instrument meines täglichen Arbeitslebens, allerdings nicht unbedingt auf wissenschaftlicher Basis. Hier gab es viel zu lernen, unter anderem zu Themen wie: Wirkungen des Lachens, Humortheorie (das gibt’s wirklich), Arten von Witzen, adäquate Verwendung von Humor, Humorworkshops und warum Lachen, Gelächter und Humor in Gesundheitsberufen oft als frivol angesehen werden. (112 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 3 OT24VXFrank Kronenberg & Dr. Elelwani Ramugondo „Shades of Black Works – Ein Vergleich der „Idee“ von Ergotherapie mit dem aktuellen „Beruf“ von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, von einer Referentin aus Südafrika – ich muss gestehen, hier ist nicht viel hängengeblieben außer dass zwischen diesen beiden Dingen kulturell geprägte Schluchten klaffen, vor allem, wenn man unsere „westlichen Werte“ mit denen der eigentlichen „Idee“ und den Grundsätzen der Ergotherapie vergleicht – philosophisch interessant, aber ich hatte gerade mit der bestellten Pizza zu kämpfen. (100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 5 OT24VXClaire Kelly, Rashni Grant, Genevieve Cyrs, Val Yip, & Harjas Chilana „Indian Summer: Volunteer Experience in India at the Resource Center for People with Disabilities„; Doug Herasymuik „International fieldwork placements: Enhancing clinical reasoning via intercultural immersion in developing countries – Rund um Praktikumseinsätze, aus Sicht einer Gruppe von Studentinnen, die in Jaipur/Indien ein vierwöchiges Praktikum absolvierten, und aus der Sicht des Dozenten, der Ergotherapie an der Universität unterrichtet: sehr spannend, die Erfahrungen aus Indien – für mich keine Überraschung war allerdings, dass nur locker beaufsichtigte Auslandspraktika für die eigene berufliche Weiterentwicklung sehr förderlich sind, das konnte ich ja glücklicherweise am eigenen Leib erfahren. (55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 12 OT24VXEmma Ratcliffe, Ortal Shamay-Lamat and Shirley Tse Sau-Ling „Occupational therapy services in two earthquake zones – und zwar in China und in Neuseeland. Ich bin ein bisschen zu spät gekommen, im Vortragsteil der China betraf, war das Hauptthema die Rolle von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten bei der Hilfsmittelversorgung Betroffener mit einfachsten Mitteln, der zweite Teil behandelte die Auswirkungen des Erdbebens von Christchurch aus der Sicht einer Ergotherapeutin, nicht nur auf fachlicher sondern auch auf persönlicher Ebene. Interessanter Fakt am Rande: Kinder wollten nach dem Erdbeben und seinen zahlreichen Nachbeben nicht mehr auf Schaukeln spielen. (30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 13 OT24VXLin Guohui „Development of occupational therapy in Mainland China. Opportunities and Challenges – Ein sehr spannender Vortrag, der die ergotherapeutische Entwicklung am chinesischen Festland zum Thema hatte, mit Punkten wie: Gründung eines Berufsverbandes, Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal, Ergotherapeuten vs. Rehabilitationstherapeuten und 50.000 fehlenden Therapeutinnen und Therapeuten im Reha-Bereich, sehr, sehr interessant. (24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Präsentationsfolie Session 14 OT24VXDanielle Pauling „From secrets hidden in shame to the tranquility of transparency: A mother’s journey with depression – Dass eine Schwangerschaft samt Geburt ohnehin ein einschneidendes Erlebnis ist, wissen alle, die bereits Kinder haben – dass alles aber ungleich schwieriger wird, wenn man drei Kinder hat, und bei jeder Geburt erneut in eine prä- und postpartale Depression fällt wurde in diesem Vortrag ausführlich und emotional berührend vermittelt. Danielle Pauling, die selbst Ergotherapeutin ist, sprach offen über Rückzugsbedürfnisse, Wut, Regression, verändertes Bindungsverhalten, das Verschwinden der Farbe aus ihrem Leben und über das, was ihr schlussendlich geholfen hat – als Mutter und Ergotherapeutin. (35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer)

Fazit & Ausblick

Ich war begeistert – sowohl vom Ablauf, als auch von der breiten Palette an Vortragsthemen, eine wirklich lohnenswerte Veranstaltung. Ich persönlich hätte eigentlich mit höheren Teilnehmerzahlen gerechnet, aber schließlich ist heute ein Werktag und die Internetaffinität von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten ist meiner Einschätzung nach immer verbesserungsfähig. Meine aufrichtige Hochachtung gilt den sechs Organisatorinnen, dieses Programm inhaltlich und technisch auf die Beine zu stellen ist einen Menge Arbeit, sowie den Referentinnen und Referenten, die ihr Wissen und ihre Zeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben.

Auf berufspolitischer Ebene hätte ich mir vielleicht dezente Hinweise auf die Veranstaltung seitens der Berufsverbände erwartet, aber scheinbar war dies nicht wirklich bekannt – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren jedenfalls wirklich über die ganze Welt verstreut, von Kroatien zu den Philippinen, von Thailand bis Kanada – sehr global, sehr lustig (vor allem im Chat) und von einer durchwegs positiven Atmosphäre getragen.

Ich freue mich auf die Entwicklung der Kontakte die ich geknüpft habe, eine Podcastaufnahme in Kroatien kann ich für nächstes Jahr schon konkret planen, und vielleicht lässt sich bald der eine oder andere Gastbeitrag hier blicken – und eine Referententätigkeit beim OT24VX 2012 scheint aus heutiger Sicht auch möglich…ich bin gespannt!

Nachlesen, Nachsehen, Nachhören

Das ist natürlich alles ein bisschen viel an Information, aber zwei Dinge machen Hoffnung: es wird ein Jahr vergehen, bis die nächste OT24VX stattfindet und es gibt Möglichkeiten alles nachträglich häppchenweise abzuarbeiten…die Vorträge werden online gestellt, nachdem die OT24VX beendet ist, und zwar auf der Website von OT4OT (s. Weblinks) – dort finden sich übrigens auch alle Vorträge des letzten Jahres im Archiv – und wer Lust hat ein paar unmittelbare Eindrücke (auch bildhafter Natur) nachzulesen, ist herzlich eingeladen in meinem Twitter- oder TwitPic-Feed vorbeizuschauen, in denen sich mehr Informationen sowie Bilder von Folien der jeweiligen Vorträge finden lassen.

Weblinks