Die Aneignung von anatomischem Grundwissen stellt in der Regel die ersten Buchstaben des ABC’s von angehenden Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten im ersten Studienjahr dar – auch für Michaela war dieses Thema in ihren Beiträgen ständig präsent, deshalb leite ich hier gleich eine universelle Gültigkeit dieses Postulats ab.

Es gibt viele Möglichkeiten dieses Unterfangen zu gestalten, von Fachliteratur über Lernkarteikarten bis hin zu Online-Services spannt sich die Angebotspalette in diesem Bereich, einen neuen Service aus Deutschland möchte ich allen angehenden Kolleginnen und Kollegen in diesem Beitrag vorstellen. (Artikelbild via Flickr)

KenHub – Anatomielernen im Internet

„Einfach und spannend“ – so soll es zumindest sein, wenn man den Versprechungen der Initiatoren Glauben schenken will. Eines gleich vorweg: KenHub ist eine kommerzielle Plattform, die Nutzung für strukturiertes Lernen kostet Geld, weitere Informationen dazu findet ihr im Anschnitt „Registrierung und Kosten“ dieses Beitrag. Das Team von KenHub besteht aus vier Mitgliedern, eine Privatdozentin ist für die medizinische Validierung der veröffentlichten Inhalte zuständig, damit sich auf fachlicher Seite keine Fehler einschleichen (ich konnte bei meinem Test übrigens keine finden). Zusätzlich sind noch fünf Autorinnen & Autoren für die Gestaltung der Inhalte zuständig. KenHub ist übrigens sowohl komplett in englischer und deutscher Sprache verfügbar, falls also jemand nicht nur seine Anatomie- sondern auch gleich noch seine Englischkenntnisse verbessern will…

Überblick über die Leistungen von KenHub

KenHub Screenshot DashboardKenHub bietet zurzeit die Möglichkeit anatomische Strukturen aus den Bereichen Untere Extremität, Obere Extremität und Rumpf zu lernen – die Rubrik Kopf & Hals ist zum Verfassungszeitunkt dieses Beitrags noch nicht mit Inhalten befüllt. Die Übungsinhalte gliedern sich grob in knöcherne, muskuläre, nervale und vaskuläre Strukturen, die in thematisch gegliederten Lektionen zusammengefasst sind. Anhand von detaillierten anatomischen Zeichnungen werden die dazugehörigen Begriffe auf kurzweilige Art und Weise anhand verschiedener Aufgaben, die schrittweise schwieriger werden, trainiert und erlernt. Die Illustrationen sind vergrößerbar, die Bezeichnungen können während des Übens wahlweise in Latein oder Englisch angezeigt werden. Am Abschluss jeder Übungseinheit wird eine Statistik präsentiert und Strukturen die noch nicht richtig sitzen, werden nochmals gesondert hervorgehoben.

Zusätzlich steht für alle Besucherinnen und Besucher der Website ein kostenlos zugänglicher Anatomieatlas zur Verfügung, in dem alle im Lernprogramm verwendeten Illustrationen angesehen werden können – an sich praktisch um schnell eine bestimmte Struktur nachzuschlagen, dies funktioniert auch über die globale Suchfunktion rechts oben auf der Website sehr gut.

Registrierung und Kosten

Die Registrierung bei KenHub gestaltet sich äußerst unkompliziert, Nutzerinnen und Nutzer können sich mit bestehenden Konten von google+, Facebook oder Twitter, aber auch auf „klassische“ Art mit E-Mail-Adresse und einem Passwort für den Service registrieren. Dass Nutzerinnen und Nutzer, die keinen der großen Services verwenden (oder verwenden wollen) zuerst auf „Ich habe nur (sic!) E-Mail-Adresse und Passwort…“ klicken müssen könnte man bemängeln, aber das wird für die meisten keine Rolle spielen denke ich.

KenHub kostet zurzeit im Rahmen eines Einführungsangebots 9,00 € pro Monat, der endgültige Preis wird nach dieser Phase bei 15,00 € liegen, ein kostenloses Probeangebot mit limitiertem Zugriff kann in Anspruch genommen werden – dies beinhaltet dann allerdings kaum Lektionen die für Studierende im Bereich Ergotherapie relevant sind, da der Großteil der Oberen Extremität unter das Premium-Angebot fällt, ermöglicht allerdings ein Hineinschnuppern in das tatsächliche Lernen von anatomischen Details und kann der Feststellung dienen ob die didaktische Methode von KenHub zum eigenen Lernverhalten passt. Eine Geld-Zurück-Garantie bei Unzufriedenheit und eine unkomplizierte Kündigungsmöglichkeit zum jeweiligen Monatsende runden das Angebot in diesem Bereich ab.

Einziger Wermutstropfen: ohne Kreditkarte oder PayPal wird’s schwierig, da keine anderen Zahlungsmöglichkeiten angeboten werden, Abhilfe kann hier aber wahrscheinlich durch die Verwendung einer Pre-Paid-Kreditkarte geschaffen werden.

Detailreichtum des angebotenen Wissens

Die Illustrationen sind schön gestaltet und geben prinzipiell einen guten Überblick über anatomische Strukturen des menschlichen Körpers, ganz ohne Literatur funktioniert die Aneignung anatomischen Wissens aber noch nicht: so fehlen zum Beispiel bei den muskulären Strukturen Ursprünge, Ansätze, Funktion und Innervation – diese werden laut Auskunft von KenHub zwar noch eingepflegt, sind aber für Studierende als Lerninhalte unabdingbar um Zusammenhänge zu anderen Fächern herzustellen und wirklich vernetzend zu lernen.

Resümee

KenHub Screenshot AnatomielektionWas soll man sagen? Meiner Meinung nach trifft „Gute Ansätze – Ausbaufähig – Kann Fachliteratur aktuell nicht ersetzen“ den Punkt zum jetzigen Zeitpunkt am besten – mit dem Blick auf den Detailreichtum der von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten schlussendlich im beruflichen Alltag gefordert wird. Das Angebot wirkt allerdings sehr sympathisch, wird kontinuierlich erweitert, ist preislich fair gestaltet und für mein Lernverhalten wäre die Didaktik an sich gut geeignet, mir haben „meine“ Lektionen Spaß gemacht. Wer sich für moderne Arten des Wissenserwerbs interessiert, dem sei KenHub auf alle Fälle zum „Hineinschnuppern“ empfohlen – ob das Angebot zu einem persönlich passt und als Ergänzung zu klassischer Fachliteratur dienen kann, lässt sich so am besten feststellen, für die Verwendung als alleiniges Medium reicht die aktuelle Detailtiefe allerdings noch nicht aus, zumindest nicht für Studierende der Ergotherapie.

Weblinks

Weiterführende Literatur zum Thema Anatomie


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