Einleitung

Manchmal stolpert man als Begleiterscheinung gänzlich anderer Interessen über Dinge, die sich schlussendlich auch für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten als hochinteressant herausstellen. Lose verbunden mit dem Chaos Computer Club (CCC), zumindest was die Produktion von Podcasts angeht, ist Tim Pritlove, der sich in einer seiner Podcast-Reihen mit dem schönen Namen Chaosradio Express (CRE) meist ausführlich mit technischen Themen beschäftigt. Vor einiger Zeit erschien im Rahmen dieser Sendungsreihe ein Beitrag zum Projekt „Wheelmap“ – und darum soll es heute hier gehen…um den Text nicht komplett mit Links zuzupflastern findet sich am Artikelende eine umfangreiche Linkliste zum Nachschlagen.

Ich persönlich bin ja immer wieder erstaunt und fasziniert von den Möglichkeiten, die das Web der Einzelperson mittlerweile so bieten kann – und spätestens mit der flächendeckenden Verbreitung von Smartphones ist das Netz eigentlich auch für jedermann und jederfrau immer dabei und praktisch jederzeit verfügbar. Tatsächlich spielen sich abseits von YouTube & Co. Auch wirklich interessante Dinge ab, zum Beispiel im Bereich Barrierefreiheit…und in Berlin scheint im Allgemeinen ohnehin sehr viel zu passieren.

Die Sozialhelden und Wheelmap

Die Initiative Sozialhelden in Berlin beschäftigt sich, neben Projekten wie z.B. der Einführung einer Spendenmöglichkeit von Pfandflaschenbons in Supermärkten, deren Ertrag anschließend gemeinnützigen Organisation zur Verfügung gestellt wird (geht in Schweden übrigens auch, z.B. für das Rote Kreuz), im Rahmen verschiedener Projekte auch stark mit dem Thema Barrierefreiheit. Eines dieser Projekte trägt den Namen Wheelmap und stellt, auf der Basis der Open Street Map (dem „offenen“ Pendant zu google-Maps), eine grafische Benutzeroberfläche bereit, in der Menschen Orte aller möglichen Kategorien (z.B. Restaurants, Bahnhöfe, Sehenswürdigkeiten und Cafés) bezogen auf den Grad der Rollstuhlgerechtheit eintragen können. Damit diese Informationen schlussendlich nicht sinnlos und unproduktiv im Netz brachliegen, lassen sie sich auf verschiedenen Wegen abrufen und können somit einen wertvollen Wegweiser für Rollstuhlfahrer in urbanen Umgebungen darstellen. Funktionieren tut dies zurzeit über die Homepage des Projektes und über eine App für das iPhone, eine App für Smartphones auf Android-Basis ist lt. Auskunft der Projektbetreiber via Twitter gerade in Entwicklung.

Das System funktioniert – nach kurzem Test der Website – prima, sehr viele Hintergrundinformationen zu dem Projekt lassen sich beim Anhören des betreffenden Chaosradio Express-Podcasts gewinnen, in dem zwei Sozialhelden (Rául Krauthausen und Christoph Bünte) in einem ausführlichen Interview Einblicke in den Werdegang und aktuellen Zustand des Projektes geben. Der Podcast ist teilweise etwas techniklastig, stellt in Summe aber meiner Einschätzung nach eine gute Möglichkeit dar, um sich motivieren zu lassen…und zwar zur (natürlich ehrenamtlichen) Mitarbeit am Projekt selbst.

Man kann mitmachen…

Ebenfalls auf Nachfrage wurde mir seitens Wheelmap mitgeteilt, dass es bereits möglich ist auch Städte beziehungsweise Orte in Österreich einzutragen – und bei einem Blick auf die Städte Österreichs mit dem Filter auf Orte mit unbekanntem Status in der Wheelmap, zeigt sich schnell, dass hier noch einiges zu tun wäre, ehrlich gesagt: eine ganze Menge. Abgesehen von der individuellen Projektpartizipation bietet Wheelmap meiner Einschätzung nach auch eine Möglichkeit zur Themenfindung für Bachelor- oder Diplomarbeiten – frei nach dem Motto „Erkunde und bewerte deine Stadt“. Im Detail ist dies sicher mit den jeweiligen Betreuern zu klären, aber…wäre ich noch in der Ausbildung, wüsste ich spätestens jetzt, womit ich mich in meiner Abschlussarbeit beschäftigen würde.

Barrierefreiheit ist, im Kontext von Aktivität und Partizipation, ein ergotherapeutisches Kernthema und Wheelmap bietet die Möglichkeit – auch abseits des institutionellen Settings – das Leben für Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen in Österreich tatsächlich einfacher zu gestalten, und deren Möglichkeiten für eine selbstbestimmte Lebensführung zu verbessern. Ich persönlich warte eigentlich nur mehr auf die Android-App (das iPhone ist ja nicht gerade das billigste Endgerät, ähem) um Wartezeiten auf öffentliche Verkehrsmittel sinnvoller zu gestalten und „meine“ Stadt auf die tatsächliche Barrierefreiheit abzuklopfen…macht mit, seid kreativ und tragt einen kleinen Teil zu einer Welt mit weniger Barrieren bei!

Weblinks