Einleitung

Auf meinem Rechner werden im Hintergrund gerade 3,5 GB an Dateien in ein ZIP-Archiv gepackt, ich habe fast 100 E-Mails (alle projektbezogenen die ich nach dem Rechnerwechsel noch habe) nochmals durchgelesen und schließlich erfolglos versucht mein Projektarchiv auf den Server der FH Kärnten hochzuladen. Ja, jetzt ist es aber wirklich vorbei, der letzte Artikel in den Medien erschienen, der letzte Tweet abgesetzt und jetzt auch der letzte Blogartikel geschrieben. Es wird Zeit auch ein persönliches Resümee des Projektablaufs zu ziehen…

Inspiration und Projektideenentwicklung

Ohne diesen Tim Pritlove hätte es „ergo-goes-wheelmap“ wohl gar nicht gegeben – oder zumindest nicht in dieser Form. Der Mann verdient sein Geld aktuell mit der Produktion von diversen Podcastformaten in der Metaebene, aber früher™, da gab es noch Chaosradio Express (heute CRE) und im Rahmen dieser Sendereihe für prinzipiell technikaffine Menschen bin auch ich über die wheelmap als Projekt gestolpert, das dürfte so im Oktober 2010 gewesen sein – und ich war fasziniert.

Nichts für ungut, trotz des bisher unbestätigten Gerüchts, dass es in absehbarer Zeit auf den öffentlichen Plätzen von Klagenfurt gratis WLAN für alle geben wird, ist diese Stadt aus meiner Sicht ja nicht besonders technikaffin oder gar modern – ich mag den provinziellen Charme allerdings auch sehr gerne. Aber um Web mit Stadt zu verknüpfen, die Ergotherapie mit ins Boot zu holen und dabei auch noch gleich einen Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen zu leisten – ich konnte nicht widerstehen.

Im Studiengang Ergotherapie der Fachhochschule Kärnten wurde die Idee nach kurzen Machbarkeitsgesprächen den Studentinnen des damals noch ersten Semesters vorgestellt (Bemerkt? Kein Gendering, tatsächlich alles nur Damen) – und sie haben sich tatsächlich darauf eingelassen. Wahrscheinlich habe ich es doch nicht geschafft den tatsächlichen Arbeitsaufwand realistisch darzustellen, obwohl ich mich bemüht habe…

Projektablauf – Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Kärnten

Die Zusammenarbeit mit meiner ergotherapeutischen Berufskollegin und ehemaligen Diplomarbeitsbetreuerin Angelika Mitterbacher, die FH-seitig die Projektleitung übernahm, hat sich aus meiner Sicht als extrem unkompliziert gestaltet, und zwar während des gesamten, doch fast ein Jahr dauernden, Projektverlaufs.

Für mich war in diesem Zusammenhang vor allem die Umstellung der Ausbildungsmodalität von angehenden Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten vom Akademiebetrieb hin zum Bakkalaureatsstudium spürbar – und zwar am meisten im Bezug auf die vorhandene Infrastruktur: Plötzlich gab es eine IT-Abteilung mit einer gewissen Responsiveness, WLAN in allen Seminarräumen und Ansprechpartner und -innen für viele Dinge, die noch ein Jahr früher vom lehrenden Personal erledigt werden mussten. Ohne diese Rahmenbedingungen wäre es deutlich schwieriger gewesen alles in der Form abzuwickeln, in der es schlussendlich passiert ist – ich war (und bin) sehr zufrieden was diesen Aspekt betraf.

Projektleitung „light“ – braucht man dafür eigentlich eine Ausbildung?

Schon möglich, schon möglich…allerdings lautet eines meiner Lieblingszitate „Man muss mit dem arbeiten, was man hat“ – und schlussendlich versuche ich mich auf eher konkrete Dinge zu konzentrieren als auf das Zeichnen von Organisationsdiagrammen. In der abschließenden Feedbackrunde wurde allerdings auch rückgemeldet, dass mein Kommunikationsstil (sowohl per Mail als auch persönlich) nicht immer positiv angenommen wurde, was ich nach einigem Nachdenken teilweise – aber nicht vollständig – nachvollziehen kann.

Fotografie eines Rollstuhlbenutzers beim Lesen eines Busfahrplans mit künstlerischem Effekt in Schwarz und RotEs kann sein, dass man lernt mit einer fundierteren Ausbildung in Projektentwicklung einen anderen Kommunikationsstil zu pflegen…aber…das will ich persönlich eigentlich gar nicht, mir würde das den Spaß an der Sache verderben und es hat mir nicht geschadet am Ende des Tages auch ein bisschen was auf die Mütze zu bekommen – ich muss allerdings rückblickend zugeben, dass ich heute bei zwei Gelegenheiten anders reagiert hätte.

Ich denke, dass sich schlussendlich die Frage nach der Qualität der Projektleitung für die Studentinnen erst mit neuen Erfahrungen in diesem Bereich beantworten lassen wird – und dasselbe gilt auch für mich, vielleicht komme ich bei Gelegenheit nochmals darauf zurück, ich werde ja auch älter.

Höhen, Tiefen und Social Media

Der Anfangsschwung in der Projektdurchführung war aus meinem Blickwinkel sehr gut wobei sich die zu erfüllenden Aufgaben äußerst vielfältig erwiesen:

  • Namensfindung
  • Logodesign unter Berücksichtigung der Corporate Identity der FH Kärnten
  • Verfassen von Texten, die den Projektfortschritt darstellen
  • Gestaltung und Abhaltung von Präsentationen, auch in Fremdsprachen
  • Veranstaltungsplanung und Durchführung
  • Tätigkeiten im Bereich Public Relations
  • Fotografie und Bildbearbeitung
  • Datenaufbereitung
  • Aktivitäten im Bereich Soziale Medien
  • Podcastaufnahme
  • Feldarbeit
  • Datenauswertung und mehr…

Fotografie einer Normverteilungskurve mit künstlerischem Effekt in Schwarz und RotÜber die gesamte Laufzeit nahm ich die Motivation allerdings als eine, auf dem Kopf stehende, Gauß’sche Verteilungskurve wahr, mit einem deutlichen Abfall in der Mitte und einem nicht mehr ganz so hohen Plateau zum Ende hin wahr – allerdings existierte aufgrund der zu absolvierenden Praktika eine recht lange Phase der räumlichen Distanz, welche die Kommunikation des Teams untereinander und die Abwicklung der Feldarbeit doch erheblich erschwerte (ich kann mich noch gut an eine Skype-Konferenz erinnern, in welcher der Textchat für mich sehr rasch unübersichtlich wurde und auf der verbalen Kommunikationsebene nichts weiterging, aber den Versuch war’s zumindest wert).

Als alle Studentinnen wieder in Klagenfurt am regulären Vorlesungsbetrieb teilnahmen wurden die Dinge wieder ein bisschen einfacher, aber das Ausgangsniveau wurde meiner Einschätzung nach nicht mehr erreicht – ich hatte in dieser Phase das Gefühl, dass es einfach auch schon ein bisschen lange dauerte.

Zwei Punkte scheinen mir in diesem Zusammenhang noch erwähnenswert:

Wie das mit dem Web alles so funktionieren kann, wurde meiner Meinung nach bis zum Ende hin nicht von allen Projektteilnehmerinnen verinnerlicht, vor allem im Bezug auf die konstante Projektpräsenz in Form von Blogbeiträgen, Facebook-Postings und projektrelevanten Tweets: das Projektblog und Facebook funktionierten soweit ganz gut, obwohl auf beiden Kanälen viel mehr Inhalt generiert hätte werden können und Twitter…irgendwie habe ich es nicht geschafft dieses Ding so zu transportieren, das eine Grundakzeptanz dafür entstand – der Twitter-Account des Projekts wurde bis zum Schluss zum Großteil von mir beschickt. Wir haben zwar für ein Projekt einer FH eines kleinen Bundeslandes ordentlich Aufmerksamkeit und Medienpräsenz generiert, aber in diesem Bereich wäre auch aus heutiger Sicht viel mehr möglich gewesen. Zusätzlich finde ich es sehr schade, dass kein Projektabschlussbericht aus der Sicht der Studentinnen mehr zustande kam, aus meiner Sicht ein (kleines) loses Ende.

Der zweite Punkt betrifft die prinzipielle Tatsache, dass die Daten in der Oberfläche der wheelmap jederzeit änderbar sind, und zwar durch alle Benutzerinnen und Benutzer mit einem wheelmap-Account – das hat vor allem zu Projektbeginn für ein spürbares Ausmaß an Irritation gesorgt, ebenso wie die Tatsache, dass wheelmap eine – zu diesem Zeitpunkt – recht junge Initiative war, die im Projektverlauf zumindest einmal eine größere Anpassung in Bezug auf die verwendeten Ortskategorien und die optische Darstellung erfahren hat. Sicher…für die Ewigkeit hat die geleistete Arbeit wahrscheinlich nicht Bestand, aber wenn sich die Möglichkeit zur Selbstbestimmung von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern in Klagenfurt auch nur für ein paar Jahre erhöht, hat sich die Arbeit aus meiner Sicht schon bezahlt gemacht.

Impact und Fazit

„Klagenfurt ist zurzeit die am besten kartierte Stadt der Welt in der wheelmap-Oberfläche…“

…hat mir Raúl Krauthausen kurz nach dem offiziellen Projektende mitgeteilt – für mich Impact genug und aus meiner Sicht ein mehr als beachtlicher Erfolg!

Fotografie eines Rollstuhls an einer Bordsteinkante mit künstlerischem Effekt in Schwarz und RotKritik am Projekt gab es auch, dazu habe ich mich bereits in zwei Beitragen ausführlich geäußert (und zwar nach einem Bericht in der Kronen Zeitung und nach einer ausbleibenden Stellungnahme des Gleichstellungbeirates der Stadt Klagenfurt, geneigte Leserinnen und Leser mögen mithilfe der Hyperlinks nochmals nachlesen) – schlussendlich bleibt aber zumindest bei mir das Gefühl: „Ich würde es wieder tun“.

Ich möchte an dieser Stelle allen unterstützenden Personen und Institutionen, mit denen das Team während der Projektdurchführung zu tun hatte nochmals herzlich danken und auch dem Projektteam der Studentinnen abschließend herzlich zur erfolgreichen Durchführung gratulieren, solche Gelegenheiten viele Fliegen mit einer Klappe zu schlagen ergeben sich meiner Erfahrung nach nicht allzu oft – HERZLICHE GRATULATION!

Weitere Informationen rund um „ergo-goes-wheelmap“ finden sich im nachfolgenden Abschnitt, der von Studentinnen verfasste Beitrag in der ergotherapeutischen Fachzeitschrift ergopraxis ist leider aufgrund der nur für Abonnentinnen und Abonnenten bestehenden Verfügbarkeit nicht verlinkbar, hat aber für mich aufgrund des Zielpublikums der Zeitschrift von allen Projektberichten in Medien definitiv des höchsten Wert – ein schöner Erfolg!

Medienspiegel & Weblinks