Huch, schon 2012? Das ist ja wieder mehr als schnell gegangen…unsere vierwöchige Winterpause ist vorbei und wir gehen mit dem heutigen Beitrag wieder in den Vollbetrieb über – damit nicht schon zu Jahresbeginn die dicke fachliche Keule hervorgekramt wird (keine Sorge, das kommt auch noch), beginnen wir also das Jahr mit einem lockeren Text zum Thema „Entschleunigung in kleinen Schritten“. (Artikelbild von Markus Kraxner)

2012

Straßenkreuzung in Klagenfurt im MorgengrauenIch weiß nicht wie es euch geht, aber mir kommt es momentan so vor, als ob die Wochen und Monate nur so dahinflitzen und ganz generell habe ich das Gefühl, dass ein Großteil der Menschen die ich in meinem sozialen Umfeld kenne (und das schließt auch viele Kolleginnen und Kollegen sowie mich mit selbst ein) konstant unter einem gewissen Zeitdruck stehen. Es kann ja sein, dass dies „heutzutage“ ganz normal ist, zumindest ich habe manchmal ein bisschen Sehnsucht nach ruhigeren Schritten und ein bisschen weniger Stress – und eine Möglichkeit dieser Sehnsucht nachzugeben habe ich in der bewussteren Gestaltung des Arbeitsweges gefunden…

Meist muss man ja irgendwie hinkommen…

Die wenigsten Menschen arbeiten von zuhause aus, aber wer dieses Privileg (oder diese Bürde, je nachdem) hat, soll sich in weiterer Folge nicht unbedingt angesprochen fühlen – der Weg von einem Zimmer in ein anderes mit einer Kaffeetasse in der Hand lässt sich nicht ganz so einfach zu einer kontemplativen Zivilisationspause umbauen. Ebenso wird es bei langen Wegen zur Arbeitsstätte schwierig, aber nicht unmöglich, ein bisschen Zeit zum Nachdenken einzubauen: Wer morgens viel mit Zügen, Bussen, S- oder U-Bahnen oder dem Auto fährt, weiß dass dann noch Dinge wie Gedränge, Gerüche, laute Musik aus Mobiltelefonen, „gesprächige“ Jugend, wahnsinnige Autolenker, suizidal wirkende Radfahrer und völlig sorglose Fußgänger ihren Beitrag leisten können, um die ganze Sache nicht gaaanz so entspannt zu halten.

Ich selbst habe das Glück von meiner aktuellen Arbeitsstätte ca. vier Kilometer entfernt zu wohnen – was mir theoretisch die Möglichkeit bietet sowohl mit dem PKW (den ich nicht mehr besitze), dem Motorrad (das gerade im Winterschlaf ist) den verfügbaren öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Rad oder zu Fuß meine Arbeitsstätte erreichen zu können. Die meisten Möglichkeiten nutze ich nicht oder sehr selten, ich fahre meistens mit dem Rad und finde das nach einer mehrmonatigen Ge- (oder besser gesagt „Ent-„) -wöhnungsphase wirklich ganz wunderbar. Warum? Naja…das hat so einige Vorteile…

Was soll denn daran denn so toll sein?

Es gibt ja viele positive Auswirkungen von Bewegung, diese spielen aber eigentlich nicht wirklich eine Rolle, die Hauptgründe für mich mit dem Rad zu fahren sind schlicht und ergreifend das Zeitgefühl und die Musik.

Unscharfe Aufnahme eines vorderen FahrradlichtgehäusesMorgens habe ich trotz reichlicher Kaffeezufuhr eigentlich immer ein ausgeprägtes Zeitmangelsyndrom, ich verlasse die Wohnung immer schon leicht gehetzt während ich mir die letzten Zuckerbrösel (drei Löffel pro Tasse) aus dem Mundwinkel kratze und mir gleichzeitig die Schuhe zubinde. Während meiner Arbeitszeit bin ich – positiv formuliert – zumeist „sehr gut beschäftigt“, und zwar so gut, dass ich nach Arbeitsschluss einfach ein bisschen Zeit brauche, um meine natürliche Ruhe wiederzufinden – wenn ich mich dann in ein Auto setzen und dieses durch den Stoßverkehr nachhause lotsen müsste, würde das nicht wirklich zu meiner Beruhigung beitragen. Ich bin zwar im Bezug auf Ampeln ein eher anarchistischer Radfahrer, aber der Großteil meines Arbeitsweges lässt sich ohnehin über wenig belebte Straßen und durch Parks zurücklegen und am Nachmittag habe ich es auch nicht mehr ganz so eilig wie am Morgen.

Irgendwie hat es einfach ein gewisses Etwas, mit dem iPod MP3-Player im Ohr, aus dem kristallklare Musik tröpfelt, ganz ruhig und friedlich bei aufgehender Sonne und klirrender Kälte (Winter) oder lauer Luft und dem Versprechen eines kommenden Bades im See (Sommer) diesen Weg zweimal pro Tag zurückzulegen, dabei die Gegend zu betrachten, innerlich über die verzerrten Gesichter der Autofahrer zu Schmunzeln und bei vorhandener Zeitreserve vielleicht noch einen Zwischenstopp in einem Café einzulegen um vor Arbeitsbeginn einen Espresso zu genießen, oder sich nach Arbeitsende Abkühlung mit einem Eis in der Fußgängerzone zu verschaffen. Musik verbinde ich persönlich immer stark mit visuellen Erinnerungen und wenn ich heute an Bands und KünstlerInnen denke wie (Achtung Videolinks!) Fanfarlo, First Aid Kit, Mumford & Sons, Säkert, Adele, die Turin Brakes, Johnny Cash und Beirut kommen mir sehr viele positive Bilder und Gefühle in den Sinn.

Andere Vorteile und wenige Nachteile

Verschneites Fahrradventil an einem alten KTM-RadDamit ist es natürlich noch nicht wirklich getan, Radfahren hat für mich auch noch den Vorteil, dass man den lästigen „Wollen Sie nicht für Greenpeace/Attac/VierPfoten/beliebige andere NGO hier einsetzen-Ferialjob-StudentInnen“ – das grundsätzlich gute Anliegen der jeweiligen Organisationen und der oft notwendige außerstudienhafte Broterwerb sei hier ausdrücklich nicht in Frage gestellt, aber nervig ist’s trotzdem – hervorragend ausweichen kann und obendrein viel schneller als mit dem Auto ist. Erwähnte ich schon, dass man davon munter wird? Und mir auch im Winter fast nie kalt ist? Und dass Bewegung gesund ist? Na dann…

Auf der Minusseite kann ich eigentlich nur starken Niederschlag in jeglicher Form verbuchen, bei Starkregen und -schnee macht es wirklich keinen Spaß, aber das kommt erstens nicht so häufig vor, wie ich immer dachte und dann gehe ich einfach zu Fuß.

Und ihr, liebe Leserinnen und Leser?

Wie kommt ihr zu eurer Arbeitsstätte? Braucht ihr auch Zeit zum Aufwärmen und Beruhigen? Ist euch oft kalt? Gestaltet ihr euren Arbeitsweg auf eine andere, besondere Art und Weise? Wie ist das mit dem Bahnfahren? Lasst uns doch daran teilhaben, der Kommentarbereich ist eröffnet…