Er sollte Erholung und Regeneration bieten, um den nächsten Tag sowohl motorisch als auch psychisch gut meistern zu können, oft ist er aber von Unruhe geprägt.

Der Schlaf in der ergotherapeutischen Befunderhebung

Die eigenen Fähigkeiten können wohl am besten ausgelebt und in den Alltag eingebunden werden, wenn die Nacht zuvor gut geschlafen wurde. Daher ist ein wesentlicher Teil der ergotherapeutischen Anamnesefragen auch dieser nächtlichen Ruhe gewidmet. Das heißt bei Kindern unter anderem:

  • Schläft er/sie durch?
  • Ist er/sie motorisch aktiv?
  • Wie gelingt das Einschlafen?
  • Erscheint er/sie morgendlich erholt?

Abgesehen davon dass es Morgenmuffel gibt und Nachtmenschen…bei erwachsenen Klientinnen und Klienten ist es aufschlussreich, wie sich eine Tonusbelastung, eine Schmerzpathologie oder eine Bewegungsunruhe in der Schlafsituation verhält, beziehungsweise welche Schlafpositionen (selbständig) eingenommen werden können. (Artikelbild von Tyrin Price via Flickr: CC BY-SA 2.0)

Wir sind uns einig: ein guter Schlaf bringts.

Einfluss der Schlafposition auf die Qualität des Schlafs

Aber es steckt zum Teil mehr dahinter, beziehungsweise kann mit Lagerung und gezielter Positionierung bei Jung und Alt durchaus auf ein gesundes Ausruhen eingewirkt werden.

Seit längerem nehme ich Empfehlungen von KinderärztInnen wahr, die von einer Bauchlage bei Neugeborenen und Kleinkindern abraten. Ist es immer noch (oder frisch entfacht) die Angst vor dem plötzlichen Kindstod (SIDS—Sudden Infant Death Syndrom)? Ja. Dennoch ist weitläufig auch bekannt, dass sich die motorischen Meilensteine der Entwicklung, nicht zuletzt das Rollen und Krabbeln aus der Bauchlage heraus initiieren. Von therapeutischer Seite wird also sehr wohl meist die Bauchlage als Position der Wahl empfohlen.

Motorische Aktivität von Kindern während des Schlafs

Es wird von vielen Eltern berichtet, dass sich ihre Kinder im Bett drehen, bis zur engsten Begrenzung robben oder mit dem Kopf am Fußende aufwachen. Besonders fällt diese nächtliche Unruhe natürlich auf, wenn die Kinder die Nacht im elterlichen Bett verbringen, was an und für sich nichts Schlechtes ist (siehe auch der Artikel zu Bindung und Bindungsstörungen). Wenn man näher nachfragt, wird auch von Stürzen aus dem Bett oder extra angebrachten Gittern als Fallschutz erzählt. Bei einem Kind aus der Praxis war sogar ein Gurt nötig, aus Schutz vor Fremd- und Selbstverletzung.

Warum das so ist und warum die nächtliche Ruhe nicht das bringt was sie verspricht, nämlich Entlastung und Regeneration für den Körper, hat verschiedene Ursachen beziehungsweise ranken sich verschiedene Theorien um dieses Thema.

Sensorische Integration und Muskeltonus können den Schlaf beeinflussen

Die Suche nach Begrenzung, die auch Sicherheit und im—Sinne der Sensorischen Integration—Input für die eigene Wahrnehmung gibt, endet teilweise erst an den Stäben des Gitterbetts. Vorausgesetzt es wird nicht vorher schon für gute Körpergrenzen gesorgt, zum Beispiel durch Nestlagerung, Schlafsack oder Wickeltechniken. Zusätzlich kann ein hoher Tonus so manches Kind auch nächtens in hoher Aktivität halten, in diesem Zusammenhang kommt auch das Zähneknirschen im Schlaf vor.

Häufig belastet ein persistierender frühkindlicher Reflex die Schlafsituation und ein überstreckter Nacken führt zu Liegeglatzen, verformtem Kopf oder unruhigen Streck- oder Beugebewegungen. Man kann leicht herausfinden, ob eine gemütlich wirkende Embryohaltung auch wirklich so gemütlich ist, wie sie scheint. Es könnte nämlich auch ein Reflexmuster dahinter liegen, also sollte versucht werden ob zum Beispiel die Extremitäten in dieser Position leicht bewegt werden können oder fest sitzen. Abhilfe bietet hier unter anderem die ROTA-Therapie mit einer empfehlenswerten Schlafposition, dem „Windrad“.

Die Windrad-Position kann für erholsamen Schlaf sorgen

Diese regulierende Windrad-Position bietet sich auch für Erwachsene an, wenn zum Beispiel die Spastik die unteren Extremitäten in symmetrische Streckung drängt. Viele Klientinnen und Klienten klagen dann gerade beim Aufstehen über hohe Körperspannung, Steifigkeit oder folglich Schmerzen, sei es auf der betroffenen (paretischen) Seite oder im Rücken. Vermutlich ist der Schlaf dann wenig von Erholung geprägt. Bei guter Lagerung, zum Beispiel um die Knie in Beugung zu halten oder auch Asymmetrie in der Position zuzulassen, wird von Linderung berichtet. Eine MS-Klientin aus der Praxis konnte durch die verbesserte Lagerung in der Nacht ihre Lockerheit, die sie zuvor in der Therapie oder durch Massage erarbeitet hatte, endlich zumindest bis zum nächsten Tag aufrecht halten.

Können therapeutische Maßnahmen, besonders Lagerung, direkt im Schlaf zum Einsatz kommen, ist das besonders effektiv, weil man so ja idealerweise mehrere Stunden am Tag verbringt. Im Gegensatz dazu wirkt sich die Belastung einer Nackenstreckung oder Anspannung durch falsche Positionierung auch mehrere Stunden auf den Organismus aus, was vielleicht therapeutische Lockerungsmaßnahmen untertags auch wieder zunichte machen kann.

Einschlafschwierigkeiten und Rituale

Und das Leid des „komplizierten“ Einschlafens. Von vielen Seiten wird hier eine Regelmäßigkeit empfohlen. Erstens was die Zeit angeht und zweitens mit einem Ritual gespickt. Was bei Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte ist, ist bei Erwachsenen vielleicht noch ein Fußbad oder etwas anderes Beruhigendes. Was Eltern teilweise verwechseln, ist dass eine intensive Spielzeit am Abend (weil sonst am Tag vielleicht wenig Zeit dafür übrig ist) eventuell auch kontraproduktiv sein kann, weil das Kind dann ein hohes Aktivitätsniveau erreicht, das fürs Einschlafen schlichtweg nicht passend ist. Ähnlich verhält es sich mit Medienkonsum—viel Zeit im Internet zu verbringen hat bei dem einen oder anderen schon zu Schlaflosigkeit geführt—und Markus hat ja bereits die Effekte von blauem (also Bildschirm-) Licht auf die Einschlafphase erläutert.

So denn, gute Nacht…

Weiterführende Literatur

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website

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