Einleitung

„Was soll denn das jetzt werden?“ „Wie soll das gehen?“ „Das verstehe ich jetzt nicht.“ Drei Aussagen, die ich immer wieder zu hören bekomme, wenn ich den Karton öffne, die bunt gefärbten Holzhasen hinstelle und die ersten Spielkarten ausgeteilt habe – meist nachdem die ersten Klientinnen und Klienten einen Blick auf die fantasievoll gestalteten Motive geworfen haben.

Dixit von der französischen Spieleschmiede Libellud ist eines jener Spiele, die einen im ersten Moment angesichts der Aufgabenstellung ein eher konfuses Gesicht ziehen lassen, aber spätestens wenn die erste Runde gespielt wurde fragt man sich zumeist, warum man eigentlich nicht schon eher darüber gestolpert ist. Ich habe bei der Gestaltung meiner ergotherapeutischen Gruppen im psychiatrischen Setting immer die Herstellung eines möglichst hohen Interaktionsniveaus zwischen Klientinnen und Klienten als Ziel, man könnte auch sagen, mir ist es sehr wichtig, dass Klientinnen und Klienten miteinander in Kontakt treten, und Dixit ist ein Spiel mit dem dies auf ganz wunderbare Art und Weise praktisch wie von selbst funktioniert…

Wenn man der Produktbeschreibung auf amazon glauben darf – und ich sehe diesbezüglich keinen Grund dies nicht zu tun – wurde die Idee zu Dixit ursprünglich von einem gewissen Herrn Jean-Louis Roubira, seines Zeichens Kinderpsychiater, entwickelt um die Kommunikation von Kindern untereinander zu fördern. Fertig ausgearbeitet wurde das Spiel zusammen mit einem Verleger und einer Illustratorin, 2010 war Dixit „Spiel des Jahres“ – durchaus verdient, wie ich meine.

Das Spielmaterial

Verpackung des Spiels DixitDixit besteht in der Basisvariante hauptsächlich aus Bildkarten, genauer gesagt aus 84 Stück sehr fantasievoll gestalteter Bildkarten, zusätzlich befinden sich mehrere Spielfiguren, sogenannte „Abstimmungsplättchen“ und ein kleines Spielbrett zum Zählen der erreichten Punkte in der Verpackung. Es existieren zwei Varianten des Basisspiels mit verschieden gestalteten Pappkartons, der Inhalt dürfte allerdings der gleiche sein. Zusätzlich lässt sich eine Packung mit weiteren 84 Bildkarten erwerben, die die Auswahl und die Abwechslung erweitern, und die ich euch gleich als Grundausstattung mit ans Herz legen möchte.

Der Spielablauf

Ich beziehe mich in der Beschreibung des Ablaufs an dieser Stelle nicht auf die Standardregeln von Dixit, ich verwende im Gruppensetting leicht abgewandelte Regeln, der Kern des Ablaufs bleibt davon allerdings unberührt – zur Zählung der erreichten Punkte der einzelnen Teilnehmer und Teilnehmerinnen verwende ich übrigens die bunten Plastikedelsteine aus dem Spiel „Ubongo“.

Ich nehme am Spielgeschehen selbst immer aktiv teil, einerseits um beim ersten Durchgang den Spielablauf nochmals praktisch vorzuführen und andererseits um gelegentlich einen „Schubs“ in Richtung Aktivität zu geben, wenn dies notwendig sein sollte.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten zu Spielbeginn jeweils sechs Karten aus dem gemischten Stapel und einen Holzhasen in der Farbe der eigenen Wahl als Spielfigur.

Bildkarte aus Dixit mit Bergen von SüßigkeitenIn jeder Spielrunde übernimmt ein Mitglied der Runde die Rolle des „Erzählers“, d.h. diese Person sieht sich die eigenen Karten an und sagt etwas über eine Karte seiner Wahl. „Etwas“ kann in diesem Zusammenhang ein einziger Satz, ein Sprichwort oder eine kleine Geschichte sein, lautmalerische Äußerungen sind aber – ebenso wie das Singen eines Liedes oder eine pantomimische Kurzdarstellung – ebenfalls zulässig. Was genau dieses „Etwas“ tatsächlich ist, bleibt allerdings völlig der jeweiligen Person überlassen – eine Beschreibung des auf der Karte abgebildeten Motivs ist allerdings nicht zielführend, man will es ja den restlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ja nicht zu einfach machen. Wenn der Erzähler etwas über die gewählte Karte gesagt hat, wird diese verdeckt in der Mitte des Tisches abgelegt.

Die restlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen nun aus ihren Karten ebenfalls jeweils eine aus, von denen sie glauben dass sie am ehesten zum Gesagten passt, und legen diese ebenfalls verdeckt in der Mitte des Tisches ab.

Der Erzähler mischt nun die abgelegten Karten und deckt sie für alle sichtbar in der Mitte des Tisches auf. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Runde – ausgenommen der Erzähler – sind nun aufgefordert ihren Holzhasen auf jene Karte zu stellen, von der sie glauben dass sie vom Erzähler abgelegt wurde. Wenn alle Hasen platziert sind, enthüllt der Erzähler seine Karte – alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten einen Punkt, wenn sie die richtige Karte erraten haben. Anschließend werden die abgelegten Karten aus dem Spiel genommen, alle erhalten eine neue Karte und die Rolle des Erzählers wechselt zur nächsten Person.

Praktische Erfahrungen

Bildkarte aus Dixit mit einem großen Tor durch das Licht fälltIch habe bei der Verwendung von Dixit im psychiatrischen Gruppensetting ausschließlich positive Erfahrungen gemacht, und dies größtenteils unabhängig vom aktuellen Leistungsniveau der teilnehmenden Klientinnen und Klienten. Fallweise bilden je zwei Mitglieder der Gruppe ein Team und teilen sich einen Kartensatz, auf diese Weise kann auch bei gravierenden Leistungsunterschieden ein hohes Maß an Aktivität sichergestellt werden. Zu beachten ist allerdings, dass Visusschwächen und schlechte Beleuchtung den Spielablauf deutlich beeinträchtigen können, im geriatrischen Setting sind möglicherweise Spiele, die genauer auf die Bedürfnisse der „Zielgruppe“ zugeschnitten sind besser geeignet.

Nachdem die Hürden des Erklärens, des Zuhörens und des Verstehens überwunden sind (was meist nach der ersten praktisch durchgeführten Spielrunde passiert ist), entwickeln sich faktisch immer motivierte, sehr aktive Gruppen in denen viel geredet und gelacht wird – mit nachhaltiger Wirkung, oft wird noch nach einem oder zwei Tagen der Spielverlauf diskutiert.

Eine kleine Randbemerkung sei mir noch gestattet: Dixit macht übrigens auch im privaten Freundeskreis sehr viel Spaß, es können bis zu zwölf Personen mitspielen, bei etwas flexiblerer Auslegung der Spielregeln (für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten selten ein Problem) auch noch mehr…probiert‘s mal aus!

Fazit

„Das war interessant!“ „Das sollten wir bald wieder einmal machen!“ „Das hat Spaß gemacht!“ Drei Aussagen, die ich immer wieder zu hören bekommen, wenn ich die Karten wieder in drei Stapel aufteile, die bunte gefärbten Holzhasen absammle und alles zusammen im Karton verstaue – meist nachdem 60 Minuten wieder einmal viel zu schnell vergangen sind.

Weiterführende Links


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