Die am häufigsten verwendeten standardisierten Testverfahren zur Überprüfung der visuellen Wahrnehmung in der Pädiatrie sind der FEW-2 und der DTVP-2. Für diejenigen, die nicht tagtäglichen Kontakt zu diesen Testverfahren haben, sollen hier nun die wesentlichen Unterschiede der beiden Tests erläutert werden, und kurz auf die Subtests eingegangen. (Artikelbild von Chase Elliott Clark via Flickr)

DTVP-2

Der DTVP-2 (Developmental Test of Visual Perception, Second Edition; von D. D. Hammill, N. A. Pearson und J. K. Voress; 1993) ist ein Test der die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit bei Kindern überprüft. Standardisiert ist der Test für Kinder im Alter von 4;00 bis 10;11 Jahren. Eventuell vorhandene visuelle Wahrnehmungsdefizite können mit Hilfe des Testverfahrens in ihrem Ausmaß gemessen und dargestellt werden. Unterteilt ist der Test ist in acht Subtests, wobei vier Subtests motorikintegrierte Aufgaben und vier Subtests motorikreduzierte Aufgaben enthalten. Die Durchführungsdauer liegt zwischen 30 und 60 Minuten. Der Test selbst ist in der englischen Sprache verfasst, auch die Instruktionen und Auswertungskriterien sind auf Englisch.

Die Subtests

Der DTVP-2 gliedert sich in folgende acht Subtests:

  • Eye-Hand-Coordination (Auge-Hand-Koordination)
  • Position in Space (Lage im Raum)
  • Copying (Abzeichnen)
  • Figure-Ground (Figur-Grund)
  • Spatial Relations (räumliche Beziehungen)
  • Visual Closure (Gestaltschließen)
  • Visual-Motor-Speed (visuomotorische Geschwindigkeit)
  • Form Constancy (Formkonstanz)

Die Subtests Eye-Hand-Coordination, Copying, Spatial Relations, und Visual-Motor-Speed sind motorikintegrierte Subtests, die Subtests Position in Space, Figure-Ground, Visual Closure und Form Constancy motorikreduzierte Subtests. Bei den motorikintegrierten Subtests muss das Kind einen visuellen Reiz motorisch umsetzen; d.h. diese Subtests erfordern das Malen mit einem Bleistift. Bei den motorikreduzierten Subtests werden wenig bzw. kaum motorische Fähigkeiten verlangt; das Kind erhält einen visuellen Reiz, muss diesen widererkennen und darauf zeigen.

Der DTVP-2 wurde für den amerikanischen Raum an 1.972 Kindern aus 12 amerikanischen Staaten standardisiert und enthält somit auch nur Normwerte für amerikanische Kinder. Da der DTVP-2 in englischer Sprache vorliegt, kann es passieren, dass beispielsweise Abbruchkriterien falsch verstanden werden. Ein großer Interpretationsspielraum ist bei den Subtests Copying und Eye-Hand-Coordination gegeben; jeder Therapeut/jede Therapeutin bewertet unterschiedlich streng.

Mittlerweile liegt aber eine deutsche Fassung des DTVP-2, der FEW-2, vor. Der FEW-2 (Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung) ist die deutsche Überarbeitung des DTVP-2 und wird im deutschsprachigen Raum immer häufiger verwendet.

FEW-2

Der DTVP-2 und FEW-2 sind nicht identisch und dürfen nicht miteinander kombiniert werden. Beim FEW-2 wurden die Auswertungstabellen für den deutschen Raum standardisiert und es gibt eigene Auswertungstabellen für Jungen und Mädchen. Allerdings kann der Test nur noch für eine Altersgruppe von vier bis neun Jahren verwendet werden. Für vierjährige hat sich der Ablauf geändert – nach dem Subtest 1 bis 4 folgt eine Pause, ehe man mit den anderen Subtest fortfährt. Subtest 7 (visuomotorische Geschwindigkeit) wird erst ab einem Alter von fünf Jahren durchgeführt. Die Bewertungskriterien für Subtest 3 (Kopieren) wurden genauer definiert und auch die Reihenfolge der vorgegebenen Zeichnungen geändert. Insgesamt wurden die Beispiele verändert bzw. um ein Übungsbeispiel ergänzt und der gesamte Test benutzerfreundlicher gestaltet. Der FEW-2 wurde 2004 an 1.436 Kindern aus Deutschland und Österreich normiert.

Beim Subtest „räumliche Beziehungen“ wird nun die Linie, die sowohl den Start- als auch Zielpunkt trifft, mit einem Punkt bewertet, und nicht mehr die zur Figur gehörigen Punkte. Außerdem wurde auch beim Subtest „Copying“ die Reihenfolge der Items aufgrund der Frustrationstoleranz geändert.

In der deutschen Fassung des DTVP-2 gibt es,  wie bereits erwähnt, unterschiedliche Normtabellen für Jungen und Mädchen in allen Altersstufen. Jungen und Mädchen sind in ihrer Entwicklung unterschiedlich schnell, die Mädchen sind in ihrer Entwicklung weiter als die gleichaltrigen Jungen. Das liegt daran, dass sich das männliche und weibliche Gehirn unterschiedlich entwickeln.

Die Subtests im Detail

Die Aufgabenstellungen bei den Subtests sind sowohl beim FEW-2 als auch beim DTVP-2 gleich, jedoch gibt es andere Reihenfolgen und andere Bewertungsrichtlinien.

Subtest 1 – Eye-Hand-Coordination/Auge-Hand-Koordination

Die Kinder sollen bei diesem Subtest ohne den Bleistift abzusetzen, eine gerade Linie in einem vorgegebenen Band zeichnen. Die Bänder werden mit jeder Aufgabe schmäler und enthalten Winkel und Kurven. Visuelle Begrenzungen müssen erkannt werden und gerade oder kurvige Linien gezeichnet werden.

Subtest 2 – Position in Space/Lage im Raum

Die Kinder sehen eine Figur und werden aufgefordert die exakt gleiche Figur ein einer Reihe von ähnlichen Figuren wiederzuerkennen. Die Figuren müssen hinsichtlich ihrer gemeinsamen Merkmale und/oder ihrer räumlichen Position verglichen werden.

Subtest 3 – Copying/Kopieren

Das Abzeichnen ist die Fähigkeit, visuell zu erfassende Formen und Buchstaben exakt wieder zu geben. Die Kinder werden aufgefordert einfache Figuren innerhalb einer Begrenzung abzuzeichnen; das Kind muss hier besonders auf Details achten. Die Figuren werden zunehmend komplexer.

Subtest 4 – Figure-Ground/Figur-Grund

Bei diesem Subtest ist eine Stimulusfigur vorgegeben und die Kinder müssen die Bestandteile dieser Figur wiedererkennen. Hier wird die Fähigkeit beurteilt, die uns das Erkennen von vorgegebenen Figuren ermöglicht, auch wenn diese in einem verwirrenden, komplexen Hintergrund versteckt sind.

Subtest 5 – Spatial Relations/räumliche Beziehungen

Die Kinder bekommen ein Gitter mit regelmäßig angeordneten Punkten vorgelegt. Einige Punkte sind durch Striche miteinander verbunden. Die Kinder sollen die Striche, die durch die Punkte miteinander verbunden sind, in einem leeren Gitter reproduzieren.

Subtest 6 – Visual Closure/visuelles Schließen

Das Gestaltschließen ist die Fähigkeit, von einer Teilinformation auf das Ganze zu schließen. Es wird wieder eine Stimulusfigur vorgegeben. Die Kinder sollen nun genau diese Stimulusfigur in einer Reihe von unvollständig gezeichneten Figuren wiedererkennen; dazu müssen die Kinder im Geist die fehlenden Teile der unvollständigen Figuren ergänzen.

Subtest 7 – Visual-Motor-Speed/visuomotorische Geschwindigkeit

Die visuomotorische Geschwindigkeit ist die Fähigkeit, unter Zeitdruck möglichst genau zu arbeiten. Im Subtest sind vier geometrische Formen vorgegeben. Zwei dieser Formen enthalten eine gewisse Markierung. Den Kindern wird nun eine große Anzahl von Formen vorgelegt, die keine Markierungen enthalten. Die Kinder müssen nun bei den richtigen Formen die richtigen Markierungen in einer vorgegebenen Zeit ergänzen. Hier wird die visuomotorische Koordination mit Geschwindigkeit kombiniert.

Subtest 8 – Form-Constancy/Formkonstanz

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p style=“text-align: left;“>Den Kindern wird eine Stimulusfigur gezeigt. Diese Figur soll nun ein einer Reihe von verschiedenen Figuren wiedererkannt werden. Die Stimulusfigur kommt in dieser Reihe aber in einer anderen Größe, Position oder in einem Hintergrund vor.

Quellen und weiterführende Literatur


Demnächst erscheint ein weiterer Artikel über die visuelle Wahrnehmung mit folgenden Themen:

  • Die einzelnen Bereiche der visuellen Wahrnehmung
  • Wie Auffälligkeiten im Alltag beobachtet werden können
  • Überprüfung der speziellen Bereiche mit den Subtests des DTVP-2 bzw. FEW-2

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