Seit 2013 können auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten an den Fortbildungen des Fasziendistorsionsmodells (FDM) teilnehmen. Das Fasziendistorsionsmodell ist eine manuelle Behandlungsmethode, die die Faszien (bindegewebige Strukturen, umgangssprachlich „Flachsen“) als Ursache für körperliche Beschwerden (Schmerz, Bewegungseinschränkung…) sieht. (Artikelbild von University of Liverpool Faculty of Health & Life Sciences via Flickr)

Der Notfallmediziner und Osteopath Stephen Typaldos (✝ 05.04.2006) hat anhand von Patientenbeschreibungen ihrer Schmerzen und Symptome sowie deren Körpersprache und Schmerzgestik FDM ent- und weiterentwickelt. Patientinnen und Patienten kennen sich und ihre „Zustände“ am besten und werden in den Mittelpunkt der Behandlung gesetzt.

[Redaktionelle Anmerkung: Die wissenschaftliche Studienlage zu Behandlungen nach Typaldos ist—abgesehen von Arbeiten direkt aus dem Interessenlager der Osteopathie—zurzeit meiner Einschätzung nach noch als eher unbefriedigend einzustufen, in der Sektion „Weiterführende Literatur“ ist eine Volltextstudie mit n=60 verlinkt. /Markus]

Die sechs Fasziendistorsionen nach Typaldos

Es werden, bis dato, sechs Fasziendistorsionen (Distorsion=Verrenkung, Verformung) beschrieben.

  • Das Triggerband—ist eine Verdrehung beziehungsweise Verrenkung eines längsgerichteten Faszienbandes. Der Schmerzcharakter wird als brennend und ziehend entlang einer spezifischen Linie angeben. Ruhe verschlimmert und eine angemessene Bewegung verbessert die Symptomatik.
  • Die Kontinuum Distorsion—Die Distorsion findet in den Übergangszonen zum Beispiel Knochen–Sehne statt. Der Schmerz wird als punktförmig, spitz stechend angegeben und kann exakt von Patientinnen und Patienten gezeigt werden.
  • Der Hernierte Triggerpunkt—ist eine Gewebsvorwölbung von einer tieferen durch eine darüber liegende Gewebsschicht. Patientinnen und Patienten beschreiben einen tiefen dumpfen permanenten Schmerz.
  • Die Zylinder Distorsion—beschreibt eine Verhedderung beziehungsweise Überlappung der Spiralwindungen der oberflächlichen Faszie. Patientinnen und Patienten geben diffuse, schwer beschreibbare Schmerzen tief im Körper an. Die Symptome können kommen und gehen oder ohne erkennbare Ursache wandern.
  • Die Faltdistorsion—hierbei handelt es sich um eine Störung der gelenksnahen gefalteten Faszie (intermuskuläre Septen, interossäre Membranen). Es werden Schmerzen tief im Gelenk angegeben, ein Gefühl der Instabilität im betroffenen Gelenk ist häufig.
  • Die Tektonische Fixation—Es werden keine Schmerzen angegeben, ein Mobilitätsverlust ist das Hauptsymptom und meist lässt sich eine lange Vorgeschichte eruieren.

Behandlungsprinzipien nach der Typaldos-Methode

Patientinnen und Patienten werden anhand der Gesten, der Körpersprache sowie eindeutiger Aussagen zu ihrem Befinden behandelt. Ein aufmerksames Auge und ein konzentriertes Ohr auf die Äusserungen ist notwendig. Eine gute Aufklärung, damit Patientinnen und Patienten wissen was auf sie zukommt und wie sie sich nach der Therapie verhalten sollen ist unerlässlich. Die Behandlung der Distorsionen geht relativ rasch, allerdings bei bestimmten Distorsionen nicht immer ganz schmerzfrei vonstatten. Viele Patientinnen und Patienten nehmen den kurzen Behandlungsschmerz in Kauf, wenn sich dadurch ihre Schmerzen und Bewegungsseinschränkungen verringern oder gar verschwinden.

Fazit

Aus meiner Sicht hat das FDM mein Behandlungsrepertoire deutlich erweitert und bereichert, einen entsprechenden Kurs kann ich sehr empfehlen. Ich für meinen Teil wende die Methode bei vielen, jedoch nicht bei allen Patientinnen und Patienten an. Für mich besteht die Kunst in der Therapie darin, mit den Patientinnen und Patienten den „effektivsten Mix“ zu finden um damit das bestmögliche Outcome zu erreichen. Und bekanntlich gibt es mehrere Wege nach Rom oder in die Selbständigkeit/Schmerzfreiheit wie wir ErgotherapeutInnen sagen würden. Nicht vergessen:

„Jeder Mensch für sich ist einzigartig und muss auch so behandelt werden.“

Weiterführende Literatur

Weblinks

Bettina Tscheliesnig ist seit 2004 Ergotherapeutin in Klagenfurt und nach jahrelanger Tätigkeit in der Psychiatrie seit mehreren Jahren spezialisiert auf den Bereich Handchirurgie, sowohl in ihrem klinischen als auch in ihrem freiberuflichen Arbeitsleben—Website

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