Grundwissen zu Xiapex

Xiapex ist ein Medikament, das seit Frühling 2011 in Österreich zugelassen ist. Dieses Medikament wird beim Mb. Dupuytren eingesetzt, und stellt eine Behandlungsvariante ohne operativen Eingriff dar. Bei dem Medikament handelt es sich um eine mikrobielle Kollagenase aus dem Clostridium histolyticum, Xiapex wirkt also auf kollagene Fasern.

Nach ärztlicher Untersuchung wird das Medikament in den gut tastbaren Strang injiziert. Da Xiapex bei jeglichen Strukturen wirkt, die kollagene Fasern enthalten (also auch auf Sehnen, Bänder, etc.), ist es wichtig, einen mit der Behandlungsmethode vertrauten Arzt an den „Strang“ zu lassen. Nach der Injektion soll die Hand ca. 24 Stunden nicht aktiv bewegt, hochgelagert und in Ruhe gelassen werden. Um das Lösen des Stranges zu unterstützen wird der Finger vom behandelnden Arzt passiv gestreckt, danach wird für drei bis vier Tage eine Extensionsschiene angebracht.

Soweit die Theorie – doch wie sieht die Praxis und die weitere ergotherapeutische Behandlung bei dieser Therapieform aus?

Exemplarischer Behandlungsverlauf

Vor der Injektion ergab die Erstuntersuchung ein Streckdefizit im PIP des 4.Fingers von 80°. Nach der Behandlung und der viertägigen Ruhigstellung mittels der Extensionsschiene, wurde der Patient zur ambulanten Ergotherapie zugewiesen.

Auf ärztliche Anordnung wurde eine Nachtlagerungsschiene in Intrinsic-Plus-Stellung für die Finger 2-5 angepasst. Aufgrund des, zu diesem Zeitpunkt noch verbliebenen, Streckdefizites (ca. 35°) wurde in die Schiene ein breites Gummiband zur leichten Quengelung für das betroffene Mittelgelenk eingebaut.

Nach der Befundaufnahme und Inspektion des Handstatus wurde mit der Manualtherapie, mit passiver Mobilisation und aktiven Fingerübungen zur forcierten Mobilisation in allen Bewegungsrichtungen begonnen. Schmerzen oder Probleme wurden vom Patienten keine angegeben. Eine kleine Hautläsion volar am MCP-Bereich wurde als leicht störend wahrgenommen, nach deren Abheilung die therapeutischen Maßnahmen erweitert werden konnten (z.B.: Knetmasse, …)

Nach zweiwöchiger ergotherapeutischer Behandlung, die Feinmotoriktraining, Krafttraining und Training des alltagsrelevanten Einsatzes der Hand während der Therapie umfasste, ließ sich ein endlagiger Faustschluss erreichen, einzig ein Streckdefizit im PIP von ca. 20° war weiterhin vorhanden.

Daher wurde nach Absprache mit dem behandelnden Arzt ein Fingerquengel hergestellt, welchen der Patient mehrmals am Tag für eine kurze Zeit anlegen soll. Inwieweit die Therapie und die intensive Selbstbeübung durch den Patienten das verbliebene Streckdefizit verringert, wird sich zeigen.

Die Behandlung, welche im Klinikum Klagenfurt auf der Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie angewendet wird, hat meines Erachtens einige Vorteile gegenüber dem operativen Vorgehen:

  • Rasche Einsatzmöglichkeit der Hand im Alltag
  • Kein operativer Eingriff mit den vorhandenen Risiken (Infektion, Keloidbildung, …)
  • Keine Operationswunden und Narben
  • Reduzierte Therapiedauer

Mein Dank gilt der Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie (im speziellen Herr Prim. Priv.-Doz. Dr. Matthias Rab), die mir das Bildmaterial zur Veranschaulichung der Thematik zur Verfügung gestellt hat.

Quellen und Literaturverweise

Bettina Tscheliesnig ist seit 2004 Ergotherapeutin in Klagenfurt und nach jahrelanger Tätigkeit in der Psychiatrie seit mehreren Jahren spezialisiert auf den Bereich Handchirurgie, sowohl in ihrem klinischen als auch in ihrem freiberuflichen Arbeitsleben—Website

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