Logopädinnen und Logopäden, die regelmäßig durch die Kindergärten ziehen um eventuelle Auffälligkeiten früh zu erkennen gibt es ja schon lange, sollte das auch ein Bereich für die Ergotherapie sein?

In Oberösterreich ist auf jeden Fall die Idee für ergotherapeutische Reihenuntersuchungen im Kindergarten geboren, nein eigentlich schon recht ausgereift. Ende 2010 sind nämlich bereits ca. 600 Kinder probeweise von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten angeschaut worden. Es handelte sich dabei um alle 4-5 jährigen der ausgewählten Kindergärten (Stadt und Land). (Artikelbild von Thomas Leth-Olsen via Flickr)

Das verwendete Screening setzte sich aus verschiedenen standardisierten Tests und klinischen Beobachtungen der Fachleute zusammen. Für jedes Kind stehen ca. 20-30 min. zur Verfügung. Zudem wurden bereits im Vorfeld ein Wahrnehmungsfragebogen für die Eltern, und ein Fragebogen für die Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen ausgeteilt. Alle Ergebnisse zusammen sollten einen ersten Eindruck bieten, ob Kinder einen Therapiebedarf haben, leicht auffällig in einem Bereich oder unauffällig erscheinen.

Mit einem Beratungsgespräch für die Eltern bzw. Bereitstellung der Kontaktdaten von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten aus der Umgebung für eine eventuell empfohlene genauere Befundung eines Kindes, konnte bereits in diesem Probelauf eine Idee geschaffen werden, wie es gut für die Kindergärten funktionieren könnte. Das Interesse war groß, die Rücklaufquote recht unterschiedlich. Jetzt befinden sich die Daten bei der Auswertung, und man ist gespannt, ob die Resultate daraus auch einen Geldgeber überzeugen können. Denn darum geht es im nächsten Schritt. Es muss natürlich jemand die Kosten für die Reihenuntersuchungen, sprich auch die neuen Ergotherapiestellen übernehmen. Das wäre aber sicherlich ein tolles Betätigungsfeld für Therapeutinnen und Therapeuten, die gerne Tests und Screenings machen.

Ich war dabei und habe ca. 60 Kinder gesehen, da bekommt man schon einen guten Vergleich, was Kinder in diesem Alter können. Also persönlich hat es mir viel gebracht für den Praxisalltag, den Kindergärten hat es geholfen, zum Teil auch als Argumentationsgrundlage diverser Empfehlungen für „auffällige“ Kinder. Für die Eltern ist es natürlich auch gut, zu wissen was konkret los ist. Obwohl letzteres auch etwas auf Kritik gestoßen ist, wenn es neben den augen- und zahnärztlichen wie auch logopädischen Empfehlungen nun auch noch ergotherapeutische Anliegen gibt, um ein vierjähriges Kind zu fördern. Tja, man bleibt gespannt, was sich daraus entwickelt…

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website