Verletzungen, welche den Nervus Radialis betreffen, verursachen eine Fallhand, die als Hauptsymptom zu einem Ausfall der Strecker am Hand- und an den Fingergelenken führt. Diese Lähmung ist für Betroffene äußerst störend, das Anfertigen einer Schiene als Funktionsersatz unerlässlich. Die Frage ist nun, welche Schiene ist nur die Beste? Die Schienenversorgung soll grundsätzlich folgende Aspekte erfüllen:

  • Die Schiene soll leicht sein
  • Die Schiene soll rasch anzulegen sein
  • Die Schiene soll im Alltag sowohl bei grob- als auch bei feinmotorischen Anforderungen einsetzbar sein

Somit kam mir die Idee zur Durchführung eines Experiments: Ich fertigte zwei unterschiedliche Exemplare von Funktionsersatzschienen für einen Patienten an und bat ihn, diese im Alltag zu testen. Die Ausgangsbasis für beide Schienen stellte eine dorsovolare Cock-Up-Schiene für das Handgelenk in 30°-Extensionsstellung im Handgelenk dar. (Artikelbild von reachpatients via Flickr)

Radialis-Schiene mit Federstahldrahtauslegern

Eine abnehmbare Spange mit einem Klippmechanismus wird an der Schiene über der Mittelhand angepasst. Dafür wird ein Rechteck aus Thermoplast-Schienenmaterial über den Cock-Up-Teil über der Mittelhand gelegt und an den Rändern umgeklappt. Diesen Teil anschließend aushärten lassen, abnehmen und zurechtschneiden. An der entstandenen Schienenspange werden Ausleger aus Federstahldraht (Orfit – Fertigprodukt) für jeden Langfinger mit trocken erhitztem Thermoplast fixiert. Um die Lage für die Finger optimal zu gestalten werden die Drahtenden noch umgebogen und die Teile unter dem Finger mit Thermoplast verbreitert.

Vorteil Nachteil
Keine Reibung Die Anpassung des Drahtes an jeden Finger kostet Zeit
Ausleger bei groben Aktivitäten (Sport…) abnehmbar Drahtausleger teurer als der Thermoplastaufwand bei Knickschiene
Mit dieser Schiene konnte der Patient sogar Klavierspielen, am PC schreiben u.v.m. Die Anpassung eines Daumenauslegers kann nicht an der Spange erfolgen, da diese für den Daumen zu weit distal ist. Der Daumen wird von mir nicht ausgestattet.

Radialis-Schiene mit Fingerhebern aus Gummizügel

Ein Drahtausleger wird gebogen und mit Thermoplast umwickelt, so kann er erhitzt leicht am Cock-Up angeklebt werden. Der Ausleger verfolgt die Kante der PIP-Gelenke. Am Ausleger und am oberen Ende des Cock-Up’s werden Ösen zur Führung der Gummizügel angebracht. Am proximalen Schienenende wird ein Haken zur Fixierung der Gummis mit Thermoplast angeklebt. Zur Reibungsreduktion wird ein Nylonfaden an den Fingerschlaufen, und erst nach dem Ösenbereich ein Gummi angebracht.

Vorteil Nachteil
Gummi /Nylon ist günstig Die Anpassung der Nylon und Gummizügelung ist zeitintensiv
Der Knopf am Gummi/Nylon löst sich manchmal
Störende Reibung trotz zusätzlicher Verwendung des Nylonfadens

Fazit

Der Patient war mit der Schiene mit Drahtauslegern zufriedener. Er wünschte sich jedoch eine Lösung für den Daumen, damit dieser auch gehoben wird. Somit brachten wir an dieser Schiene einen Ausleger direkt am Cock-Up in der Verlängerung der Linie des Daumenstrahles an. Dieser wurde abnehmbar mit Klett und zusätzlicher Gurtsicherung angebracht. Da die Schiene dann wiederum aus drei Teilen besteht, finde ich persönlich diese Lösung unpraktisch. Der Patient konnte damit jedoch besser Computerspiele bedienen und verwendete diesen zusätzlichen Schienenteil vor der Konsole oder dem PC.

Es macht viel Mühe, aber auch viel Spaß an der perfekten Schiene für Patientinnen und Patienten zu tüfteln. Ich freue mich über jeglichen Erfahrungsaustausch!

Andrea Moser ist Ergotherapeutin, mit langjähriger klinischer Erfahrung im Bereich Orthopädie. Sie ist sowohl in einer Klinik in Klagenfurt als auch freiberuflich als Ergotherapeutin tätig—Website

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