Vertellen (NL) = sagen, erzählen

Der Umgang (und möglicherweise auch die Aktivierung) von Klientinnen und Klienten mit einer Demenz (egal welcher Art) begegnet den meisten Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in ihrem beruflichen Alltag regelmäßig in allen Fachbereichen, die Pädiatrie ausgenommen. Aber in Neurologie, Orthopädie, Geriatrie und Psychiatrie, wenn auch hier meist nur auf psychiatrischen Akutstationen und in der Gerontopsychiatrie, werden wir alle mehr oder minder oft mit diesem Krankheitsbild und seinen Auswirkungen konfrontiert.

Zusätzlich wird nicht in allen Fachbereichen mit Therapieangeboten auf Gruppenbasis gearbeitet: wer sich in seinem Berufsalltag allerdings regelmäßig sowohl mit der angesprochenen Klientel als auch mit der Bereitstellung eines therapeutischen Angebots in der Gruppe auseinandersetzen muss, ja, für den oder die könnte die Anschaffung von Vertellekes eine gute Idee sein…

Wer hat’s erfunden, das Vertellekes? Die Deutschen!

Petra Fiedler ist Diplom-Sozialarbeiterin, Altentherapeutin und (eben auch) Spieleautorin und kann auf 25 Jahre Erfahrung in der Alten- und Behindertenarbeit und auf zehn Jahre im Sozialen Dienst im Altenheim zurückblicken – genug Zeit, um einiges an Erfahrung zu sammeln. Zusammen mit Uli Hohlmann, einer Sozialpädagogin, hat sie zwei Spiele entwickelt die speziell die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz berücksichtigen, darunter auch explizit die für mich sehr wertvollen Aspekte des Erlebens von Freude, die Erfahrung von Selbstwert und der Austausch mit anderen in der Gruppe. Zusätzlich finde ich die Beschreibung vom Alltag in Betreuungseinrichtungen, die zwar in Österreich zumindest meist nichts mit dem Arbeitsalltag von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten zu tun haben dürfte, ich aber bereits selbst in einem Pflegeheim im Rahmen eines Schnuppertages als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger erfahren durfte einfach so schrecklich, dass alles was dem entgegenwirken kann an sich schon einfach gut sein muss.

Spielkonzept, Spielmaterial und der Spielablauf von Vertellekes

Vertellekes würde ich im weitesten Sinn als Gesellschaftsspiel mit starker biografischer Orientierung beschreiben, es enthält in der Basisversion 24 Spielfeldkarten, 240 Aufgabenkarten aus acht verschiedenen Themenbereichen, eine Kurzanleitung, einen großen Würfel, eine Spielfigur und eine Sanduhr mit einer Minute Laufzeit.

Eine der Besonderheiten besteht im Spielplan, der flexibel zu gestalten ist und nicht aus einem definierten Spielbrett besteht, sondern aus den 24 Spielfeldkarten beliebig zusammengesetzt werden kann. Ebenso können die im Spiel verwendeten Aufgabenkategorien an die Gruppe angepasst werden, indem nur bestimmte Spielplankarten beim Aufbau verwendet werden. Bereits diese beiden Möglichkeiten bieten eine hohe Anpassbarkeit des Spielablaufs an die Leistungsfähigkeit der Gruppe.

Die Aufgabenkarten bieten Aufgabenstellungen in verschiedenen Bereichen mit biografischem Bezug, zum Beispiel das Korrigieren von Sprichwörtern, das Erkennen von Liedtexten anhand des Refrains, Fragen zur eigenen Biografie (zum Beispiel: „Was haben Sie sich von ihrem ersten selbst verdienten Geld gekauft?“) und einer Aufforderung zu einer von vier Auflockerungsübungen unter Zuhilfenahme eine Luftballons – alle Aufgabenstellungen zielen auf ein möglichst hohes Eigenaktivitäts- beziehungsweise Interaktionsniveaus der Gruppenteilnehmerinnen und -teilnehmer ab. Und wer beim Reihumwürfeln und Ziehen mit nur einer Spielfigur den Würfel einfach gar nicht mehr loslassen will, für den gibt’s immer noch das Würfelglas (Was für eine hervorragenden Idee!).

Gewürfelt und gezogen wird reihum, auch hier sind viele Anpassungsmöglichkeiten vorhanden da die Regeldefinition eher weit gefasst ist. Als Beispiel sei das Würfeln mit dem Würfelglas durch eine Klientin mit starken motorischen Einschränkungen, während die Spielfigur von einem anderen Klienten weiterbewegt wird, genannt.

Vertellekes endet nicht wenn eine bestimmte Anzahl von Punkten erreicht wurde, sondern nach einem vorher klar festgelegten Zeitrahmen, zum Beispiel einer halben Stunde, wobei man das Ende des Spiels wiederum flexibel gestalten kann.

Eigene Erfahrungen und Fazit

Meine Erfahrungen mit Vertellekes sind nicht besonders umfassend, ich habe das Spiel im Rahmen von ergotherapeutischen Gruppen in der Gerontopsychiatrie mehrfach eingesetzt, aber es hat immer gut „funktioniert“, ich konnte ein hohes Interaktionsniveau bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern feststellen und Vertellekes ist auch im Fluss der Gruppe sehr flexibel anpassbar. Zudem die Antworten auf die biografischen Fragen auch vor dem individuellem soziokulturellen und geschichtlichen Kontext der Klientinnen und Klienten zu sehen sind, und so einen hochinteressanten Eindruck in Betätigungsanliegen (kalendarisch bereits) vergangener Zeiten ermöglichen. Wenn nicht kaufen, dann zumindest ausprobieren!

Vertellekes und Waldspaziergang – die Spiele

Aktivierungsliteratur von Petra Fiedler

Weblinks