Am Samstag den 21.03.2015 war in Leipzig rund um die Messe therapie für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten viel geboten. Wichtig waren neben den Ausstellern auch zwei Aktionen während der Messe und in der Leipziger Innenstadt, die Hintergründe wurden in einem Artikel am handlungs:plan bereits erläutert.

Demonstration des Bundes vereinter Therapeuten in Leipzig

Der BvT (Bund vereinter Therapeuten e.V.), die Interessensvertretung aller Therapeutinnen und Therapeuten in Deutschland, plante an der Nikolaikirche eine Demonstration, die unter anderem den bürokratischen Wahnsinn, eine angemessene Vergütung durch die Krankenkassen und eine Anpassung der Vergütungen im Ost-West-Vergleich thematisierte. Gleichzeitig hatten der BvT einen Stand auf der Messe selbst um dort auch die besuchenden Therapeutinnen und Therapeuten für diese Themen zu sensibilisieren. Ich habe die Gelegenheit genutzt und führte ein Gespräch mit David Lopez, dem ersten Vorsitzenden des BvT, das ihr nachfolgend anhören oder als MP3-Datei herunterladen könnt.

Umstrittene Protestaktion des Spitzenverbandes der Heilmittelerbringer

Gegen 12:00 Uhr fand eine Protestaktion des Spitzenverbandes der Heilmittelerbringer in Deutschland (SHV) statt. Schon im Vorfeld wurde von vielen Therapeutinnen und Therapeuten und, nicht dem SHV zugehörigen Berufsverbänden, kritisiert, dass diese Protestaktion—die in ihrer grundsätzlichen Intention zwar positiv gesehen wurde—aufgrund des Veranstaltungsortes im Gelände der therapie Leipizig aber nicht für alle Interessierten zugänglich war. Der SHV hatte Herrn Dr. Roy Kühne, Mitglied des Bundestages, eingeladen, welcher zu vielen Themen rund um die therapeutische Vergütung und den direkten Zugang zu Patientinnen und Patienten referierte.

Gleichzeitig mahnte er allerdings an, dass dies nur gelingen könne, wenn die Qualität der Behandlungen fundiert sei. Abschließend forderte er alle Therapeutinnen und Therapeuten, unabhängig ihrer Verbandszugehörigkeit auf, gemeinsam zu agieren und aktiv zu werden. Ähnliche Worte verkündete zum Abschluß auch Karl-Heinz Kellermann, der Vorsitzende des SHV. Er vertrat die Meinung, dass man nur gemeinsam politische Veränderungen herbeiführen könne. Umso irritierender war sein anschließender Fauxpas: Statt auf die anschließende Demonstration hinzuweisen lud er die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer zu einer Veranstaltung, betreffend der Historie der Physiotherapie im Messegelände ein. Der Unmut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war deutlich zu hören und zu spüren—vielleicht wäre an dieser Stelle Schweigen klüger gewesen.

Demonstration in der Leipziger Innenstadt

Zur Demonstration in der Leipziger Innenstadt, fanden sich dann ca. 1.000 Therapeutinnen und Therapeuten ein und begaben sich friedlich (aber lautstark) zum Kundgebungsplatz. Auf diese große Menge hatten die Organisatoren vom BvT vielleicht gehofft, aber sicherlich nicht damit gerechnet. Die Redebeiträge einzelner Verbandesvertreter und Initiatoren wurden durch laute Kolleginnen und Kollegen unterstützt.

Interessant wird jetzt zu sehen sein, ob der SHV aufgrund des großen Erfolges der Demonstration sich mit dem BvT auf zukünftige gemeinsame Aktivitäten einlassen kann. Und: Ob zukünftige Veranstaltungen noch mehr Therapeutinnen und Therapeuten dazu bewegen können auf die Straße zu gehen—in Irland kam es angesichts von Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem bereits zu Streiks, an denen sich auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten beteiligten.

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Michael Schiewack wurde 1980 geboren, ist seit 2003 Ergotherapeut und seit 2007 in eigener Praxis tätig. Zurzeit studiert er Health Care Education in Berlin. Er hat 2005/2006 als Ergotherapeut in Ghana gearbeitet und organisiert seit 2011 einen jährlichen Workshop in einem Heim für Kinder mit Mehrfachbehinderungen in Minsk—Website