Gefangen in der Zeit – Arlanda/Stockholm, Samstagabend

Umeå weint – wäre ich ein ichbezogener Mensch (was mir interessanterweise, allerdings völlig unbegründet, manchmal nachgesagt wird), würde ich sagen die Stadt ist traurig, weil ich sie verlasse. Das Problem an der Sichtweise ist folglich nur jenes: was bedeutet es, dass es in Stockholm just in dem Moment zu regnen anfängt, in dem ich das Ankunftsterminal für eine Zigarette verlasse? Deshalb spinne ich den Gedanken aus Rücksicht auf meine geistige Gesundheit an dieser Stelle lieber nicht weiter…

Der Abschied ist mir leichtgefallen, und ich habe drei Stunden damit verbracht, die Wohnung wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen – und ich bin am Ende sicher noch fünfmal durch alle Räume geschlichen und habe alle Kästen inspiziert, in der stetigen Befürchtung etwas in Umeå zu vergessen (was mir dann ja auch tatsächlich fast passiert wäre, Peters Holzlöffel hätte fast als Waisenkind geendet, ewig schade wär’s gewesen…). Schlussendlich habe ich das Taxi noch an die falsche Adresse bestellt, zumindest war’s in Sichtweite. Und dem Taxifahrer konnte ich auch noch mit ergotherapeutischem Rat bezüglich seiner rechten Hand aushelfen, deren radiale Mm. interossei einen ziemlich atrophierten Eindruck machten, gepaart mit ausgeprägtem Kraftverlust bei Pinzetten- und Schlüsselgriff bei ansonsten guter Handfunktion. Allerdings habe ich ihm vordergründig mal geraten einen Arzt aufzusuchen, da der Zustand bereits seit knapp einem Jahr gleichbleibend ist – sehr ergotherapeutisch, ich weiß, ich weiß…

Und jetzt…tja, jetzt hocke ich in einem (wirklich unverschämt teuren) Hotelzimmer am Flughafen und genieße Mineralwasser mit Zitronengeschmack, schallgedämpfte Fenster und das High-Speed-WLAN. Kurz gesagt, ich fühle mich wie George Clooney in Up In The Air (den ich übrigens an dieser Stelle nochmals wärmstens empfehlen kann), nur besser schlechter angezogen vielleicht…die fensterlosen Zimmer im Rest & Fly – die nebenbei erwähnt auch nicht ganz billig sind, Duschen, Frühstück und Internet kosten extra – waren leider alle belegt, da wäre ich dann insgesamt vielleicht um 300 SEK billiger davongekommen. Hier kann ich allerdings ausgiebig schlafen, erst um 14.30 Uhr auschecken und mich am Vormittag zum Frühstücksbuffet trollen – es ist das Geld zwar nicht wirklich wert, aber fast 24 Stunden am Flughafen ohne Unterkunft…nein danke, nicht wenn sich’s vermeiden lässt – obwohl Arlanda ein sehr netter Flughafen ist…

Aus Spaß an der Freude habe ich begonnen, mich auf Fraser’sche Art zu bedanken („Thank you kindly“), ich könnte mich jedes Mal innerlich krümmen vor Lachen, schade dass den Witz wohl keiner meiner Gesprächspartner rafft, die schauen immer alle ganz erfreut…und auch interessant: die öffentlichen Computerterminals mit Internetzugang werden hier hauptsächlich für Facebook (warum bin ich nicht überrascht) und Online-Poker (Online-Poker??? WTF??? Auf einem öffentlichen Flughafen??? Während der Wartezeit auf den Anschlussflieger mal schnell eine Runde zocken??? Wow, ich war echt erschüttert…) genutzt. Für mich geht’s morgen erst um halb sieben abends weiter, allerdings werde ich diesen Beitrag wohl erst am Montag fertigstellen, wenn ich wieder in den eigenen vier Wänden bin…


Balkon, Villach, Montagvormittag

Kärnten hat mich wieder, die Frau™ hat mich gestern Nacht am (nebenbei bemerkt) wirklich verabscheuenswerten Münchner Flughafen abgeholt. Interessant: Kaum bin ich in Berlin/Tegel auf die Straße getreten, wurde mir bewusst, dass ich in den letzten acht Wochen kein einziges Auto jemals hupen gehört habe – sind die Nordländer und –innen einfach nur diszipliniert oder die Berliner einfach das Gegenteil davon? Ich habe keine Ahnung, das Flughafenpersonal in Berlin hat jedenfalls seine kleine, ihm vom Staate Deutschland verliehene Autorität genussvoll ausgelebt – übel, übel, ich bin drei Minuten in Deutschland und schon extrem angenervt von der Attitüde, hoffentlich muss ich nicht feststellen, dass die Österreicherinnen und Österreicher ähnlich bescheuert sind…

Die Fahrt von München nach Villach war mit extremem Wetterleuchten und ein paar Gewitterschauern garniert, lange nicht gesehen – sehr schön. Und ganz so einfach ist das Lenken eines vierrädrigen Kraftfahrzeuges nicht, wenn man diese Tätigkeit zwei Monate lang nicht ausgeübt hat, und völlig übermüdet ist (und ein Glas Prosecco intus hat, so nebenbei bemerkt, ähem). Ich bin jedenfalls froh wieder hier zu sein, ebenso wie Stella – die endlich wieder mit ihrer Mutter vereint ist – auch wenn es heute 34° Celsius haben soll, aber hey, ich kann wieder schwimmen gehen!

Deckel drauf…



Fin…