Stephen Fry – englischer Schauspieler, Theatermacher, Fernsehmoderator und Comedian – führte in jüngeren Jahren ein recht aufregendes Leben: Verweise von mehreren Schulen, eine mehrmonatige Gefängnisstrafe wegen Kreditkartenbetrugs, ein Stipendium für das renommierte Queens College in Cambridge, Erfolge als TV-Comedian zusammen mit Hugh Laurie, Sprecher der englischen Ausgaben der Harry Potter und der Per Anhalter durch die Galaxis-Hörbücher…und schließlich im Jahr 1995, im Rahmen einer Theaterproduktion namens Cell Mates ein Nervenzusammenbruch, eine überstürzte Abreise aus England, Selbstmordgedanken (begleitet von bestürzten und sorgenvollen Artikeln in der englischen Presse) und die Rückkehr nach England wo er schlussendlich mit der Diagnose „Bipolare Störung“ konfrontiert wurde. So weit, so gut – damit könnte die Geschichte an dieser Stelle auch vorbei sein, aber Stephen Fry war neugierig… (Bild via Wikimedia Commons)

Die Dokumentation „The Secret Life of the Manic-Depressive“

…und hat sich entschlossen eine sehr persönliche Dokumentation in zwei Teilen zum Thema Bipolare Störung mit obigem Titel zu schaffen, um dem Thema aus seiner persönlichen Sicht zu Leibe zu rücken. Der Themenbogen spannt sich vom persönlichen Erleben von starken Stimmungsschwankungen über individuelle Bewältigungsstrategien, Behandlung mit Psychopharmaka, Suizidgedanken und -handlungen bis hin zu positiven Aspekten der Krankheit, um schließlich in der Frage „Wenn du deine Bipolare Störung auf Knopfdruck für immer abschalten könntest, würdest du es tun?“ zu gipfeln (deren Beantwortung sich als nicht wirklich einfach herausstellt).

Monologisch wirkt die Dokumentation nie, das hat auch mit den Menschen mit Bipolaren Störungen zu tun, die Stephen Fry besucht und interviewt – Prominenz gibt sich die Klinke in die Hand, unter anderem treten auf: Prinzessin Leia Organa aus Star Wars (Carrie Fisher), der Meeresbiologe aus Der Weisse Hai (Richard Dreyfuss), Robbie Williams, eine Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester aus der Psychiatrie die mittlerweile als Stand-Up-Comedian erfolgreich ist (Jo Brand), Stephen Fry’s Schwester (Jo Crocker) und ein ehemaliger Angestellter von Bristol-Myers-Squibb, der extensive Selbsterfahrung in der EKT-Behandlung vorweist, ein interessantes Buch geschrieben hat („Electroboy“) und seinem ehemaligen Arbeitgeber und dessen Produkten nicht ganz unkritisch gegenübersteht (Andy Behrman).

Fazit

Für alle Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, die im Arbeitsbereich Psychiatrie tätig sind, handelt es sich meiner Einschätzung nach um eine absolute Pflichtdokumentation, die viel dazu beitragen kann das Krankheitsbild Bipolare Störung aus der Sicht Betroffener besser zu verstehen und auch die Ressourcen wahrzunehmen, die sich aus der Erkrankung ergeben. Ebenso hochinteressant sind die individuellen Bewältigungsstrategien, die Betroffene entwickeln um mit der Erkrankung umzugehen. Durch die freie Verfügbarkeit der Dokumentation eignet sie sich (bei gegebenen Sprachkenntnissen) auch als Ressource für Klientinnen und Klienten um ihr eigenes Umgehen mit der Krankheit zu hinterfragen und gegebenenfalls neue Coping-Mechanismen zu entwickeln. Ich wünsche euch viele erhellende Momente beim Ansehen, beide Teile sind sowohl bei YouTube als auch bei Amazon verfügbar, passende Links findet ihr in den Abschnitten Weblinks und Buchtipps & DVD’s.

The Secret Life of The Manic Depressive Teil 1

The Secret Life of The Manic Depressive Teil 2

Weblinks

Buchtipps & DVD’s


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