Drei Tage Fortbildung zum Thema COPM, namentlich ein Praxiskurs für alle Fachbereiche, mit Ellen Romein als Referentin sind vorbei – Zeit eine kurze Zusammenfassung online zu stellen, zu den Einzelthemen wird es in nächster Zeit noch den einen oder anderen Artikel geben. Im Vorfeld der Fortbildung habe ich mit Ellen einen Podcast aufgenommen, der vorwiegend die Themen Klientenzentriertheit, COPM und das Spannungsfeld zwischen ergotherapeutischer Theorie und angewandter Praxis behandelt – dieser wird voraussichtlich Mitte Juni erscheinen.

Organisation und Räumlichkeiten

Die Fortbildung fand im Seminarzentrum Lindengasse, in eben jener, in Wien – also faktisch in sehr zentraler Lage, ca. zehn Gehminuten vom Wiener Westbahnhof und somit auch in Spaziergangsnähe meiner bevorzugten „Wien-Kurzzeitaufenthalts-Schlafgelegenheit“ (*hust* Westend City-Hostel *hust*, spartanisch, billig, keine Kreditkarten, Online-Buchung möglich) statt. Das Seminarzentrum befindet sich in einer adaptierten Altbauwohnung und ist, abgesehen von den etwas beengten Verhältnissen in den Sanitärräumen, sehr gemütlich. Alles war bestens organisiert, die vereinbarten Zeiten wurden konsequent eingehalten und Kaffee, Tee, Säfte und Süßigkeiten (wichtig!) waren jederzeit greifbar. Sämtliche Unterlagen und eine aktuelle Fassung des COPM-Manuals lagen bei Kursbeginn bereit – seitens des Berufsverbandes also vorbildliche Organisation – Danke an dieser Stelle in Vertretung für alle organisatorisch beteiligten an ET Verena Tatzer vom Fortbildungsteam des Berufsverbandes!

Berufliches Spektrum der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Wenn ich richtig gezählt habe, waren insgesamt 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend – und zwar aus durchaus spannenden Arbeitsfeldern: viele Kolleginnen und Kollegen aus der mobilen Ergotherapie, die in Wien tätig sind (also im Endeffekt mehr mobile Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten als mir bisher in Kärnten oder in irgendeinem anderen Bundesland überhaupt begegnet sind), Pädiatrie, Psychiatrie, Vortragende von Fachhochschulen, Hospiz – ein sehr breites Feld, mit zahlreichen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und der Chance Einblicke aus erster Hand in die individuellen Probleme verschiedener Tätigkeitsbereiche zu erhalten – eine bunte, spannende Mischung…

Inhalte der Fortbildung

Hauptthema des ersten Tages war das Thema „Klientenzentriertheit“ – definitiv ein Feld, dass es sich zu beackern lohnt. Wenn man sich in die Materie vertieft ist schnell festzustellen, dass Eingehen auf Klientinnen und Klienten noch lange nicht gleichbedeutend mit klientenzentriert ist – und dass adäquate klientenzentrierte Kommunikation sehr viele „Stolperfallen“ beinhalten kann (die einem im jeweiligen Moment anfangs nicht einmal annähernd bewusst sind oder gar auffallen). Lehrinhalte zu dem Themen ICF, Betätigung, Aktivität & Partizipation rundete den ersten Tag auf theoretischer Ebene ab. Eine praktische Übung zur Herstellung eines adäquaten Gesprächssettings bei einer bettlägerigen Klientin, das eine größtmögliche Aktivität der Klientin während des Interviews sicherstellen soll, rundete den Tag auf praktischer Ebene ab.

Am zweiten Fortbildungstag wurde viel geredet – auch untereinander. Die Möglichkeit der Erstellung eines Betätigungsprofils als Vorbereitung für das COPM wurde skizziert, und anschließend wurde in Kleingruppen der Einstieg in das COPM-Interview an sich geübt – Feedback und Interviewbeobachter inklusive. Der letzte Tag stand ganz im Zeichen weiterer Interviews und der Erarbeitung von Kommunikationsstrategien für verschiedene Gruppen beziehungsweise Systeme von Klientinnen und Klienten, z.B. beim Vorliegen einer Demenz, bei Aphasie, Gedächtnisstörungen, Sprachbarrieren usw.

Fazit

Mariahilfer StrasseTja, ich war per se nicht überrascht was mir da so angeboten wurde, aber als Berufsanfänger ohne stark eingeprägte Verhaltensweisen und –muster ist es bei dieser Fortbildung vielleicht etwas leichter als mit 25 Jahren ergotherapeutischer Erfahrung. Weg von der reinen Funktion und hin zu Partizipation, Aktivität und Betätigung – diese Entwicklung wird alle Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten zukünftig betreffen und bietet auch jetzt schon Chancen den eigenen Beruf besser gegenüber anderen Berufsgruppen abzugrenzen und transparent zu machen, was Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten eigentlich so tun. Ellen Romein hat dazu in der ergopraxis 3-2010 einen Artikel veröffentlicht, der online (kostenpflichtig) abrufbar ist – sehr lesenswert im Übrigen! Diese Basisseminar stellt meiner Einschätzung nach eine Pflichtübung für alle Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten dar, die sich beruflich an aktuellen Entwicklungen orientieren und die Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten ins Zentrum ihrer Arbeit rücken wollen – unbedingte Empfehlung!