Eva Maria Rucker absolvierte im Herbst 2010 die Ausbildung zur Ergotherapeutin. Mit ihren Wurzeln tief im Süden Österreichs verankert, wurde sie von ihren Flügeln über den Atlantik getragen und fand sich im Osten der Vereinigten Staaten wieder. Dort widmet sie sich seit Januar 2011 den Pflichten eines Au-pairs mit therapeutischem Know-How. Zu ihren Schützlingen zählt unter anderem ein 10-jähriger Autist (frühkindlicher Autismus) mit der Vorliebe für Kinderlieder und Straßenkreide. Das Therapieprogramm welches die speziellen Bedürfnisse und den individuellen Entwicklungsverlauf des Jungen berücksichtigt, nennt sich Son-Rise-Programm. In regelmäßigen Beiträgen wird versucht die einzigartige Geschichte dieses Verfahrens interessierten Leserinnen und Lesern näher zu bringen, alltägliche Erlebnisse sowie singuläre oder wiederkehrende Erfahrungen mit dem therapeutischen System und dem „Klienten“ schriftlich festzuhalten und spezifische Aspekte aus einem ergotherapeutischen Blickwinkel zu analysieren.


Damals…

William war ein sehr höfliches und sozial interaktives Kleinkind. „Please“ und „Thank You“ gehörten zu seinen Lieblingswörtern und seine große Schwester galt als Spielgefährtin, Geschichtenerzählerin und Wildtierdompteurin (bevorzugtes Opfer: die Nachbarskatze). Mit 18 Monaten jedoch gab William das Sprechen auf und ein paar Tage später beobachteten ihn seine Eltern das erste Mal beim Händeflippen. Mit zweieinhalb Jahren dann die Diagnose: Frühkindlicher Autismus.

Es folgten Sonderkindergärten und spezifische Tagestherapie, Lern- und Betreuungszentren. Durch Zufall erfuhren Williams Eltern schließlich vom Therapiekonzept des Son-Rise-Programms.

Heute…

Seit nunmehr zwei Jahren ist das Son-Rise-Verfahren, diese Philosophie, ein fixer Bestandteil des Lebens der Familie. Williams Vater arbeitet momentan von zu Hause aus, seine Mutter gab ihre Karriere auf.

Rahmenbedingungen

Teammeetings finden einmal monatlich statt und ebenso oft kommt ein Son-Rise-Trainer zur Familie nach Hause um ein Wochenende lang mit William zu „spielen“ und im Nachhinein Fragen zum momentanen Entwicklungsstand und der empfohlenen Interventionsmöglichkeiten zu beantworten. Nach jeder Therapieeinheit wird vom jeweiligen „Spielgefährten“ ein Fragebogen zum Verlauf der Session ausgefüllt, dies dient der Dokumentation. Die Dauer einer Einheit beträgt zwei Stunden, anschließend betritt ein anderer Spielgefährte den Raum mit neuem Elan und motivierenden Herausforderungen. Momentan engagieren sich sechs Spielgefährten für William.

Aufenthalt im Spielraum

  • 8 Stunden täglich
  • 7 Tage die Woche

Fixes Mobiliar/ Spielgegenstände

  • 2 große Gymnastikbälle
  • Kleines Trampolin
  • Großer Wandspiegel
  • Eine Campingtoilette
  • Arbeitstische mit Stuhl
  • Korb voll mit Bällen unterschiedlicher Farbe, Größe und Oberfläche
  • Diverse Stofftiere
  • Verschiedenste Musikinstrumente (Trommeln, Flöten, Rasseln,…)
  • Drei Decken
  • Mal- und Bastelutensilien

Momentane Grobziele und Richtlinien, basierend auf dem letzten Teammeeting im Februar 2011

  • Imitation sobald er exklusiv wird
  • Herstellen und Aufrechterhaltung eines Blickkontaktes, besonders zu Beginn einer Interaktion
  • Unterstützung bei der nonverbalen Kommunikation (einfache Gesten nach Aufforderung)
  • Verlängerung der Aufmerksamkeitsspanne während Interaktionen
  • Hilfestellung bei der Interaktion unter der Verwendung von einfachen Gegenständen