Einleitung

Anlass für diesen Text ist ein Medienbericht über das Projekt „ergo-goes-wheelmap“, der in der Kronen Zeitung vom 09.02.2012, Sektion „Klagenfurt Extra“ auf Seite 22 veröffentlicht wurde (s. Faksimile am Beginn dieses Beitrags). Zur Einleitung sei noch dezidiert erwähnt, dass ich als Verfasser dieses Beitrags im Moment in keinem Beschäftigungsverhältnis zur Fachhochschule Kärnten stehe und hier eine rückblickende Perspektive als einer der beiden Leiter dieses Projekts einnehme, meine Äußerungen stehen in keinem Zusammenhang zu einer möglichen öffentlichen Position der Fachhochschule Kärnten zu diesem Thema.

Der Beitrag in der Kronen Zeitung vom 09.02.2012

Faksimile eines Beitrags in der Kronen Zeitung vom 09.02.2012Im betreffenden Beitrag wird seitens des Gleichstellungsbeirats der Stadt Klagenfurt – namentlich erwähnt werden in diesem Zusammenhang die Herren Mark Wassermann und Andreas Jeitler – Kritik an der Konzeption und Umsetzung des Projekts „ergo-goes-wheelmap“ des Studiengangs Ergotherapie der FH Kärnten geübt, das im Verlauf des Kalenderjahres 2011 durchgeführt und Ende Januar 2012 zum erfolgreichen Abschluss gebracht wurde, ich selbst war als eine der beiden Projektleitungen über die gesamte Laufzeit in die konzeptionellen und durchführungsrelevanten Aspekte des Projekts eingebunden. Rückblickend auf diese Funktion seien mir ein paar Anmerkungen gestattet, die die Aussagen im betreffenden Artikel in der Kronen Zeitung betreffen:

„Kritik an FH-Studie über Barrierefreiheit in Klagenfurt (…) Eine dieser Tage präsentierte Studie der Fachhochschule hatte nämlich nicht nach der Ö-Norm (sic!) bewertet, sondern nach Daten einer Berliner Initiative.“

Die Aussage, dass es sich um eine Studie der Fachhochschule handelt, ist falsch – es handelte sich vielmehr um eine extensive Datenerhebung von Örtlichkeiten im Sinne der Ortskategorien der, auf der OpenStreetMap basierenden, Internetplattform wheelmap.org der Berliner Initiative Sozialhelden.

Der weitaus wichtigere Punkt in diesem Zusammenhang besteht allerdings in der Tatsache, dass bewusst nicht die „Barrierefreiheit“ der betreffenden Orte erhoben wurde – da dieser sensibel zu handhabende Terminus schlichtweg unzutreffend wäre – sondern die „Rollstuhlgerechtheit“ dieser Orte, basierend auf den Kriterien der OpenStreetMap (die im Übrigen kein Projekt einer Berliner Initiative, sondern ein Globales ist) auf deren Basis die Plattform wheelmap.org fußt.

Während der gesamten Projektlaufzeit wurde nach der Erkenntnis der Sensibilität der Thematik das Wort „Barrierefreiheit“ im Projektzusammenhang seitens der Projektteilnehmer und -leitungen gegenüber der Öffentlichkeit nicht erwähnt, es wurden immer explizit die Termini „Rollstuhlgerechtheit“ oder „Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer“ verwendet. Die Erhebung der „Barrierefreiheit“ von Örtlichkeiten war zu keinem Zeitpunkt ein Projektziel von „ergo-goes-wheelmap“. Eine Datenerhebung nach der angeführten ÖNORM B 1600 (Planungsgrundsätze für das Barrierefreie Bauen) hätte im Projektzusammenhang also nicht nur keinen Sinn ergeben, die Daten wären für die Plattform wheelmap.org auch nicht verwertbar gewesen.

„Zum Beispiel werden Stufen mit sieben Zentimeter als barrierefrei hingestellt; diese können höchstens Behindertensportler überwinden.“

Für den Begriff „barrierefrei“ gilt in diesem Zusammenhang das bereits Gesagte, dass Stufen mit sieben Zentimeter Höhe (ca. eine Handbreite) nur von Behindertensportlern überwindbar sind, deckt sich allerdings nicht mit meiner persönlichen Berufserfahrung als Ergotherapeut. Hier spielen zusätzliche Faktoren wie die Restfunktion der oberen Extremität, das Körpergewicht, die Art des Rollstuhls und die Grunderkrankung, die die Benutzung eines Rollstuhls notwendig macht, eine große Rolle. Die „Bandbreite“ der Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer ist eine Große, ich habe einige davon kennengelernt und viele davon wären ohne weiteres in der Lage gewesen, ein Hindernis dieser Größenordnung aus eigener Kraft zu überwinden.

„Und es haben nicht einmal Rollifahrer (sic!)  mitgemacht.“

Das wäre bei der Projektdurchführung durch den Studiengang Ergotherapie (der zur Gänze aus jungen Frauen besteht) auch schwierig umsetzbar gewesen. Um die Probleme von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern für die angehenden Ergotherapeutinnen nachvollziehbar zu machen, hatten sie allerdings im Rahmen eines Selbsterfahrungstages die Gelegenheit selbst zu „erfahren“, mit welchen Hindernissen Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer bei der Fortbewegung in Klagenfurt zu kämpfen haben. Die aktive Teilnahme von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern am Projekt erschien vor dem Hintergrund der detaillierten Kriterien der OpenStreetMap auch nicht notwendig, um die Rollstuhlgerechtheit der erhobenen Örtlichkeiten anhand dieser Kriterien in adäquater Qualität zu bestimmen.

Zusammenfassung

Logo des Projekts ergo-goes-wheelmapIch empfinde die kritischen Aussagen zweier der sechs (Oder sind es acht? Die Website des Gleichstellungsbeirats ist in dieser Hinsicht auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig…) Gleichstellungsbeiräte der Stadt Klagenfurt in ihrer Gesamtheit unsachlich, mehr als schlecht recherchiert, stark überzogen und in keinster Weise nachvollziehbar. Zu den Aufgaben des 2006 gegründeten Beirates gehört lt. eigener Aussage auf der Website „die Interessen der Menschen mit Behinderungen in Klagenfurt zu vertreten“ – wie sich die Aussagen der Beiratsmitglieder vor dem Hintergrund eines Projekt wie „ergo-goes-wheelmap“, das Informationen über die Rollstuhlgerechtheit von Örtlichkeiten in einem Areal, das die gesamte Innenstadt von Klagenfurt umfasst, rechtfertigen lassen, entzieht sich auch nach längerem Nachdenken völlig meinem Verständnis.

Die grundsätzliche Motivation für die Kritik einmal beiseite lassend: Den Vorwurf schlechter Recherchearbeit müssen sich die betreffenden Personen in jedem Fall gefallen lassen, die wichtigsten Meilensteine des Projekt sowie ein Auszug aus dem Projektantrag waren jederzeit im Internet verfügbar (nun gut, einer der Beiträge trug den Titel: „Barrierefreiheit in Klagenfurt“, aber das war vor der Sensibilisierung für den korrekten Sprachgebrauch, und an dem wird’s wohl nicht gelegen sein) und das Projekt wurde sowohl via Facebook als auch auf Twitter laufend aktualisiert. Sich nur auf Printmedien (und deren definitiv nicht immer korrekten Sprachgebrauch) zu verlassen, erscheint mir bei der Kritik an einem webbasierten Projekt einfach ein wenig kurz gegriffen – und bei korrekter Recherche wären manche Dinge meiner Einschätzung nach in einem anderen Licht erschienen. Übrigens ist Klagenfurt im Moment lt. einer telefonischen Rückmeldung der Betreiber von wheelmap.org die am besten kartierte Stadt der Welt was Ortseinträge betrifft, und es ist angedacht, Klagenfurt in der wheelmap-Community als vorbildliches Beispiel vorzustellen, dies sei aber nur als Randnotiz erwähnt…

Gelegenheit zur Stellungnahme

Diskussionen sind ja bekanntlich das Salz in der Suppe des Lebens, in diesem Sinne habe ich das Team des Gleichstellungsbeirates Klagenfurt zur einer Stellungnahme bezüglich dieser Ausführungen eingeladen – und zwar per E-Mail kurz nach Erscheinen dieses Beitrags am 10.02.2012. Über eine ausführliche Erläuterung der Standpunkte der Herren Jeitler und Wassermann im Kommentarbereich würde ich mich freuen, es sind aber selbstverständlich auch alle Leserinnen und Leser willkommen, ihre Meinung zu dieser Thematik zu hinterlassen.

Weblinks