Aqua-Pearls – was ist das?

Vor kurzem hab ich ein neues Material für die taktile Wahrnehmungsförderung entdeckt, für alle die neben dem Linsen- und Bohnenbad eine Alternative suchen. Im Baumarkt oder Dekoladen werden die Wasserperlen oder auch Aqua-Pearls, Aqualinos zur Dekoration in Blumenvasen vertrieben. Das wasserspeichernde Granulat in Kugelform verschiedener Größe gibt für Blumen Feuchtigkeit ab und kann wieder mit Wasser angereichert werden. Zum Teil ist es auch als Raumbeduftung einsetzbar, falls jemand schon in Richtung Aromatherapie weiterdenkt. (Artikelbild von Bettina Hutterer)

Gerade bei meinen Frosch- und Fischspielen in der pädiatrischen Ergotherapie kamen die von einem Therapiekind genannten „GLUBBERPERLEN“ schon oft zum Einsatz. Sie faszinieren Kinder wie Eltern und Angehörige und eignen sich besonders für das Feinmotoriktraining und die Wahrnehmung im taktilen Bereich. Durch die glitschige Beschaffenheit muss man nämlich ganz gezielt und genau zugreifen um die Perlen einsammeln zu können, beziehungsweise etwas anderes raus zu fischen. Die Differenzierung der Kugeln in einem Mischbad aus Wasserperlen und Murmeln erscheint besonders förderlich bei diversen Krankheitsbildern. Vorsicht ist bei taktiler Defensivität geboten, da kann das Material durchaus auch mal für Würgereiz oder andersartige Abwehr sorgen.

Vor- und Nachteile des Materials

Für 500 ml bezahlt man zwischen 1 und 2 Euro. Eine leistbare Sache also für kleine Handbäder. Nach einigen Wochen und viel Verwendung wird das Granulat etwas brüchig, die Kugeln gehen dann zuschaden. Für einige Kinder war es schließlich auch besonders reizvoll die Perlen zu zerdrücken, was anfänglich gar nicht so einfach ging, je älter, ausgetrockneter und spröder das Material wird, desto besser natürlich. Wenn sie mal vom Tisch runterkullern, dann springen und rollen sie gleich in alle Ecken und dabei sammeln sie alles an Staub und Dreck auf, der ihnen so unterkommt. In den Mund genommen sollte das Material natürlich auch nicht werden. Soviel zu den Nachteilen.

Wenn die Wasserperlen in den unterschiedlichen Farben aber bei mir am Fensterbrett, quasi im Gegenlicht, stehen und schimmern, erregten sie bisher schon bei vielen großen und kleinen Besuchern in der Praxis Aufmerksamkeit. Ohne jetzt konkret damit im Handbereich gearbeitet zu haben, würde ich meinen, das lässt sich gut einsetzen.

Ein Anwendungsbeispiel

Grüne Aquapearls in einem Glas mit SchraubverschlussChiara ist sechs Jahre alt, konnte noch keine Händigkeit entwickeln und ist in vielen Alltagsaktivitäten ungeschickt. So ist das Essen einer Suppe oder auch das Malen mit ganz viel Ankleckern verbunden. Sie stolpert teilweise über kleine Hindernisse oder wirft häufig unabsichtlich was vom Tisch. Chiara merkt gar nicht, wenn ihr die Haare ins Gesicht oder in die Farbe hängen. In der Befundung zeigt sich eine Diskriminationsschwäche auch mit dem Tastsack.

Bei vielen Spielen war es Chiara auch egal, wenn etwas runter fiel, die Wasserperlen lagen ihr aber sehr am Herzen. Immer wieder wählte sie dieses Material aus und brachte verschiedene Spielideen ein. Ihre Griffe wurden immer genauer. Eines Tages landeten meine Kichererbsen in dem Wasserperlenbad. Mit verhüllten Augen war es schließlich gar nicht so einfach, die runden Teile wieder voneinander zu trennen. Der dosierte Umgang mit dem Material wurde schließlich auch auf einen Eierlauf ausgeweitet. Chiara konnte ihre feinmotorischen und taktilen Fähigkeiten rasch verbessern.

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website