Dieser Artikel stellt das Konzept eines Hackathons beziehungsweise Robothons vor, erläutert die Rahmenbedingungen unter denen er stattfand und illustriert die begleitende handlungswissenschaftliche Studie. Zusätzlich spiegeln sich meine persönlichen Erfahrungen als Studierender des Masterstudiumslehrgangs der fh gesundheit in Innsbruck darin wieder. Der Artikel enhält keine wissenschaftlichen Erkenntnisse und stellt keine wissenschaftliche Publikation dar, sondern soll einen Überblick zum Thema verschaffen, neugierig auf qualitative Foschung machen und mein persönliches Resümee darstellen. (Artikelbild von Markus Kraxner)

Was zur Hölle ist ein Robothon?

Am 24. April 2015 fand an der FH Salzburg der 1. Robothon statt, eine Veranstaltung über 24 Stunden im Sinne eines Hackathons, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in dieser Zeit aus einem vorgefertigten Standardbausatzpaket einen Roboter designen, konstruieren und programmieren müssen, der eine vorgegebene Aufgabenstellung erfüllt.

Das Motto der Veranstaltung lautete

„24h in love with ROBOTICS. 10 Teams, 10 Items, 10 Meters, 10 Minutes“

und die Aufgabenstellung umfasste unter anderem das Zurücklegen einer Mindestwegstrecke sowie die Manipulation, den Transport und die (teilweise zielgenaue) Ablage von zehn Objekten, zusätzlich war die Erstellung eines Business Model Canvas Teil der Aufgabenstellung. Die Einteilung von Zeit und organisatorischer Rollenverteilung konnte von den teilnehmenden Teams völlig frei gestaltete werden, ebenso wie das Design des Roboters und die Einteilung von Pausen beziehungsweise Ruhephasen. Coaches, Verpflegung, Ruheräumlichkeiten und Sanitäranlagen wurden seitens der FH Salzburg gestellt—diese 24 Stunden stellten also eine sehr intensive Zeit für alle teilnehmenden Teams dar.

Was hat Ergotherapie mit einem Robothon oder Robotern zu tun?

Nun ja, vordergründig nicht besonders viel. Handlungswissenschaftlich betrachtet ergeben sich allerdings einige interessante Ansatzpunkte:

  • Betrachtung der durchgeführten Betätigungen aus dem Blickwinkel des Konzepts des „Doing, Being, Becoming, Belonging“, das von Wilcock (1999) postuliert und von Hammell (2004; 2009; 2014) weiterentwickelt wurde anstatt eine Zuordnung zu den „etablierten“ Betätigungsbereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit zu treffen
  • Kontext und Umweltfaktoren—begrenzter zeitlicher Rahmen, geringe Vorabinformationen, unbekanntes Arbeitsmaterial
  • Co-Occupations und Shared Occupations—im handlungswissenschaftlichen Sinne als gemeinschaftliche und geteilte Handlungen und Betätigungen (Pierce, 2009)
  • Handlungsrollen—Einnahme von verschiedenen, unterschiedlichen Handlungsrollen im Verlauf der 24 Stunden

Um diese Themen zu beleuchten wurde eine handlungswissenschaftliche Pilotstudie von Mag. Melanie Kriegseisen-Peruzzi in Kooperation mit der fh gesundheit Innsbruck entwickelt und im Rahmen einer qualitativen Forschungsarbeit mittels Fokusgruppeninterviews nach den Prinzipien der Informierten Einwilligung (informed consent) durchgeführt. Die Verfassung aller Unterlagen (zum Beispiel Teilnehmerinformationen, Einverständniserklärungen) erfolgte nach den Kriterien des Research Committees for Scientific and Ethical Questions/RCSEQ der fh gesundheit und der UMIT.

Das Fokusgruppeninterview-Team

Im Rahmen der Kooperation mit der fh gesundheit waren (neben Mag. Melanie Kriegseisen-Peruzzi) Hannes Außermaier, Alina Klein und ich an der Durchführung der Fokusgruppeninterviews beteiligt.

Gemachte Erfahrungen im Rahmen der Fokusgruppeninterviews

Organisationsabläufe kann man immer verbessern, aber alles in allem hat die Datenerhebung für das Projekt sogar besser funktioniert als erwartet. Sehr spannend waren in den teaminternen Nachbesprechungen für mich vor allem das unterschiedliche Verhalten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezogen auf die Gesprächsführung und das Engagement in der Fokusgruppe, auch vor dem Hintergrund des sehr knappen Zeitfensters zwischen Wettbewerbsschluss und Siegerehrung.

Mit einer Therapiegruppe in meiner klinischen Tätigkeit lässt sich eine Fokusgruppe meiner Einschätzung nach nur sehr bedingt vergleichen, hier ist man als Moderator/Interviewer sehr viel zurückhaltender und abwartender. Ein spannender Aspekt ergibt sich durch den Zeitpunkt des Interviews (vor/nach der Siegerehrung): Wie wirkt sich das wohl auf Verhalten und Antworten in der Gruppe aus? Die Frage war nicht Teil der Untersuchung, wäre aber auch sehr interessant…

Und auf organisatorischer Ebene gab es auch einen deutlichen Lerngewinn, ein paar einfache Regeln ließen sich ableiten:

  • Sorge für den Komfort deiner GruppenteilnehmerInnen (Getränke, Frischluft, Zeit für Toilettenbesuch)…
  • Sorge für Kugelschreiber in ausreichender Anzahl, also mindestens in Teilnehmerstärke der Gruppe, niemand wartet gerne beim Unterschreiben der Einverständniserklärungen…
  • Kenne deine Umgebung, lege bei parallelen Interviews vorher die verwendeten Räumlichkeiten fest
  • Sorge dafür, dass du bei parallelen Interviews weisst, welche Gruppe „deine“ ist
  • Teste deine Aufnahmetechnik mindestens zweimal

Vorläufiges Resümee

Ja, das war ja sehr spannend und kurzweilig: Bei einem Hackathon wird sehr viel Kreativität frei, alleine das Besuchen der Labors, in denen gearbeitet wurde, wäre eine Anreise wert gewesen.

Die Interviews gehen jetzt an einen Transkriptionsservice (sehr spannende Frage: wie bekommt man Daten von Person A zu Person B, wenn bestimmte Webservices aus Datenschutzgründen nicht genutzt werden können?) und danach beginnt die Inhaltsanalyse: MAXQDA und ATLAS.ti haben es sich schon auf meiner Festplatte gemütlich gemacht und harren ihrer Erstanwendung…danach wird man weitersehen. Ich freue mich jedenfalls auf die weitere Arbeit, weitere Artikel zum Thema folgen…

Wie sieht’s eigentlich aus? Hat schon einmal jemand einen „Ergothon“ veranstaltet? Bisher offensichtlich nicht…

P.S.: Nächste Woche veröffentlichen wir ein Video, dass die Eindrücke des Robothon zusammenfasst, ihr dürft gespannt sein…

Weblinks

Weiterführende Literatur

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