Insgesamt acht verschiedene Techniken helfen angehenden Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten – wie ich es bin – das Arbeiten am Patienten zu erleichtern. Die „8 Säulen“, wie wir sie nennen, geben einen groben Behandlungsplan vor, den man in der Praxis sehr gut umsetzen kann.

1. Bindegewebstechnik

Durch Verletzungen und Vernarbungen verliert das Gewebe an Elastizität. Durch manuelle Mobilisation wird das Bindegewebe wieder geschmeidiger und lockerer. Mit Hilfe der Narbenhölzer nach Jens Hentschel können unterschiedliche Bindegewebsschichten leichter bewegt werden. Zusätzlich unterstützt es den Therapeuten gelenksschonend zu arbeiten.

2. Narbenbehandlung

Die Narbenbehandlung geht immer mit der Bindegewebstechnik einher. Aufgrund der Narbe kommt es in den meisten Fällen zu einer Einschränkung der Gelenksbeweglichkeit sowie der Sehnengleitfähigkeit. Durch die Narbenbehandlung wird das umliegende Gewebe mobilisiert sowie desensibilisiert. Zu einer regelmäßigen Pflege der Narbe mit geeigneten Salben (zum Beispiel KelosoftContractubex oder Ringelblumensalbe wird angeraten. Man beginnt neben der Narbe entlang mit kreisenden Bewegungen zu massieren. Bei gesicherter Wiederholung wird direkt auf der Narbe massiert, bis schlussendlich das Bindegewebe mit der Hand verschoben werden kann. Weitere Maßnahmen zur Narbenbehandlung sind APM-Massage, Silikoneinlagen sowie eine Dehnung mittels Lagerungsschienen.

3. Manualtherapeutische Behandlungstechniken

Wenn das Gelenk das Hauptproblem für die Bewegungseinschränkung ist, können Traktion, Kompression, Transversales Gleiten und Zentralisierung der Schub und Rollbewegung eingesetzt als manualtherapeutische Techniken angewandt werden.

4. Passives Bewegen

Damit das aktive Bewegen leichter ausgeführt werden kann, sollte zuvor eine passive Mobilisation durch den Therapeuten erfolgen. Das passive Beüben führt zu einer besseren Gelenksbeweglichkeit und wird oft in Kombination mit Bindegewebstechniken durchgeführt.

5. Aktives Bewegen

Um zu heilen benötigen Gewebe ihre physiologische Belastung:

  • Gelenk – Bewegung
  • Sehne – Gleiten
  • Knochen – Druck und Belastung
  • Muskel – Kontraktion und Entspannung

Durch die regelmäßige Bewegung steigert sich die Durchblutung des Gewebes, Muskelkraft wird aufgebaut und Bindegewebsschichten adaptieren sich. Es ist wichtig den ganzen Weg einer Bewegungsrichtung bis zur maximalen Dehnung und Zusammenfaltung der gelenksnahen Bindegewebsstrukturen zu gehen. Das aktive Bewegen soll regelmäßig und bis zur individuellen Schmerzgrenze durchgeführt werden. Statisches Dehnen unterliegt in der Therapiehierarchie dem Dynamischen, dehnen in eine Bewegung eingebettet ist das Ziel.

6. Praktische Übungen

Blocking-Übungen für das DIP, PIP und MCP Gelenk

Das jeweilige Gelenk wird knapp unterhalb der Gelenksfalte fixiert. Der gegenüberliegende Gelenkspartner wird alternierend bewegt. Mit gezielten Blocking-Übungen wirkt die maximal gerichtete Zugkraft auf das Gelenk.

Sehnengleitübungen

Eine maximale Sehnenexkursion löst Verklebungen der Sehne mit ihrer Umgebung. Um dies zu erreichen wird eine Bewegung der Finger von Faustschluss zur Kralle und in umgekehrter Richtung wieder zurück durchgeführt.

7. Übersetzung in den Alltag

Das aktive und selbständige Üben im Alltag ist eine wesentliche Komponente. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten kommt hier die Aufgabe zu Klientinnen und Klienten gut zu instruieren, aufzuklären und zu motivieren. Die Folgen des erlernten Nichtgebrauchs der verletzten Hand werden Klientinnen und Klienten erklärt. Je nach Krankheitsbild wird die Kraftdosierung, Pro- und Supination, Faustschluss sowie die Sensibilität durch Einsatz verschiedener Therapiematerialien beübt. Um die Klientinnen und Klienten so gut als möglich zu unterstützen, wird zusätzlich ein Übungsplan zur Selbstinstruktion und Selbstbeobachtung erstellt und mitgegeben.

8. Entspannungstechnik

Zum Abschluss der Therapie werden Massagegriffe eingesetzt. Diese werden von distal nach proximal angewandt. Massage ist die älteste Form von Therapie. Sie wirkt entspannend, durchblutungsfördernd, schmerzlindernd, wohltuend und emotional unterstützend. Diese Art der Behandlung hat einen wesentlichen sozio-emotionalen Schwerpunkt. Um Gleichgewicht zum “Hands Off“ des Therapeuten während des aktiven Übens zu erlangen hilft diese Methode dem Patienten die Therapie als positiv zu werten und gestärkt nach Hause zu gehen.

Durch Berührungen der verletzten Hand kommt es zu einer Ausschüttung des Hormons Oxytocin. Dieses führt zum Abbau der Stresshormone und liefert ein Gefühl von Verständnis und Unterstützung. Die direkte Berührung verhilft dem Patienten zu mehr Eigenachtsamkeit und er ist in der Lage mit seinen Herausforderungen des täglichen Lebens besser umzugehen (vgl. Gulde, 2013)

Weiterführende Literatur

Bildergalerie

Über die Autorinnen

Julia Kautz ist Studentin des Bachelor-Studienganges Ergotherapie an der Fachhochschule Kärnten. Seit 7. Jänner 2013 absolviert sie ein siebenwöchiges Praktikum im Fachbereich Orthopädie im Unfallkrankenhaus Klagenfurt. Um die umfangreiche Behandlung von traumatischen Handverletzungen so gut als möglich zu verstehen wurde mit Hilfe von Ergotherapeutin Andrea Moser ein Leitfaden zur Behandlung erstellt, der in Zukunft Praktikantinnen und Praktikanten und Klientinnen und Klienten in ihren alltäglichen Aufgaben unterstützen soll.
Andrea Moser ist Ergotherapeutin, mit langjähriger klinischer Erfahrung im Bereich Orthopädie. Sie ist sowohl in einer Klinik in Klagenfurt als auch freiberuflich als Ergotherapeutin tätig—Website

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