ICF, ICF, da war doch noch was…ach ja, die International Classification of Functioning, Disability and Health der WHO…wozu soll das denn eigentlich gut sein? Einleitend sei noch erwähnt, dass ich hier ausschließlich die Erfahrungen einen Hospitationstages im Gailtal-Klinikum Hermagor (eine Klinik, die neurorehabilitative Angebote in Kärnten zu Verfügung stellt) wiedergebe, i.R. meines aktuellen Praktikums wurde Mitgliedern der Abteilung die Möglichkeit gegeben, an einer Reha-Besprechung  – die nach ICF-Kriterien durchgeführt wurde teilzunehmen – und anschließend Fragen bzgl. der Umsetzung in den praktischen Alltag zu stellen. Mir fehlt momentan (das wiederholt sich immer wieder) die Zeit, um mich mit der Thematik ausführlich auseinanderzusetzen, und auf wesentliche Fakten der Ausbildung kann ich mich nicht beziehen, also wird’s eher laienhaft, fürchte ich.

Grundsätzlich wird die ICF von der WHO als Instrument zur Vereinheitlichung der Kommunikation im interdisziplinären Team empfohlen – d.h. sie kann als Instrument eingesetzt werden, um sicherzustellen dass alle Teammitglieder unter bestimmten Termini dasselbe verstehen, weiters soll die Zielformulierung vom funktionellen Aspekt weg und zum Aspekt der Teilhabe hingeführt werden, d.h. Einschränkungen von Patientinnen und Patienten werden nicht mehr im Sinne funktioneller Defizite sondern im Kontext mit der Handlungsebene betrachtet.

Die Erfassung der Einschränkungen erfolgt in Hermagor auf zwei Ebenen: der der basalen Handlungen und der der spezifischen Handlungen, wobei die basalen die Voraussetzungen für die spezifischen darstellen.

  • Basale Handlungen (Auszüge bzw. Beispiele in Klammern):
    • Lernen und Wissensanwendung (Zuschauen, Zuhören, lesen, schreiben, Aufmerksamkeit fokussieren, …)
    • Allgemeine Aufgaben und Anforderungen (Regeln einhalten, tägliche Routine planen, durchführen und abschließen, mit Verantwortung umgehen, …)
    • Kommunikation/Konversation (Mitteilungen verstehen und produzieren, Unterhaltungen beginnen und aufrechterhalten, Kommunikationsgeräte verwenden, …)
    • Mobilität (Körperposition ändern und beibehalten, Fortbewegung, …)
    • Gegenstände tragen, bewegen und handhaben (anheben und tragen, ergreifen und loslassen, ziehen, schieben, werfen, fangen, …)
  • Spezifische Handlungen (Auszüge bzw. Beispiele in Klammern):
    • Selbstversorgung (Waschen, Pflegen, An- und Auskleiden, Toilettenbenutzung, Gesundheit erhalten, …)
    • Häusliches Leben (Einkaufen, Mahlzeiten zubereiten, Hausarbeiten, …)
    • Interaktionen/Beziehungen (Beziehungen eingehen/beenden, soziale regeln einhalten, …)
    • Gemeinschaft und soziales Leben (Erholung und Freizeit, Gemeinschaftsleben, …)
    • Bedeutende Lebensbereiche (Bildung/Ausbildung, Arbeit erhalten, behalten und beenden, wirtschaftliche Transaktionen, …)

Die Zielformulierungen erfolgen ebenfalls in diesen Bereichen, so werden z.B. Ziele wie “Aufstehen vom Boden” und “Gehen im Haus” im Bereich  Mobilität/Hantieren verbucht, die Skalierung der Ziele erfolgt anhand von Kontextfaktoren wie Assistenz, Hilfsmittel, Zeitaufwand, Gelände und Gewicht, d.h. aus “Gehen im Haus” wird “Gehen im Haus mit Rollmobil und aufrechtem Rumpf für 50m”.

Soviel zu den Grundprinzipien, die Umsetzung der ICF wird lt. Auskunft der Mitarbeiter als positiv erlebt, Ziele werden im interdisziplinären Team wöchentlich evaluiert, ebenso werden – bezogen auf den Therapieverlauf – wöchentliche Schwerpunkte gesetzt, immer mit dem Blick auf den Entlassungstermin von Patientinnen und Patienten, um ein möglichst gutes Outcome während des Aufenthalts zu erzielen. Ich erlebte die Besprechung als sehr produktiv und gut organisiert, die Informationsweitergabe der einzelnen Berufsgruppen erfolgte immer bezogen auf die individuellen Ziele besprochener Patientinnen und Patienten – das beliebte “Geschichtenerzählen” fiel praktisch völlig weg.

Die Umsetzung bzw. Implementierung der ICF wird von Ansprechpartnern der Klinik auch im freiberuflichen Bereich bzw. in „Ein-Personen-Unternehmen” als möglich erachtet (was aus der Sicht der Qualität definitiv begrüßenswert wäre), die nächste Fortbildung des Österreichischen Berufsverbandes der Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten zum Thema ICF findet übrigens im September statt.

Empfohlene Literatur:


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