Porträtaufnahme von Sophie Ulbrich-FordSophie Ulbrich-Ford hat 1995 diplomiert und hat seither im Fachbereich der Neurologie und Pädiatrie als Ergotherapeutin gearbeitet. Im Moment studiert sie an der Salford University in England Advanced Occupational Therapy und ist als Lehrende an der FH Wiener Neustadt tätig, zusätzlich arbeitet sie als freiberufliche Ergotherapeutin im südlichen Niederösterreich.


Einleitung

Es ist wohl nicht optimal, einen Erfahrungsbericht über das Studieren zu schreiben, wenn man gerade eine Woche darauf gewartet hat, sich endlich für das dritte Semester  anmelden zu können. „Computer says no“ – wer „Little Britain“ gesehen hat, kennt die grantige Person hinter dem Computer,  die egal bei welcher behördlichen oder amtlichen Anfrage einmal auf die Tastatur klopft und dann einfach mit „Computer says no“ antwortet. So komme ich mir gerade vor, als ich zum fünften Mal meine Studenten-Identifikationsnummer und meine PIN auf der Online-Registrationsseite der Salford-Universität eintippe, um dann zu erfahren, dass meine Daten nicht vollständig sind und ich daher derzeit nicht berechtigt bin, mich zu registrieren. Meine Daten sollten alle der Uni bereits bekannt sein nach zwei Semestern, würde ich  meinen. Nun, lassen wir mal die Ärgernisse mit Onlineregistration und anderen IT-Problemen beiseite … Ups, das geht schwer bei einem Online-Studium.

Auswahlgründe für ein Fernstudium

Fotografie eines Stapels ergotherapeutischer FachbücherAlso, eines sollte jeder/ jedem, die/der sich für ein Online-Fernstudium entscheidet, klar sein: Der Umgang mit dem Computer und den damit verbundenen Problemen sollte einem einigermaßen vertraut sein.  Aber ich gebe zu,  das war einer der Gründe, warum ich mich genau für dieses Studium entschieden habe. Ich habe ein Studium gesucht, bei dem ich nicht nur etwas über Ergotherapie lerne. Nach der Umwandlung meiner Arbeitsstelle von der Akademie zur Fachhochschule war es klar für mich, dass  ich noch mehr über Ergotherapie und wissenschaftliches Arbeiten lernen werde müssen, wenn ich meiner Aufgabe als Lehrende an einer Fachhochschule die nächsten 20 Jahre noch gerecht werden will. Mehrere Jahre hat es gedauert, bis die Bildungslandschaft das für mich Geeignete hervorgebracht hat. Ich suchte nach einem Studium, das neben meinen 20 Wochenstunden Lehrtätigkeit, ein paar Stunden in freier Praxis und der Familie zeitlich zu organisieren ist.

Weiters sollte es nicht nur meinen ergotherapeutischen Horizont erweitern, sondern evtl. auch noch andere Dinge vermitteln. Was das sein sollte, wusste ich anfangs nicht. In meiner Vorstellung wollte ich mir Wissen nicht nur für die Ergotherapie an der Fachhochschule aneignen, sondern auch für andere Aufgaben. Als ich dann nach langem Recherchieren auf ein Online-Studium an einer englischen Universität  stieß, war mein erster Gedanke: „Online?! Wie soll das funktionieren?!“ Kurz danach lernte ich bei OT4OT – Online Technology for Occupational Therapy, Online-Technologie für Ergotherapie –  Elluminate live kennen und sah, wie Live-Online-Vorlesungen funktionieren. (OT24VX findet heuer übrigens am 30. Oktober 2012 statt).

Das hat mich schließlich davon überzeugt, dass ein Fernstudium ohne Präsenzzeiten wirklich sinnvoll sein kann. Die didaktischen Mittel bei Fernstudien sowie Lernplattformen und andere Möglichkeiten, die das Internet heutzutage für das Lernen bietet, haben mich immer schon interessiert. Ein Online-Studium würde mir die Möglichkeit bieten, mich auch damit vertieft auseinanderzusetzen. Erfahrungen mit neuer Technologie als Online-Studierende zu sammeln, könnte von Vorteil sein, wenn unsere Fachhochschulen in Zukunft auch vermehrt Wissensvermittlung über das Netz anbieten. Schließlich dachte ich auch daran, dass sich hoffentlich mein Englisch verbessern würde. Genug der Beweggründe für ein solches Studium!

Wie gut funktioniert ein Ergotherapiestudium über das Internet?

Was bietet es jetzt tatsächlich? Nach einem Jahr kann ich sagen, dass ich wirklich viel gelernt habe. Ich schätze die Möglichkeit, eigene Projekte aussuchen zu können und sich in Themen zu vertiefen, die einen selbst interessieren. Online-Vorlesungen werden nach meinem Geschmack  etwas zu wenig angeboten. Die wenigen, die angeboten wurden, fand ich  nicht besonders hilfreich. Es wird erwartet, sich viel mit Mitstudierenden auszutauschen. Diese sind übrigens alle aus Großbritannien, bis auf eine Studentin, die aus Irland kommt. Der Austausch ist ein wenig schleppend und ich fühle mich etwas unverstanden in manchen Themen (zum Beispiel wird mir kaum geglaubt, dass  ich keine Zahlen bieten kann darüber, wie viele Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in Österreich beschäftigt sind). Berufspolitisch gibt es in Großbritannien ganz andere Probleme.

Ergotherapeutische Fachlektüre am StrandIch kann auch nicht immer alles verstehen, was diskutiert wird, da es Prozesse gibt, die mir als österreichischer Ergotherapeutin komplett unbekannt sind (zum Beispiel Maßnahmen des Qualitätsmanagements – KollegInnen beurteilen die Arbeit von KollegInnen). Daher ist der Austausch mit Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in meinem Umfeld noch wichtiger geworden. Ich möchte mich daher bedanken, dass insbesondere die Kolleginnen und der Kollege an der Fachhochschule Weine Neustadt sich immer Zeit für mich nehmen, um mit mir verschiedenste Themen zu diskutieren. Alleine, ohne die Möglichkeit zum persönlichen Austausch könnte ich mir ein solches Studium nicht vorstellen. Übrigens gibt es immer wieder Gelegenheiten, bei denen mit der persönlichen Tutorin als auch mit Mitstudierenden  über Skype kommuniziert wird. Wie schon erwähnt , ergeben sich  Kommunikationsschwierigkeiten selten aufgrund der  technischen Probleme. An Headsets und an die schlechte Auflösung des sich bewegenden Gegenübers gewöhnte ich mich schnell.

Ein kurzer Rückblick auf das erste Studienjahr in Salford

Die beiden ersten Module waren jeweils mit einer Projektarbeit abzuschließen, wobei ein Produkt entstehen sollte, das für die Ergotherapie, für einen persönlich, für Arbeitgeber/innen oder  für  Klienten und Klientinnen brauchbar ist. Das Produkt wie auch eine schriftliche Abhandlung mit 5.000 Wörtern werden abgegeben.

Als Beispiel: Für die erste Arbeit habe ich Interviews über die Verwendung von ergotherapeutischen Modellen geführt, und diese im Internet veröffentlicht. Für das  zweite Modul habe ich ein Position Paper geschrieben über Ergotherapie in österreichischen Schulen und in Kindergärten.

Beide Arbeiten habe ich gern geschrieben und die von der Universität bereitgestellte Literaturliste war sehr nützlich. Die Universität  ist gut ausgestattet mit Datenbanken und elektronischen Journals. Ich freue mich auf das nächste Modul und bin gespannt, was diesmal auf mich zukommt.

Soweit ich es  nach einem Jahr beurteilen kann, würde ich das Studium österreichischen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten empfehlen. Ich freue mich, wenn ich jemanden von euch im virtuellen Café treffe!

Fakten zum Studium

  • Titel: MSc Advanced Occupational Therapy
  • Dauer: Drei Jahre, sechs Semester. Semester entsprechen zeitlich in etwa den unseren.
  • Arbeitsaufwand: Kann nicht in ECTS angegeben werden (sehr ärgerlich!!!), sondern bloß in Credits. Davon sind es 150. Wie Credits in ECTS umzurechnen sind, konnte ich bisher nicht erfahren.
  • Beruhigend: This programme is endorsed by the UK College of Occupational Therapists. Das heißt: Der Studiengang ist beim britischen Verband für Ergotherapie zugelassen.
  • Module:
    • Philosophy and Theoretical Base of Occupational Therapy (30 credits)
    • Current Issues (30 credits)
    • Emerging Practice/Extending Boundaries (30 credits)
    • Research Methods (30 credits)
    • Dissertation (60 credits)
  • Qualifikation: Ein Nachweis über Englischkenntnisse muss in Form eines TOEFL (Test of English as a Foreign Language)  oder Cambridge Certificate erbracht werden. Ein Diplom in Ergotherapie wird auch akzeptiert.

Weblinks