Die „pro mente work.box“

Was kann man als gerne handwerklich-kreativ arbeitende Ergotherapeutin jugendlichen Arbeitssuchenden auf den Weg mitgeben? Thema dieses Beitrags ist das Einsatzgebiet unserer Berufsgruppe bei beruflicher Integration von 16-23-Jährigen mit psychiatrischer Diagnose. Seit einigen Jahren begleite ich nämlich für einige Stunden im Jahr die promente work.box. (Artikelbild von Bettina Hutterer)

Natürlich kann im Einzelsetting einiges an Fähigkeiten erarbeitet werden, um jemanden auf das Berufsleben oder auch auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Denn schon bei der Entscheidung ob eine Lehre oder eine weitere Schulausbildung angestrebt wird, oder welcher Berufswunsch überhaupt besteht, spielen die individuellen Fertigkeiten hinsichtlich Aufmerksamkeit, soziale Kompetenzen, Belastbarkeit, Frustrationstoleranz und Sensomotorik eine wesentliche Rolle. Im Gruppensetting, zu dem ich mich in der Arbeit mit den Jugendlichen der work.box entschieden habe geht es nun hauptsächlich um die Einschätzung der Handlungsfähigkeit und auch um eine verbesserte Selbstwahrnehmung in dieser Hinsicht. Zum Einsatz kommen handwerklich kreative Tätigkeiten wie z.B. T-Shirts bedrucken, Filzen, Mosaik, Speckstein, Gips, Papiermaché, oder Arbeit mit Fotografie und bildnerischen Techniken (Linolschnitt,…). Wichtig dabei ist auch einen gruppendynamischen Teil einzubauen, sprich auch die Fremdwahrnehmung mit zu berücksichtigen.

Interaktion von Jugendlichen im Gruppensetting

Nun sieht man bereits in den einfachsten Techniken die unterschiedliche Herangehensweise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und kann wertvolle Beobachtungen zur Handlungsplanung, konsequenter Umsetzung und Umgang mit Konfliktsituationen machen. Was tun, wenn der Speckstein bricht oder es schwer ist, überhaupt eine realistische Idee für die Umsetzung zu haben? In der Therapiegruppe profitiert jeder Einzelne von eben diesen Beobachtungen, vor allem wenn sie in einer nachfolgenden Reflexionsrunde mit der Selbsteinschätzung abgeglichen werden. Dabei können kleine Inputs zur eigenen Verhaltensanalyse bis hin zu Lösungsstrategien führen, zum Beispiel „Mir ist aufgefallen, dass du deine Arbeitsutensilien über mehrere Tische verteilt hast.“ oder „hast du schon öfter beobachtet, dass du manche Materialien gar nicht gerne angreifen magst“ oder aber „du bist immer als Erste/r fertig, was kann man mit der verbleibenden Zeit tun?“ Bei konkret vorliegenden Berufswünschen, kann das entstandene Bild während der Therapiegruppe noch genauer analysiert werden. „Denkst du, in diesem Beruf muss man viel nach Plan arbeiten?“, „Glaubst du, die anderen schätzen dich als Team-Worker ein?“

Nicht nur aus psycho-emotionaler Hinsicht ist das tätig sein an einem Handwerk, das zugegebener Weise für manche Jugendliche auf den ersten Blick auch als kindisch beurteilt wird, wichtig und förderungswürdig. Man denke an die räumlich-konstruktive Vorstellungskraft, die man für das Schneiden einer Schablone (zum Bedrucken der T-Shirts) benötigt oder auch das feinmotorische Geschick im Umgang mit dem Stanleymesser oder dem Linolschnittwerkzeug. Wie steht es um die Organisation des Arbeitsplatzes und dem sicheren Umgang mit Material? Vor allem beim Hantieren mit dem Papiermaché oder den Fliesenmosaiken sind hierbei Vorbereitungen zu treffen, die von manchen Arbeitnehmern wohl als selbstverständlich erwartet werden – dazu zählt nicht zuletzt das selbständige Aufräumen. Falls tatsächlich Schwierigkeiten in der Planung und Umsetzung auftauchen, sollte ein Weg gefunden werden, sich Hilfe zu verschaffen, die Kommunikation mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in diesem Fall ist unabkömmlich.

Was bringt’s?

Bearbeitetes Stück SpecksteinIm Berufsleben aber auch beim Lernen in höheren Schulen wird eine Selbstständigkeit erwartet, die in Werkgruppen durchaus geübt werden kann. Es geht dabei um Strategieentwicklung, die zwar meist im Einzelsetting mit den sozialpädagogischen Betreuerinnen und Betreuern begleitet wird, aber zur Bewusstmachung und zum Probehandeln kann die Ergotherapie in diesem Bereich einen wertvollen Beitrag leisten.

Einige Arbeitsbeispiele, auf welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr stolz sind, findet ihr in der nachfolgenden Fotogalerie…


 Werktätig – Fotogalerie


Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website