Der Kärntner kennt Kroatien ja eher vom Sommerurlaub: ins Landesinnere verirren sich bekanntlich nur die wenigsten Menschen mit Meeressehnsucht. Nicht ganz überraschend also, dass das diesjährige ENOTHE-Meeting (das bereits zum dreiundzwanzigsten Mal stattfand) gleichzeitig meinen ersten Besuch in der kroatischen Bundeshauptstadt bedeutete. Mein Besuch dort hatte berufliche Gründe, abseits der Vernetzung und des Erfahrungsaustausches mit anderen lehrenden KollegInnen in der europäischen Ergotherapie-Ausbildungslandschaft und in unserem Studiengang, war es mir eine Freude, dass wir auch vier Studierende im fünften Semester „im Gepäck“ hatten, die erfolgreich ein Poster rund um das Thema 3D-Druck in der Ergotherapie eingereicht hatten. (Artikelbild von Markus Kraxner, CC BY-NC-SA 3.0)

ENOTHE (European Network of Occupational Therapy in Higher Education) wurde 1995 gegründet und hat die Sicherstellung einer professionellen Ausbildung zum Ziel, vereinfacht gesprochen jedenfalls. Das diesjährige Meeting untergliederte sich in drei Themenbereiche, die jeweils an einem Tag behandelt wurden:

  1. Globale Gesundheitstrends (Global Health Trends)
  2. (Aus-)bildung & Training (Education & Training)
  3. Innovationen und zukünftige ergotherapeutische Praxis (Innovation and Future Occupational Therapy Practice)

Der Kroatische Berufsverband Hrvatska Udruga Radnih Terapeuta (HURT) hat zusammen mit ENOTHE den Kongress, inklusive aller Randveranstaltungen, geplant und organisiert. Das Programm war glücklicherweise deutlich weniger dicht als beim COTEC/ENOTHE-Kongress in Irland, viel weniger gehetzt und durch die Anmeldung zu ganzen Präsentationsblöcken ist man immer längere Zeit an einem Ort gesessen, das war insgesamt sehr positiv, auch weil thematisch ganz gut gruppiert wurde.

Ganz ähnlich wie bei letzten Kongressbericht gibt’s nachfolgend eine Kurzzusammenfassung der Vorträge und Workshops, die ich besucht habe, auch diesmal gilt: je mehr Sterne, desto besser hat’s mir gefallen, drei sind das Maximum…

Tag 1: 26.10.2017 (Nationalfeiertag in Österreich)

Keynote 1: Dr. Ivan Šoša, Universität Rijeka, Zagreb. ★

Ivan Šoša ist Pathologe und Forensiker an der Universität Rijeka. Und er hat im letzten Jahr des Medizinstudiums eine Gehirnblutung erlitten, die mit einem langen Rehabilitationsprozess einherging, was ihn allerdings nicht von einem PhD-Studium (und dessen Abschluss) abhalten konnte, aktuell ist er lehrend und forschend tätig. Seine Beschreibung „seines“ Rehabilitationsprozesses umfasste Barrieren, die er persönlich erlebt hat und Beschreibungen seiner Arbeitsplätze. Für mich wirkte der Vortrag so gar nicht zum Thema des ersten Tages passend, es war einfach eine interessante Geschichte—aber als Eröffnungskeynote hätte ich einfach etwas mehr Themenbezug erwartet. Ein spannender Einblick zum Schluss war jedenfalls die Erläuterung der Betätigungsmotivation für seine Profession:

„Being someone special with special work.“

Keynote 2: Susanne Guidetti, Karolinska Institut, Schweden. ★★★

Susanne Guidetti’s Vortrag hatte Interkulturalität zum Leitthema, sie illustrierte dies mit der Beschreibung der Konzeption und Umsetzung eines Austauschprogrammes für Lehrende und Studierende aus Uganda, das 1994 mit acht Studierenden begonnen hat und mittlerweile einen fixen Bestandteil am Institut darstellt. Neben gegenseitigen Lernprozessen in verschiedenen Arbeitsfeldern (unter anderem Community Based Practice) betonte sie bei interkultureller Arbeit insbesondere die Notwendigkeit der Konstanz auf Ebene des handelnden Personals sowie die Wichtigkeit klarer und definierter Rahmenbedingungen bei Internationalisierungsprozessen im Hochschulwesen, um sich nicht im Dschungel der Möglichkeiten zu verlieren. Abschließend wurden von ihr noch zwei Tools vorgestellt, die es erleichtern sollen, eigene Annahmen über andere kulturelle Umgebungen zu hinterfragen:

  • Gapminder: Bekannte (und gute) Statistikwebsite zu globalen Themen
  • Dollar Street: Ein Projekt von Gapminder, das mithilfe von Bilderstrecken die Lebensumstände von Familien weltweit, filterbar nach verschiedenen Einkommensschichten, darstellt (sehr spannend)

Drei ENOTHE-Pitches ★

Direkt danach folgten drei ENOTHE-Pitches (also Kurzvorstellungen) rund um aktuelle ENOTHE-Themen und Projekte. Hier war für mich im Pitch Betätigungsbasierte Soziale Transformation vor allem interessant, dass Themen wie Unterbeschäftigung und Arbeitlosigkeit, Menschen mit Fluchterfahrungen und ökologische Nachhaltigkeit angesprochen wurden, vorerst als ExpertInnenthema. Lohnt sich im Auge zu behalten, die Pitches zu Bürgerschaft (Citizenship) und dem Projekt COPILOT (Peer-assisted learning-Plattform) fand ich nicht so interessant, da muss man schauen was noch draus wird.

Urban gardening: community gardens and occupational balance of retirees; Sabine Kromoser, Barbara Prinz-Buchberger & Mona Dür, Fachhochschule Krems, Österreich. ★★★

Sabine Kromoser hat im Rahmen dieser Präsentation ihre Bachelorarbeit vorgestellt, sie hat gemeinschaftliche Gärntern anhand eines qualitativen Forschungsdesigns mit TeilnehmerInnen in Wien, bezogen auf Aspekte von Betätigungsbalance untersucht. Sie kam zu den Schlussfolgerungen dass:

  • Gärtnern eine wertgeschätzte Betätigung darstellt,
  • Produktivitätsaspekte beinhaltet beziehungsweise zur Verfügung stellt,
  • Aktivitäten eines breiten Spektrums beinhaltet und
  • flexibel in den persönlichen Tagesablauf integrierbar ist.

Spannend, vor allem weil ich selbst auch stark am Thema Garten als therapeutisches Mittel und Medium interessiert bin. In diesem Zusammenhang noch eine Literaturempfehlung aus ihrer Präsentation, die thematisch einen guten Überblick über das Wissen, das wir aktuell über Gemeinschaftsgärten haben, bietet:

Therapeutic gardens as aid in healing process at Psychiatric Hospital Rab; Marija Bortiek, Psychiatric Hospital Rab, Croatia. ★★★

Marija hat in diesem Vortrag die therapeutischen Gärten in der psychiatrischen Rehabilitationsklinik auf der Insel Rab vorgestellt. Mich hat eingangs bereits die schiere Größe der Klinik überrascht (390 Betten ist der aktuelle Stand), behandelt werden durchwegs heterogene Krankheitsbilder. Die Besonderheit der Klinik sind die vier therapeutischen Gärten, die in Kooperation mit der Universität Washington entstanden sind und folgende Charakteristika aufweisen:

  1. Multifunktionsgarten—barrierefrei und im Amphitheater-Stil angelegt
  2. Erholungs- und Besinnungsgarten—mit mediterraner Symbolik aufgeladen
  3. Garten für neurokognitive Rehabilitation—zum Beispiel mit einem Fühlpfad und Möglichkeiten Gedächtnisleistungen zu beüben
  4. Aromagarten—mit verschiedenen aromatischen Pflanzen bepflanzt

Ist komisch, beim Schreiben der Aufzählung frage ich mich gerade, ob sich diese Dinge nicht auch in einen „normalen“ Therapiegarten durchführen lassen und ob hier vielleicht ein bisschen viel Wind gemacht wird? Aber ich habe zumindest sehr große Lust bekommen, diese Klinik im nächsten Jahr für ein paar Tage zu besuchen und mir selbst ein Bild zu machen.

Auch hier kann ich einen Literaturtipp geben, leider nicht die Originalpublikation (Buch), aber eine Rezension dazu, die eine eventuelle Kaufentscheidung erleichtern mag:

Health literacy and effective communication with clients with low literacy levels; Saskia Buschner, Wannsee Schule e.V., Deutschland. ★★

Der Vortrag behandelte die Wichtigkeit von Gesundheitskompetenz (Health Literacy) in Bezug zur Ergotherapie im geografischen Kontext von Deutschland. Ankerpunkt war die Tatsache, dass 14,5 % der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland Probleme mit dem Lesen von Texten haben. Saskia hat ein Pilotprojekt der Wannseeschule Ergotherapie vorgestellt, das die Implementierung des Konzepts Gesundheitskompetenz in den Unterricht beschrieb. Der Vortrag war, vor allem was die Problematik, aber auch bezogen auf Definitionen und Problemfelder, sehr informativ und hat neue Einsichten eröffnet. Hier gibt es drei Literaturtipps zum Weiterlesen & Vertiefen der Materie:

ENOTHE Pre-General Assembly 2017

Den Abend abgeschlossen hat die Pre-GA von ENOTHE, die als Vorbereitung für die Generalversammlung am zweiten Tag diente. Wer dabei war, weiss worum es geht, allfällige weitere Informationen finden sich auf der Website von ENOTHE. Für mich war es prinzipiell eine Freude, vor allem da die FH Kärnten seit heuer wieder ENOTHE-Mitglied ist, es bot sich viel Möglichkeit zu Austausch und Diskussionen mit KollegInnen aus ganz Europa.

Tag 2: 27.10.2017

Keynote 1: Marleen van Doesburg-Kaijen, HAN University, Niederlande. ★★

Marleen behandelte in ihrer Keynote, vor dem Hintergrund verschiedener Lerntheorien (Pain vs. Pleasure, verschiedene Lernformen wie Learning-by-Doing, kollaborativem Lernen & Flow-Theorie) den Aufbau des ergotherapeutischen Curriculums an der HAN. Das Curriculum ist flexibel ausgerichtet und legt den Fokus mehr auf „Ermöglichen“ (Enablement) als auf „Lernen“ (Teaching), Marleen verglich diese Variante mit einem curricularen Menü (im Sinne einer Speisenfolge), das sich aus fixen und optionalen Zutaten zusammensetzt, ihre Key Message für die Lehrenden:

„Choice for students“

Sie erläuterte die Elemente eine studierendenzentrierten Ansatzes in Verbindung mit lernbasierten Ansätzen in Kombination mit praxisorientierten Aspekten und die Verschiebung von „Wissenstransfer“ hin zur „Konstruktion von Wissen“ gemeinsam mit Studierenden.

Spannend war vor allem der Teil, der sich auf Lerntheorien bezog, da habe ich persönlich viel Neues mitnehmen können, mit praktischen Aspekten der Curriculumsgestaltung beziehungsweise -überarbeitung habe ich bisher noch keine Erfahrungen gesammelt.

Keynote 2: Claire Craig, Centre for Health & Social Care Research, Sheffield Hallam University, Vereinigtes Königreich. ★★★

Das Potenzial digitaler Technologien zur Förderung von Gesundheit & Wohlbefinden stellte das Leitthema von Clare’s Keynote dar. Die ergotherapeutisch/handlungswissenschaftliche Kernannahme lautete, dass Technologie omnipräsent ist und dass sie einen Einfluss auf menschliche Betätigung und die Bedeutungszuschreibungen dieser Betätigungen hat, vor allem in den Bereichen Produktivität und Freizeit. Weiters postulierte sie, dass Technologien die Verwendung therapeutischer Medien beeinflussen sollte und führte als Beispiele Telehealth und Telemedizin an. Sie betonte die Wichtigkeit der Stimme der Profession bezogen auf technologische Anwendungen im Gesundheitswesen, vor allem im Hinblick auf ethische Aspekte, Design4All, Kosten und dem Mangel an Bedeutung (im ergotherapeutischen Sinn) bei der Implementierung technischer Lösungsansätze in verschiedenen Anwendungsbereichen. Dieser Aspekt wurde sehr nachdrücklich mit einem Video, das Smart-Home-Anwendungen mit Smart-Devices thematisiert und (zwischen-)menschliche Aspekte völlig vernachlässigt, illustriert:

Die digitale Kluft (Zugang zu Informationstechnologien in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren) wurde ebenso angesprochen, wie mögliche Strategien um dieser entgegenzuwirken. Den Abschluss bildete eine Reihe von Anwendungsbeispielen wie ein Projekt, dass versucht Schmerzen von Personen als 3D-Modell zu visualisieren und mittels 3D-Drucker auszudrucken (Gwilt & Dulake, 2017). Abschließend wurde von Clare noch das Lab4Living der Sheffield Universität vorgestellt, das jährlich eine Konferenz zu diesem Thema veranstaltet, die nächste findet im September 2018 in Sheffield statt. Und: das entsprechende, brandneue Journal Design for Health, das bei Taylor & Francis erscheint, und in dem Artikel zu diesem Themenkomplex publiziert werden, wurde ebenfalls vorgestellt, vielleicht eine Option für technisch interessierte AutorInnen aus dem Kreis der Gesundheitsberufe.

Die Keynote war für mich wirklich sehr interessant, vor allem aus drei Gründen, die Clare’s Punkte aus meiner Sicht im Wesentlichen unterstreichen:

  1. Ich teile die Meinung sehr stark, dass Technologien—aus meiner Perspektive im Moment am stärksten das Smartphone—Betätigungen und der Bedeutung beeinflusst, KollegInnen und ich haben versucht uns im Rahmen eines Artikels (Kraxner et al., 2017) diesem Thema anzunähern, hier existiert aus meiner Sicht noch viel ergotherapeutisches Forschungspotenzial beziehungsweise Forschungsbedarf.
  2. In der Regel ist mein Eindruck von Angehörigen der Gesundheitsberufe, die technische Möglichkeiten erforschen und anwenden, jener von unbedarften Kindern, die mit ihrem neuen Spielzeug glücklich sind. Allerdings ohne sich, der Spielzeuganalogie folgend, jemals Gedanken darüber machen wo das Spielzeug produziert wurde und welche schädlichen Stoffe es möglicherweise enthält. Ein gutes Beispiel dafür ist der Live-Stream von verschiedenen Sessions des Meetings in Zagreb auf Facebook, meines Wissens nach wurden TeilnehmerInnen niemals gefragt ob sie damit einverstanden sind, dass Videomaterial von Ihnen auf Facebooks Servern landet. Seufz. Ähnlich kritisch sehe ich übrigens jede Art von Vernetzung und Meinungsaustausch, die auf Basisinfrastruktur aus der Hand von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf dem Verkauf von Online-Werbung basiert, zu viel Analyse dahinter für meinen Geschmack.
  3. Auf die Frage ins Publikum, wer den schon den Begriff „Internet of Things (IoT)“ gehört hätte, gingen exakt drei (!!!) Hände in einem vollbesetzten Doppelsaal nach oben. Für mich ein deutlicher Hinweis auf die (offensichtlich kaum vorhandene) Tech-Literacy von ErgotherapeutInnen. Liebe KollegInnen, hier herrscht noch krasser Nachholbedarf…sowohl was die Grundlagen als auch die ergotherapeutischen Anwendungsmöglichkeiten umfasst.

Zwei Literaturtipps hätte ich zu diesem Thema noch für euch:

How do students develop professional confidence by using concrete observable behaviour? Workshop. Victor Sels, Fenna Boere, Willemijn Moerbeek and Chantal Robberson, Rotterdam University of Applied Science, Niederlande. ★★★

Der einzige Workshop, den ich am Meeting besucht hatte, wurde von Studierenden der FH Rotterdam gestaltet und hatte Beobachtungskriterien für professionelles Verhalten als Inhalt. In Kleingruppen hatten wir TeilnehmerInnen verschiedene Aufgaben (Gruppenpuzzle, verbale Gesprächsthemen, kreative Aufgaben) zu absolvieren und waren gleichzeitig dazu angehalten die Gruppenmitglieder zu unserer linken anhand der vorgegebenen Kriterien zu beobachten und anschließend ein Feedback zu unseren Beobachtungen weiterzugeben.

An der FH Rotterdam ist die Beurteilung von professionellem Verhalten curricular integriert, Studierende müssen während der Studiumszeit Kriterien in allen Bereichen erfüllen. Eine curriculare Übernahme des Formulars in meine tägliche Arbeit dürfte ein längerfristiger Prozess sein, ich freue mich aber schon darauf das Formular testhalber bei Sichtstunden im Praktikum als Hilfsinstrument anzuwenden, um die Beobachtung in diesem Setting künftig strukturierter gestalten zu können.

ENOTHE General Assembly 2017

In der GA wurden im Wesentlichen Punkte aus der Pre-GA beschlossen, auch hier gilt wieder: Wer dabei war, ist informiert, regelmäßige Informationen werden sich auch für Nicht-Mitglieder in absehbarer Zeit auf der Website von ENOTHE finden lassen.

Tag 3: 28.10.2017

Occupational therapists as important agents when integrating refugees into a new society. Tove Törnqvist and Pia Käcker, Department of Social and Welfare Studies, Linköping University, Schweden. ★★

Diese Präsentation behandelte die curriculare Integration ergotherapeutischer Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung an der Universität von Linköping. Im Wesentlichen wurde ein Thementag mit externen TeilnehmerInnen und eine Podiumsdiskussion durch ein Team von Lehrenden und Studierenden organisiert, das Feedback der Studierenden war durchwegs positiv.

Playing with refugee children in a refugee camp in Greece. Aikaterina Bourika, Theodoros Bogeas, Elena Gliki and Panagiotis Siaperas, AKMI Metropolitan College, Athen, Griechenland. ★★★

Panagiotis Siaperas, Ergotherapeut aus Griechenland und ENOTHE-Board-Mitglied, behandelte in seinem Vortrag im Wesentlichen drei Themen:

  1. Die Situation von Menschen mit Fluchterfahrung, die in Griechenland ankommen und die Situation, die diese Menschen in Lagern (von denen es in Griechenland 42 gibt) ausgesetzt sind—illustriert mit Medienberichten und Fotografien.
  2. Die Eckpunkte des seit 2012 bestehenden Ergotherapiestudiums am Metropolitan College in Athen in Zusammenarbeit mit der Queen Margaret Universität in Edinburgh, dessen Studiengangsleiter Panagiotis auch ist.
  3. Einen Praktikumsbericht einer Studierenden, die—vor dem Hintergrund von Aspekten (Betätigungsdeprivation) aus der Handlungswissenschaften im Rahmen ihres Praktikums einen Chor mit Kindern & Jugendlichen mit Fluchterfahrung organisiert hat, öffentliche Vorstellung zum Abschluss inklusive.

Ein sehr spannender Vortrag, besonders vor dem Hintergrund, dass Griechenland mit einer hohen Anzahl von Flüchtlingsankünften konfrontiert war und ist. Es war interessant einen Einblick aus erster Hand in die ergotherapeutische Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung, eingebettet in das Ergotherapie-Studium zu erhalten. Ebenfalls sehr spannend waren die Diskussionen, die sich nachfolgend um gesellschaftliche Entwicklungen in Griechenland infolge der Wirtschaftskrise in Verbindung mit Nationalsozialismus und rechtsradikalen Bewegungen (Stichwort: Golden Dawn) aktuell ergeben. Eine spannende (und erschreckende) Kurzdokumentation zur Golden Dawn-Bewegung kann ich nachfolgend sehr empfehlen, auch wenn es extrem erschütternd ist, dass ProtagonistInnen dort vor laufender Kamera Aussagen tätigen wie:

„Wir werden aus ihren Knochen Seife und aus ihrer Haut Lampenschirme machen“

How can a university project encourage refugees to overcome occupational deprivation? Vanessa Röck, Alexander Lukavsky, Victoria Hartmann and Sophia Strasser, fh gesundheit GmbH, Tirol, Österreich. ★★★

Vier Bachelorstudierende der fh gesundheit GmbH präsentierten hier—ebenfalls mit handlungswissenschaftlichem Hintergrund, namentlich der Betätigungsdeprivation, der Menschen mit Fluchterfahrung ausgesetzt sind—zwei Projekte aus den Jahren 2016 und 2017, die Möglichkeiten ergotherapeutischer Arbeit mit dieser Klientel aufzeigen. Das erste Projekt hatte den Focus auf der Gestaltung eines Orts der Begegnung, hier wurden zusammen mit Menschen mit Fluchterfahrung Möbel gebaut und ein kleiner Kräutergarten angelegt. Das zweite Projekt stand unter dem Motto Kompetenzkompass und hatte, im Sinne eines Assessments, die Identifikation von Interessen und möglichen künftigen Rollen von Menschen mit Fluchterfahrung als Ziel.

Aus meiner persönlichen Sicht ein sehr spannender Vortrag zu einem aktuellen Thema mit Zukunftspotenzial für weitere ergotherapeutische Arbeit—und sehr gut präsentiert, es war eine Freude dabei zu sein.

Fazit & Ausblick

Ja, super spannend war’s, das lässt sich sagen…viel Input, viel Möglichkeit zum Austausch, viele neue Ideen, eine schöne Stadt…es zahlt sich aus hinzufahren, zumindest wenn man im ergotherapeutischen Bildungssystem tätig ist. Das nächste ENOTHE-Meeting findet übrigens im Herbst 2018, genauer gesagt von 4.-6. Oktober in Estoril/Portugal statt…für diejenigen, die das schon einplanen möchten…

Randnotizen

Auch abseits der Kongressaktivitäten haben sich einige erwähnenswerte Punkte gefunden…Beispiele gefällig?

  • Dass die Sache mit den Autobahnvignetten in Slowenien nicht ganz so unkompliziert ist, hat sich spätestens am slowenisch-kroatischen Grenzübergang herausgestellt, an dem unser voll besetzter Kleinbus (mit mir als Fahrer) an den Rand gewunken wurde und der läppische Betrag von 180,00 € fällig wurde…seufz.
  • Die Navigation nach Zagreb ließ sich mit dem Bordnavi des Mietwagens nicht bewerkstelligen, das entsprechende Kartenmaterial war nicht hinterlegt. Das war insbesondere im Hinblick auf die Tatsache spannend, dass es kein Problem gewesen wäre mit dem Bordnavi Routen in Französisch-Guyana zu planen, quasi der nächste Weg von Österreich aus. Smartphones und die EU-Roamingverordnung haben unsere Anreise dann doch recht unkompliziert gestaltet…
  • Ebenfalls sehr spannend war die im Fahrzeug vorhandene Smartphonehalterung, die sich nirgendwo montieren ließ (nein wirklich, nirgends). Eine Studierende ist mit der Halterung aus ihrem Fahrzeug eingesprungen…dankenswerterweise.