Einleitung

Lithografische Darstellung der Nerven des menschlichen OberarmesVor kurzem nahm ich an einer Fortbildung zur Mobilisation des Nervensystems in der klinischen Praxis vom neuro-orthopädischen Institut (NOI) teil. Das Konzept wurde von David S. Butler entwickelt und wird je nach Fachbereich teilweise (z.B. von Gisela Rolf) modifiziert. Eine Menge Informationen zum Konzept sowie zum Institut findet ihr auf der offiziellen Homepage des NOI (en). (Bild via Wikimedia Commons)

Was ich besonders interessant fand, war die große Bedeutung des „Clinical Reasoning“ und des allseits beliebten Begriffes „evidence-based“ für das Konzept. Dies zeigt, dass man hier einerseits bemüht ist, den Patienten ganzheitlicher, also mit Kontextfaktoren psychischer, kultureller, etc. Art zu sehen, und gleichzeitig versucht, sich in der Welt der Daten und Fakten zu behaupten – allem Anschein nach gelingt dies gut.

Grundlagen

Wie der Name des Konzeptes schon sagt, geht es in erster Linie um das Nervensystem bzw. um dessen Mobilisation. Das Nervensystem muss hierbei als Kontinuum, also als einheitliche Struktur betrachtet werden. Dies betrifft sowohl das zentrale, als auch das periphere Nervensystem.

So können die Strukturen des Systems vereinfacht in…

  • das mechanische Interface (Nervenbett)
  • die neuralen Strukturen (der Nerv selbst)
  • das Zielgewebe

…unterteilt werden.

Zudem ist das Nervensystem in der Lage, sich an den Körper anzupassen. Dies ist vor allem durch drei bestimmte Aspekte möglich:

  1. die Mobilität des Nervs
  2. die Dehnfähigkeit bzw. -toleranz
  3. Kompressionsfähigkeit bzw. -toleranz

Treten nun zum Beispiel im Bereich des Nervensystems erhöhte Spannungen auf, oder ist die Beweglichkeit des Nervensystems durch andere Ursachen herabgesetzt, kommt es meist zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Neurodynamik

Hier setzt die Neurodynamik an, um die Mobilität des Nervensystems wieder herzustellen und somit Schmerzen zu reduzieren. Uns Therapeuten stehen nun drei Möglichkeiten zur Untersuchung bzw. Befundung des neuralen Gewebes zur Verfügung:

  • Palpation des peripheren Nervensystems
  • neurodynamische Tests (diese sind z.B. im Bereich der oberen Extremität für N. medianus, N. radialis und N. ulnaris standardisiert)
  • manuelle Untersuchung der Leitfähigkeit (Sensorik/Sensibilität und Motorik)

Je nach Befundung bzw. Problemidentifikation kann dementsprechend behandelt werden. Im Bereich der Neurodynamik arbeitet man hier mit „Slider“ und „Tensioner“, um den Nerv zu mobilisieren. Dennoch zählen auch Behandlungen am Interface, beispielsweise durch Faszientechniken oder ähnliches, im Bereich der Läsion zur Behandlung. Ein möglicher Behandlungsaufbau wäre:

  1. Interface behandeln (Dehnung, Faszientechniken,…)
  2. Interface in neuraler Vorspannung (das Nervensystem wird zusätzlich unter Spannung gebracht und weiter am Interface behandelt)
  3. Slider (eine „sanfte“ Mobilisation im Sinne von Nervengleiten)
  4. Tensioner („aggressivere“ Art den Nerv zu mobilisieren)
  5. Kombinationen der beschriebenen Techniken

Fazit

Dieser Artikel soll nur einen kurzen Überblick über Kursinhalte und das Konzept geben, der Kursbesuch wird durch die Lektüre nicht ersetzt. Ich persönlich bin sehr begeistert, auch wenn der Kurs und das Grundkonzept eher orthopädisch angehaucht sind.

Über die „New Zealand Guidelines“ lassen sich auch noch sogenannte „yellow flags“ abrufen. Dabei handelt es sich um psychische Einflüsse/Kontextfaktoren, welche zu vermehrtem Schmerz führen können.

Weblinks