Balkantoni (aka Toni oder Tonez) betreibt zusammen mit zwei anderen Autoren ein Videospielblog namens „These Nerds“, das in der Regel durch seinen (gewollt—und möglicherweise eigentlich gar nicht wirklich vorhandenem) machismohaften Schreibstil auffällt und in der Videospielbloggingszene dafür bekannt ist auch kontroverse Standpunkte recht vehement zu vertreten. Ja, ihr habt schon recht, wenn ihr euch nach dieser Einleitung denkt:

„Häh? Was soll das denn mit Ergotherapie zu tun haben?“

Tatsächlich findet man im üblichen Artikelportfolio der Nerds auch wirklich wenig bis gar nichts, was auch nur annähernd mit ergotherapeutischen Themen in Zusammenhang gebracht werden kann—trotzdem lohnt es sich diesen Beitrag weiterzulesen. (Artikelbild von Markus Kraxner)

Krieg in Sarajevo

Balkantoni stammt ursprünglich aus Sarajevo in Bosnien und Herzegowina, emigrierte 1994 während des Bosnienkrieges nach Deutschland, lebte zunächst in Mannheim, machte sein Abitur in Landau (Pfalz), studierte später in Heidelberg und Bristol und arbeitet heute als Lehrer in Kaiserslautern, wo er aktuell auch lebt, direkt am Betze. Seine Motivation für die in diesem Beitrag vorgestellte Artikelserie war ursprünglich der Wunsch, einen Text über Computerspiele zu schreiben, von dem er sicher sein konnte, dass er im deutschsprachigen Raum einzigartig sein würde. Zum Zeitpunkt des Beginns seiner Arbeit an der Serie befand er sich laut eigener Aussage in einer Sackgasse und war mit seinen Texten über Computerspiele nicht zufrieden. Dabei stellte er schlussendlich fest, dass sich Erinnern und Schreiben gegenseitig bedingen. Wie sich Krieg als Zustand anfühlt, können sich die meisten von uns (inklusive mir) auch nicht nur annähernd vorstellen—aber wir können immerhin durch Zeitzeugen Einblicke gewinnen.

Die Einblicke, die uns Toni in seinen Beiträgen gestattet, lassen nicht ausschließlich beängstigende Bilder lebendig werden, sondern geben facettenreiche Einblicke in das Alltagsleben in einer, mehrere Jahre belagerten, Stadt aus der Perspektive eines Jugendlichen: Versorgung mit Lebensmitteln, Angst, Jugendfreundschaften, Stromausfälle, Mädchen, Mobbing, Kriegsverletzungen, Nerds, Eltern, Lesen, Gewalt…und natürlich Videospielen.

Allen Kolleginnen und Kollegen, die mit der beschriebenen Thematik auch nur annähernd etwas anfangen können, sei die gesamte Artikelreihe „Remembrance of: Der lange Krieg“ wärmstens ans Herz gelegt—es ist ohnehin noch kalt draußen und man kann es sich im Warmen gemütlich machen…dringende Leseempfehlung!

Weblinks

Beachtet bitte, dass die Artikelserie zurzeit noch nicht abgeschlossen ist, inhaltlich ist laut Toni zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags ca. die Hälfte fertiggestellt. Es zahlt sich für Interessierte aus ab und an die Suchfunktion von These Nerds zu bemühen…oder der Site auf Twitter zu folgen…oder den RSS-Feed der Nerds zu abonnieren…oder sich für ein Abo der Site per E-Mail anzumelden…

[Update 30.08.2015/Markus: Das Blog „These Nerds“ hat leider im Juni 2015 seinen Betrieb eingestellt und viele Texte, darunter auch alle hier beschriebenen, offline genommen. In der wunderbaren Wayback Machine des Internet Archive ließen sich leider auch nicht mehr alle Texte finden—soweit dies möglich war wurden die verweisenden Links angepasst, die Leseempfehlung bleibt aber weiterhin aufrecht.]