Einleitung

„Die Händigkeit beschreibt das Phänomen, dass Menschen für feinmotorische Tätigkeiten konsistent eine Hand bevorzugen, die so genannte dominante Hand.“ (Quelle: Wikipedia)

Bis sich diese besagte dominante Hand mehr oder weniger „entwickelt“ hat, kann es oft einige Kinderjahre dauern. Fest steht, dass nicht fest steht, bis wann sich eine eindeutige Händigkeit zeigen sollte. Manche Kinder setzen schon mit zwei Jahren eine bevorzugte Hand ein, bei einigen Kindern kann eine Händigkeit erst bei Schuleintritt bzw. im Verlauf der ersten bis zweiten Klasse beobachtet werden. (Artikelbild von Ms. Phoenix via Flickr)

Generell unterscheidet man beim Begriff „Händigkeit“ die Handpräferenz von der Handleistung. Die Handpräferenz beschreibt die Quantität einhändiger Tätigkeiten (wie oft wird die linke oder rechte Hand für eine bestimmte Tätigkeit benutzt) und ist genetisch bedingt. Die Handleistung wiederum beschreibt die Qualität in Bezug auf Geschwindigkeit und Genauigkeit feinmotorischer Arbeiten; die Handleistung wird durch die Umwelt bzw. durch Übung geprägt – ein Beispiel hierfür wäre das Schreiben und Malen mit einer bestimmten Hand.

Überprüfung von Handpräferenz und Handleistung zur Händigkeitsbestimmung

Die Handleistung kann mit standardisierten Testverfahren bestimmt werden. Geeignete standardisierte Testverfahren hierfür wären der HDT (Hand-Dominanz-Test), der PTK-LDT (Punktiertest und Leistungs-Dominanztest für Kinder), sowie der HAPT 4-6 (Handpräferenztest für 4-6jährige Kinder). Der HAPT 4-6 stellt das neueste Testverfahren dar (seit 2011 in Anwendung). Ich selbst konnte den HAPT 4-6 noch nicht anwenden, das Testverfahren steht aber an der Bestellliste ganz weit oben – und vielleicht kann ich demnächst einen Erfahrungsbericht darüber verfassen. Die beiden anderen Tests sind alte Bekannte unter den Ergotherapeuten in der Pädiatrie.

Mit speziellen Beobachtungsbögen kann die Handpräferenz erfasst werden. Solche Bögen kann man im Internet kostenlos herunterladen (z.B. Beobachtungsbogen von Dr. Sattler, s. auch „Weblinks“). Damit können spontane feinmotorische Tätigkeiten, von der Umwelt geprägte Tätigkeiten, durch technische Vorrichtungen geprägte Tätigkeiten usw. gezielt beobachtet werden. So ein Beobachtungsbogen kann sehr umfangreich sein, also am besten selbst mal in Ruhe zu Gemüte führen.

Gehen wir nun mal davon aus, dass ein Kind mit unklarer Händigkeit zu Ergotherapie kommt. Vielleicht kann man sich mit Hilfe einer umfassenden Anamnese, der Testverfahren und des Beobachtungsbogens auf eine Händigkeit festlegen – dann kann das Kind gezielt gefördert und unterstützt werden; dabei soll auf eine adäquate Sitz- und Stifthaltung geachtet werden. Auch Schreibgeräte und andere Hilfsmittel, speziell für Linkshänder, erweisen sich als äußerst sinnvoll. Hierzu gibt es im Internet wieder eine Menge zu stöbern (z.B.: bei LAFÜLIKI, s. auch „Weblinks“).

Vorgehen bei nicht eindeutigen Ergebnissen der Händigkeitsdiagnostik

In diesem Fall nimmt der Punkt der Eltern- bzw. Angehörigenberatung einen hohen Stellenwert ein. Man muss den Eltern/Angehörigen (oder diversen anderen Personen) erklären, dass normalerweise jedes Kind von sich aus eine Händigkeit entwickelt. Wie gesagt weisen einige Kinder schon früh eine deutliche Händigkeit auf, andere Kinder brauchen länger und entwickeln die Händigkeit erst in der Vorschule oder Volksschule – nicht vergessen: jedes Kind ist anders und entwickelt sich individuell. Bevor man sich also möglicherweise auf eine „falsche“ Händigkeit festlegt, sollte man zuwarten und dem Kind noch etwas Zeit geben sich zu entfalten. Um die Kinder nicht ungewollt zu beeinflussen sollte man alle diversen Materialien für feinmotorische Tätigkeiten (Besteck, Stifte usw.) in der Mittellinie des Kindes anbieten und das Kind entscheiden lassen mit welcher Hand es heute arbeiten will. Wichtig ist auch, dass fein- und grafomotorisch viel mit den Kindern gearbeitet und experimentiert wird, denn dadurch erfolgt ein Training der Hände und das Kind präferiert vielleicht schneller eine Hand.

Neben der Beratung der Eltern und dem Weitergeben von Tipps spielen bei einer unklaren Händigkeit auch Verlaufskontrollen und gezielte weiterführende Beobachtungen eine wichtige Rolle. Denn auch wenn zunächst keine eindeutige Händigkeit festgestellt werden konnte, kann diese durch ein bewusstes „Nichts-Tun“ von selbst „heranreifen“.

Weblinks