Für Linolschnittarbeiten benötigt man Linoleum, Schnitzwerkzeuge, Druckfarbe(n), Walze(n), Papier und eventuell ein Falzbein. Und los geht’s mit der in vielen Bereichen förderlichen, kreativen Arbeit, welche manche noch aus der Schule kennen.

Mit dem räumlich-konstruktiven Planen, dem Ausschnitzen der Formen, der Dosierung der Farbe wie dem Drucken an sich, kommen beim Linolschnitt viele tolle Förderaspekte zum Tragen, die in der Ergotherapie genutzt werden können. Zudem entsteht ein tolles Ergebnis, das vor allem durch typisch klare Linien eines Drucks besticht.

Räumlich-Konstruktive Fähigkeiten

Um einen Druckstock, auch vergleichbar mit einem Stempel, zu erzeugen, muss das Objekt, beziehungsweise die Idee spiegelbildlich auf das Linoleum übertragen werden. Dass es dafür verschiedene Möglichkeiten (auch zur Kontrolle) gibt, kann durchaus Teil einer Förderung von Problemlösungsstrategien sein. Beim Spiegeln von Schriftzügen setzt dies schon einiges an Planung und kognitiven Prozessen voraus. Zudem ist beim Linolschnitt zu beachten, dass Zeichnungen die hauptsächlich aus Linien bestehen eher schwer umzusetzen sind, dass heisst dass eine Arbeit mit Flächen erfolgversprechender sein kann. Wie kann nun eine Linienzeichnung in ein flächigeres Bild umgewandelt werden? Die nächste Herausforderung im räumlich-konstruktiven Bereich…

Motorik

Der Umgang mit dem Schnitzwerkzeug erfordert Kraft und gleichzeitig Dosierung, da Späne quasi aus dem Linoleum „herausgelöffelt“ werden. Die Griffposition am Stichel muss sicher und stabil sein, denn ein Abrutschen kann leicht blutig enden. Auch die Positionierung der Arme ist dabei entscheidend, denn es sollte aus Sicherheitsgründen darauf geachtet werden, dass vom Körper und von der eigenen Hand weg gearbeitet wird. Hierfür ist eine gute bimanuelle Koordination vonnöten. Gerade für runde Ränder und Präzision sind Handposition und -motorik entscheidend. Genauigkeit ist auch im Umgang mit der Druckerschwärze gefordert, mit der Walze und dem Druckprozess an sich. Man hat ja selten eine Druckerpresse vor Ort, wodurch das Drucken an sich mit Handkraft bewerkstelligt werden muss, eventuell kann das Papier mit einem Falzbein auf den Druckstock gerieben werden. Es ist darauf zu achten, nicht zuviel und nicht zu wenig Farbe zu benutzen. Mit einem wiederholten Druckvorgang kann das Ergebnis noch variiert und verändert werden.

Konzentration und Ausdauer

Um ein detailliertes Bild entstehen zu lassen, braucht man mehrere Einheiten, gerade zu Beginn wenn die richtige Handhabe erst erforscht werden muss. Man kann sich mit dieser Technik also durchaus an Geduld und Ausdauer üben und braucht, erneut aus Sicherheitsgründen, eine konzentrierte Herangehensweise. Nun kann es passieren, dass bei Feinheiten das – durchaus auch brüchige – Linoleum nicht so reagiert, wie man es erwartet, was einiges an Flexibilität im Handeln erfordert.

Fallbeispiel

C. nimmt sich ein großes Stück Linoleum mit einem durchaus komplexen aber auch gut geplanten Motiv vor. Schon bald merkt sie aber, dass sich dies mit den zeitlichen Vorgaben nicht bewerkstelligen lässt. Daher beginnt sie rasch mit den unterschiedlichen Klingen der Schnitzwerkzeuge zu experimentieren. Dazu benötigt sie noch Hilfe, weil C. immer nur kurz bei einem Werkzeug bleibt und rasch wieder wechselt. Mehrmals muss sich auch darauf hingewiesen werden, dass sich die Haltehand hinter der Schneideklinge befinden soll.

Linolschnitt - Fertiger Druck IIn der Reflexion zwischendurch stellt sich erst heraus, dass sie die Griffe vor allem aufgrund von Kraftlosigkeit und Schmerzen in der Hand immer wieder wechselte. Wir erarbeiten daher weitere Strategien der Krafteinteilung, zum Beispiel fiel es ihr schließlich auch leichter im Stehen zu arbeiten und die Druckplatte grundsätzlich anderes zu positionieren. Nachdem C. immer wieder Pausen einlegte und sich für ein Werkzeug entscheiden konnte, gelang ihr auch eine Fertigstellung des Motivs.

Das Drucken an sich verlief dann schnell und zufriedenstellend. Das Arbeiten mit dem Linolschnitt brachte C. neue Erfahrung über ihre Kraftdosierung und -einteilung, ein weiterer Teil der Selbstwahrnehmung mit damit einhergehenden Lösungsstrategien.

Bildergalerie

Literatur

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website

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