Einleitung

Wo landen eigentlich all die schönen Forschungsarbeiten aus dem medizinischen Bereich, an denen fleißige Köpfe weltweit Tag & Nacht brüten und damit (hoffentlich) ihre Brötchen verdienen? Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit (abgesehen von der Veröffentlichung in Journals, sowohl in gedruckter als auch in per Internet kostenpflichtig zugänglicher Form) unter anderem in Datenbanken und mit noch höherer Wahrscheinlichkeit in der MEDLINE-Datenbank, die von der United States National Library of Medicine betrieben wird. Was diese Datenbank mit Ergotherapie zu tun hat?

Zumindest in Österreich stehen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, die sich nicht gerade im Studium an einer Universität befinden, vor dem Problem, dass der Zugang zu wissenschaftlichen Arbeiten äußerst limitiert ist. In Deutschland ist die Situation durch die EBP-Datenbank des DVE für Mitglieder dieses Verbandes einfacher – österreichische Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, die Mitglieder von Ergotherapie Austria sind, können im Übrigen eine Mitgliedschaft im DVE um 75 €/Jahr käuflich erwerben, nähere Informationen hierzu gibt es im Mitgliederbereich der Website von Ergotherapie Austria, das zugehörige Anmeldungsformular lässt sich hier als PDF beziehen – der DVE stellt seinen Mitgliedern in dieser Datenbank ca. 1.200 deutschsprachige Zusammenfassungen von Studien zur Verfügung, die ergotherapeutische Themen zum Inhalt haben. Silke Jäger hat dazu bereits im vorletzten Jahr einen Beitrag veröffentlicht. Nun gut, diese Mitgliedschaft in einem zweiten Berufsverband will sich vielleicht auch nicht jede oder jeder leisten, und diese Datenbank stellt auch nur einen Ausschnitt der Studien dar, die aus dem einen oder anderen Grund für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten relevant sein können. Und hier kommt MEDLINE ins Spiel…

MEDLINE – was ist drin?

MEDLINE ist eine bibliographische Datenbank mit den Schwerpunkten Medizin, Psychologie und Öffentliches Gesundheitswesen. Sie deckt, grob gesagt den Zeitraum am 1946 ab, und zwar indem bibliographische Angaben aus über 5.500 wissenschaftlichen Zeitschriften (von denen der Großteil in den USA veröffentlicht wird) bereitgestellt und laufend aktualisiert werden – so sind im Jahr 2010 ca. 700.000 Einträge hinzugekommen, bei über 80 % der Datensätze ist ein Abstract in englischer Sprache verfügbar. Detailliertere Informationen zu MEDLINE lassen sich im Online-Factsheet der U.S. National Library of Medicine (en) finden. Das alleine reicht allerdings noch nicht ganz, denn ein direkter Zugriff auf MEDLINE ist im Normalfall nicht möglich – eine Suche in MEDLINE ist allerdings über das Web-Interface von PubMed (kostenlos) oder über eine Software zur Literaturverwaltung (meist kostenpflichtig) möglich.

PubMed – der Zugang zu MEDLINE für den Endkonsumenten

Screenshot der Website von PubMedWie bereits im vorigen Abschnitt angesprochen, ist eine Suche im Index von MEDLINE nicht ohne weiteres möglich, dazu benötigt es eine sogenannte Meta-Datenbank – in diesem Fall PubMed – die die Inhalte von MEDLINE indexiert und durchsuchbar macht. PubMed bietet eine englische Benutzeroberfläche, viele Möglichkeiten zur Suche, Export der gefundenen Artikel in eine Literaturverwaltungssoftware, die Möglichkeit Suchergebnisse zu bestimmten Begriffen in regelmäßigen Abständen per E-Mail zugesendet zu bekommen sowie Weblinks zu den kostenpflichtigen und kostenlosen Versionen der einzelnen Artikel. Die Suchfunktion selbst arbeitet mithilfe sogenannter Boolescher Operatoren und ist schlussendlich für den interessierten Endbenutzer auch nicht wirklich schwieriger zu bedienen als das Interface von google. Eine detaillierte und kostenlose Anleitung zur Verwendung von PubMed im PDF-Dateiformat, verfasst von der Universitätsbibliothek Leipzig, findet sich im Abschnitt „Weblinks“ dieses Beitrags.

Grundlegende Informationen zu PubMed lassen sich im zugehörigen Factsheet (en) finden, die Unterschiede zwischen MEDLINE und PubMed sind ebenfalls in einem Factsheet (en) zusammengefasst. Das grundlegende Problem der Kosten wissenschaftlicher Artikel, die meist um einen Betrag von ca. 35 € liegen, ist dadurch natürlich nicht gelöst – aber auch hier gibt es eine Möglichkeit…

PubMed Central – kostenlose Forschungsartikel

Viele wissenschaftliche Artikel – und zwar jene, bei deren Entstehung die National Institutes of Health der USA finanziell beteiligt sind – müssen spätestens 18 Monate nach dem Erscheinungsdatum in die Datenbank von PubMed Central eingepflegt werden, und zwar kostenlos und im Volltext. Auch diese Datenbank ist durchsuchbar, aktuell befinden sich knapp 2,3 Millionen Artikel in der Datenbank von PubMed Central. Weitere Informationen zu diesem Service, insbesondere die Unterschiede zu PubMed selbst finden sich auf der dazugehörigen FAQ-Seite (en).

Alternative Suchmaschinen für physio- und ergotherapeutische Studien

Screenshot der Website OTSeekerAllen, die es gerne vom Beginn weg etwas spezifischer angehen lassen, seien noch zwei weitere durchsuchbare Datenbanken ans Herz gelegt: Da wäre zum einen PEDro, eine Datenbank mit evidenzbasierten Studien aus dem Bereich der Physiotherapie, die vom Centre of Evidence-Based Physiotherapy (CEBP) in Australien betrieben wird (schöne Grüße an die betreffende Kollegenschaft an dieser Stelle), sowie OTSeeker, eine Datenbank die Artikel und Studien aus dem ergotherapeutischen Arbeitsbereich beinhaltet, klassifiziert und bewertet – ebenfalls australischer Natur (was geht Down-Under nur vor sich?).

Beide Datenbanken bieten detaillierte Suchfunktionen sowie Verlinkungen zum (meist kostenpflichtigen) Volltext der gefundenen Artikel und Hintergrundinformationen über die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der beiden Services.

Fazit

Wer des Englischen mächtig ist und ein bisschen Aufwand nicht scheut, hat eigentlich ganz gute Chancen der ergotherapeutischen Entwicklung auf der Spur zu bleiben – zumindest ansatzweise. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, die im Rahmen ihres Dienstverhältnisses nicht an die Infrastruktur einer universitären oder sonstigen Hochschuleinrichtung angebunden sind (wie auch ich selbst) dürften allerdings teilweise recht gravierende Probleme haben an die Volltexte der begehrten Artikel zu kommen –  es sei denn, die persönliche Geldbörse ist mehr als gut gefüllt. Diese Problematik lässt sich wohl nur auf der Ebene der Berufsverbände in den Griff bekommen, teilweise sind allerdings auch bereits die Abstracts der Arbeiten sehr interessant – und man kann via PubMed sehr schön per E-Mail auf dem Laufenden bleiben, was ich zum Beispiel im Bereich Sturzprävention tue.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag Leserinnen und Leser zumindest in Ansätzen über die Möglichkeiten der Suche nach aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur informiert, weitere Anregungen sind selbstverständlich im Kommentarbereich herzlich willkommen!

Ich wünsche einstweilen „Fröhliches Suchen“!

Weblinks