Im Bereich der Kontraktionsformen der Muskulatur stößt man immer wieder auf zahlreiche Erklärungen, Definitionen und Auflistungen, die jedoch meist nur theoretisch und wenig relevant wirken. Teilweise bin ich bei Recherchen im Netz auch auf widersprüchliche Aussagen gestoßen, die in diesem Bereich nur für noch mehr Verwirrung sorgen. (Artikelbild von Michael Coghlan via Flickr)

Die Standarderklärung der verschiedenen Kontraktionsformen, kann auf Wikipedia nachgelesen werden. Meiner Meinung nach sind im Bereich der neuromuskulären Aktivitäten, die wichtigsten Begriffe „Konzentrik“ und „Exzentrik“.

„Konzentrische“ Muskelaktivität

Ansatz und Ursprung des Muskels nähern sich durch Kontraktion an, wodurch sich die Länge des Muskels verringert. Die intramuskuläre Spannung verändert sich hierbei. Die Bewegung erfolgt gegen die Schwerkraft.

Beispiel: Ein Glas Wasser wird vom Tisch Richtung Mund transportiert. Hier findet im Bereich des M. biceps brachii eine konzentrische Muskelaktivität statt.

Hierbei sprechen wir auch von einer positiv-dynamischen Bewegung, da ein Widerstand durch den agonistischen Muskel überwindet wird.

„Exzentrische“ Muskelaktivität

Ansatz und Ursprung des Muskels entfernen sich kontrolliert voneinander, wodurch der Muskel wieder an Länge gewinnt. Auch hier kommt es zur intramuskulären Spannungsänderung. Die Bewegung erfolgt kontrolliert in Richtung der Schwerkraft.

Beispiel: Das zuvor gegriffene Glas Wasser wird wieder am Tisch abgestellt.

Nun muss der M. biceps brachii exzentrisch aktiv sein, damit das Glas langsam und kontrolliert abgestellt werden kann. Folglich liegt hier eine negativ-dynamische Bewegung vor.

Zusammenfassend…

…kann aus den Beispielen entnommen werden, dass zu keiner Zeit der M. triceps brachii aktiv an der Bewegung beteiligt ist. Er lässt lediglich die Bewegung als Antagonist zu, muss jedoch keine neuromuskuläre Aktivität übernehmen.

Obwohl Bewegungen in „beide“ Richtungen (Flexion/Extension) ausgeführt werden, ist neuromuskulär betrachtet nur der M. biceps brachii aktiv.

Fallbeispiel

Herr X. kommt etwa 4 Wochen nach einem Mediainsult rechts zur neurologischen Rehabilitation. Er zeigt geringe Ansatzfunktionen im Bereich des Glenohumeralgelenks (GHG) sowie im Bereich des Ellbogengelenks (EBG). Der Muskeltonus zeigt sich diskret erhöht. Im Rahmen der Therapie kann Herr X. im Sitz das EBG um etwa 40° flektieren – eine Extension ist im Anschluss jedoch nicht adäquat möglich. Im weiteren Verlauf fällt jedoch auf, dass Herr X. in Rückenlage aus 90° Anteversion seine Hand von der Stirn, durch aktive Extension im EBG, wegbewegen kann. Dennoch ist im Sitzen keine Extension des Ellbogens möglich.

Dieses, meist bekannte, Problem bietet sich an, um die Bedeutung der neuromuskulären Aktivität zu erläutern und dadurch zu verstehen, warum die Extension des EBG nur in veränderter Ausgangsstellung möglich ist:

Wichtig bei der muskulären Aktivität ist die Einwirkung der Schwerkraft auf den zu bewegenden Körperabschnitt. Wird hierbei die Vertikale überschritten, ändert sich die neuromuskuläre Aktivität und der vorhergehende Antagonist wird aktiv.

Relevanz in der Therapie

Diese Überlegungen sollten wir stets in unserem Therapieaufbau berücksichtigen, da sie von großer Bedeutung sind und den Erfolg der Behandlung maßgeblich beeinflussen können. Wir müssen Bewegungen analysieren, um geeignete Ausgangsstellungen für die neuromuskuläre Problematik finden zu können. Uns muss bewusst sein, dass Flexion nicht gleich Flexion und/oder Extension nicht gleich Extension bedeutet, da die neuromuskuläre Arbeit der Muskulatur stets variiert.

Weiterführende Literatur


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