Origami kommt aus dem Japanischen und ist die Papierfaltkunst, die anfangs, vermutet man, für zeremonielle Zwecke genutzt wurde. Bei uns ist eher der Papierflieger oder das Himmel-Hölle-Spiel bekannt, als Kunst aber kennt das Origami großartige zwei- und dreidimensionale Objekte. (Artikelbild von Helgi Halldórsson via Flickr: CC BY 2.0)

Ausgegangen wird klassischer Weise von einem quadratischen Blatt Papier. Man findet sehr viele Anleitungen im Internet oder in diversen Büchern in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Meines Erachtens ist auch die Art der Anleitung recht unterschiedlich. Meist wird mit Pfeilen beschrieben, wie gedreht oder in welche Richtung gefaltet werden muss. Man unterscheidet Berg- und Talfalten. Eine genaue Legende ist dazu notwendig. Heutzutage gibt es natürlich auch Videoanleitungen, mit denen manche sich leichter tun.

Origami in der Ergotherapie?

Origami ist eine gute Möglichkeit, gewisse ergotherapeutische Ziele im planerischen, konstruktiven und sensomotorischen Bereich zu verfolgen. Es geht dabei um folgende Fördermöglichkeiten.

Bimanuelle Koordination

Mit einer Hand lässt sich das Falten eines Blattes kaum bewerkstelligen. Je komplexer die Figuren, desto gezielter müssen alle Finger und beide Hände miteinander koordiniert werden. Beim Ausstreifen des Falzes, muss das Blatt gut mit der anderen Hand gehalten werden, sonst verrutscht es.

Feinmotorik und Genauigkeit

Damit Spitze auf Spitze genau funktioniert und auch das Endergebnis gut zusammenpasst und funktioniert ist eine genaue Auge-Hand-Koordination und Fingerspitzengefühl notwendig. In weiterer Folge ist auch das genaue Abstreifen des Falzes von Bedeutung für die Genauigkeit. Es muss also Druck mit der Fingerkuppe oder mit dem Fingernagel ausgeübt werden. Auch im grafomotorischen Training ist diese Bewegung mit dem Finger über die Kante eine gute Ergänzung. Dies ist auch der sensorische Aspekt des Faltens. Wieviel Druck benötigt es für einen guten Falz? Um die Kante genau zu erwischen, also genau an der richtigen Stelle zu drücken bedarf es auch einer guten taktilen Verarbeitung.

Räumliche Orientierung

Man hat also ein quadratisches Papier vor sich und daraus soll ein Elefant entstehen; das verlangt schon einiges an räumlicher Vorstellungskraft. Zum Glück gibt es Schritt für Schritt Anleitungen, die zum Ziel führen sollen, aber auch an denen muss man sich gut orientieren können, vor allem wenn dann gedreht und gewendet wird, bevor weiter gefaltet wird in Berg- und Talfalten, die auch mal unterscheiden werden müssen. Förderliche Anwendung findet dieser Aspekt auch bei Schwächen in den mathematischen Fähigkeiten.

Handlungsperformanz

Schon ganz einfache Faltmöglichkeiten, auch mit Vorfalten und Hilfestellungen bringen ein Erfolgserlebnis. Der bekannte Dampfer oder ein Hut ist schnell gefaltet. Wenn man Handwerk im Einsatz zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit und zur Förderung sozialer oder emotionaler Bereiche einsetzt, ist das Origami, beziehungsweise das einfache Blatt Papier wohl eine sehr puristische Variante. In der Psychiatrie ist mir mal ein Schachtelfalt-Test untergekommen. Aufgabe war es, die geschriebene Anleitung zu lesen und nach einigen Skizzen eine Schachtel zu falten. Dabei konnte man Beobachtungen zur Planung, Leseverständnis, Umsetzung, Geschick und vieles mehr anstellen. Auch ob KlientInnen gezielt um Hilfe fragen beziehungsweise Tipps umsetzen können. Die Anleitungen zielen stark darauf ab, eins nach dem anderen zu machen, also ist eine gewisse Organisation vorgegeben. Etwas aus der Erinnerung zu Falten ist dann schon ein weiterer Förderbereich.

Wo ist Origami in der Ergotherapie einsetzbar?

Hervorzuheben für die Pädiatriepraxis sind Spiele die mit dem Falten einhergehen, das Himmel-Hölle-Spiel oder der Faltfrosch, den man auch hüpfen lassen kann. Aber auch der Malerhut dient gut den Rollenspielen. Bei der Förderung der funktionellen Aspekte ist aber der Einsatz des Origami auch in der Neurologie, Handtherapie, Geriatrie und Psychiatrie durchaus einen Versuch wert.

Weiterführende Literatur


Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website

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