Einleitung

…Praktika…in diesem umfangreichen Teil der Studiums ist die Bandbreite sehr schnell sehr groß: Von herausfordernd bis eher gemütlich hat sich während meiner Ausbildung das Spektrum der Erfahrungen in den jeweiligen Fachbereichen gespannt, wobei mir das Praktikum in der Psychiatrie am schlechtesten in Erinnerung geblieben ist. Wenn dann die erste Praktikantin vor der eigenen Tür steht, die Rollen plötzlich vertauscht sind und man den Anspruch hat nicht die am eigenen Leib erfahrenen Fehler auf Praxisanleiterseite zu wiederholen, dann, ja dann, kann es sich prinzipiell nur um interessante Zeiten handeln. (Artikelbild von Jon Rawlinson via Flickr)

Anleitungsprinzipien, Beurteilungsbögen und Schnittstelleprobleme zwischen klinischer Institution und Ausbildungsstätte einmal beiseite lassend, werde ich mich in diesem Beitrag auf die Ablaufplanung auf beiden Seiten – also auf der von Praktikantinnen und Praktikanten und auf jener der Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter – konzentrieren, und zwar mit dem Schwerpunkt des Einsatzes von Software und einer Internetverbindung. Dass, und warum, mir der Einsatz digitaler Technologien sehr am Herzen liegt habe ich in einem anderen Beitrag bereits festgehalten, heute soll es allerdings um ein eher konkretes Anwendungsbeispiel gehen.

Garniert wird dieser Artikel mit Zitaten aus einer kurzen Reflexion meiner Praktikantin über diese Art der Praktikumsanleitung…danke an dieser Stelle nochmals für die Rückmeldung.

Evernote – elektronische Notizblöcke in der Cloud

Bei Evernote handelt es sich um einen sogenannten Cloud-Dienst – was in diesem Falle bedeutet, das die einzelnen „Blätter“ der Notizblocke, von denen man übrigens beliebig viele erstellen kann, nicht nur auf dem persönlichen Computer gespeichert werden, sondern auch auf Servern die ans Internet angeschlossen sind. Das hat den Vorteil, dass man unabhängig vom Betriebssystem eines Computers jederzeit Zugriff auf seine Notizen hat und diese auch auf mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets u.Ä.) ansehen und bearbeiten kann.

„Erstmals wurde eines meiner Praktika verlaufsmäßig dokumentiert.“

Ich persönlich habe im Regelfall in meinem Arbeitsalltag viele Ideen und rede viel darüber – soweit so gut, Ideen hat er also, das kann ja mal nicht schaden! Erschwerend kommt aber hinzu, dass ich ebensoviel wie ich rede auch wieder vergesse – und das kann für alle Beteiligten manchmal etwas mühsam werden. Mit Evernote lassen sich Dinge für mich generell längerfristig im Auge behalten und ebenso schön lässt sich damit ein Praktikum zu beiderseitigem Vorteil gut durchorgansisieren.

Planung des Praktikumsablaufs

Vor Praktikumsbeginn wird ein Vorgespräch im Ausmaß von ca. 30 Minuten durchgeführt, dieses dient allgemeinen Informationszwecken für beide Seiten: Punkte wie Erwartungen und Ziele der PraktikantIn, Kontaktinformationen, Vorerfahrungen im psychiatrischen Bereich, besondere Interessen, die Häufigkeit von Zwischengesprächen und Beginn und Ende der Dienstzeiten lassen sich auf diese Weise für beide Seiten bereits vor dem, meist ohnehin sehr beschäftigten ersten Praktikumstag klären.

„Vereinbarungen und geplante Aktivitäten können mit Evernote laufend verändert und abgehakt werden – dies macht den Praktikumsverlauf für Praktikant und Anleiter durchaus transparenter und übersichtlicher.“

In der ersten Woche werden nach einer kurzen „Eingewöhnungsphase“ von zwei bis drei Tagen die ersten verbindlichen Grobziele für die kommenden Wochen festgelegt – wie zum Beispiel die erste selbständige Durchführung von Gruppenangeboten, Termine für Zwischengespräche und organisatorische Meilensteine (Beherrschen der Dokumentationssoftware, Teilnahme an Visiten und Gerichtsverhandlungen uvm.).

Das Praktikum lässt sich in Wochen aufgeteilt strukturiert darstellen, die Textformatierungsmöglichkeiten von Evernote erlauben Farbe, Aufzählungen, Tabellen, noch ein paar andere Dinge und, für die Planung am wichtigsten: abhakbare Checkboxen, die einem Text vorangestellt werden können.

„Für Praktikumsanleiter wäre mit Sicherheit ein Smartphone von Vorteil, da es sonst eher umständlich wäre, die Verlaufsdokumentation ständig zu aktualisieren.“

Die vereinbarten Ziele und Vereinbarungen lassen sich so direkt – die Verwendung der passenden App auf dem eigenen Smartphone vorausgesetzt – unmittelbar nach dem Erreichen abhaken, ebenso können die Notizblätter am Telefon bearbeitet und erweitert werden. Änderungen werden von Evernote automatisch auf die Server übertragen und beim nächsten Abruf der Notiz beinhaltet diese bereits die vorgenommenen Änderungen, unabhängig davon welches Endgerät oder welcher Computer gerade verwendet wird – eine feine Sache.

Wie kommt die Information zu den Studierenden im Praktikum?

Screenshot einer Evernote-NotizBis jetzt lagen die Vorteile ausschließlich auf der Anleiterseite – prinzipiell schon eine gute Sache, alles immer halbwegs im Blick haben zu können, aber wenn nun auch noch die Studierenden Zugriff auf diese Notizen hätten, ohne dass sie den Inhalt verändern könnten? Das funktioniert übrigens, Evernote erlaubt mehrere Möglichkeiten erstellte Notizen für andere Personen freizugeben, dies kann zum Beispiel über ein Facebook- oder Twitter-Konto erfolgen oder die ganze Notiz kann als E-Mail-Anhang verschickt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Generierung einer spezifischen URL zur der Notiz, die dann als Hyperlink per E-Mail an die Studierenden versandt werden kann: Beim Anklicken des Links wird eine Website aufgerufen, auf der man vollständigen Lesezugriff besitzt.

„Die Handhabung ist für Praktikanten auch ohne größere Computerkenntnisse einfach und unaufwändig, Informationen können jederzeit eingesehen werden.“

Wenn nun während des Tagesbetriebs auf Anleiterseite Veränderungen an der Notiz vorgenommen werden, sind diese beim nächsten Aufruf der Notiz durch die Studierenden bereits aktualisiert, auf diese Weise können Informationen unkompliziert, jederzeit einsehbar und immer aktuell weitertransportiert werden – aus meiner Sicht schafft dies eine erhöhte Verbindlichkeit getroffener Vereinbarung und fördert die Selbstorganisation der Studierenden während der Praktikumsdauer. Die Bedienung der Software ist im Übrigen auch auf der Anleiterseite sehr unkompliziert und rasch erlernt, einen Freigabelink zu einer Musternotiz findet ihr im Abschnitt „Weblinks“ dieses Beitrages.

Verursacht Evernote Kosten?

Evernote basiert, ähnlich wie der Cloud-Service Dropbox, auf einem sogenannten Freemium-Modell, d.h. dass die Basisfunktionalität des Dienstes im Rahmen einer Registrierung mit einer E-Mail-Adresse kostenlos ist aber bestimmten Einschränkungen unterliegt, die mit dem Zukauf einen Premiumkontos aufgehoben werden können. Bei Evernote ist das monatliche Datentransferlimit in der kostenlosen Basisversion beschränkt (ich habe allerdings kaum jemals mehr als 5 % des zu Verfügung stehendens verbraucht) und in der Software selbst wird Werbung eingeblendet, allerdings sehr dezent und meist für Evernote selbst – also durchaus gut erträglich. Für Praktikumsplanungen und kleinere Projekte ist die Gratisversion meines Erachtens völlig ausreichend.

Was sonst noch zu beachten wäre…

Datenschutz ist in unserem Beruf ohnehin ein Kernthema und Daten in der Cloud im Rahmen eines kostenlosen Services sind potentiell nicht unproblematisch und ich bin meistens zu faul um die Datenschutzbestimmung aller Services zu lesen, die ich verwende. Bei der Verfassung der Notizen sollten persönliche Daten nur mit Einverständnis der Studierenden in die Notizen geschrieben werden, Daten von Klientinnen und Klienten haben in der Cloud aus meiner Sicht nichts verloren. Ansonsten gibt es eigentlich nichts weiter zu beachten, es muss „nur“ noch die individuelle Hemmschwelle überwunden werden. Die Qualität der Betreuung Studierender lässt sich meiner Einschätzung nach deutlich steigern, ich habe bis jetzt nur positive Rückmeldung erhalten…

Weblinks rund um Evernote