Johnny Cash und Katharine Hepburn haben etwas gemeinsam: Sie litten beide unter Morbus Parkinson. Die Schüttellähmung, wie die Krankheit auch heißt, ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und nicht heilbar. Ergotherapie hilft Betroffenen, besser im Alltag zurecht zu kommen. (Artikelbild von See-ming Lee via Flickr: CC BY-SA 2.0)

Was ist Parkinson?

Der Parkinson’schen Krankheit liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn zugrunde: Die Produktion des Neurotransmitters (hirneigener Botenstoff) Dopamin ist stark herabgesetzt. Der Dopaminmangel entsteht, weil Nervenzellen einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) in großer Zahl innerhalb kurzer Zeit absterben. Die Auslöser für den vermehrten Abbau sind zumeist nicht bekannt, es wird jedoch eine genetische Komponente vermutet. Die Krankheit bricht meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr aus und wurde zuerst 1817 von dem englischen Arzt James Parkinson beschrieben.

Dopamin regelt die Feinabstimmung der Muskulatur, fehlt es kommt es zu den vier Leitsymptomen der Parkinson-Krankheit:

Ist die Ursache unbekannt, spricht man von einem idiopathischen Parkinsonsyndrom (IPS). Treten die Parkinsonsymptome nach Vergiftungen oder als Folgeerkrankung auf, spricht man vom sekundären oder symptomatischen Parkinson.

Die Parkinsonsymptome lassen sich durch die Zuführung von Dopamin oder Dopaminagonisten reduzieren. Die medikamentöse Therapie ist oft kompliziert, da die Wirkung sowohl im Tages- als auch im Krankheitsverlauf stark schwanken kann. Häufige Nebenwirkung sind Dyskinesien, unwillkürliche Zuckungen, die Klientinnen und Klienten stark behindern können. Ein weiteres Problem ist, dass mit fortschreitendem Krankheitsverlauf die Wirkung der Medikamente nachlässt und die Dosis erhöht werden muss. Deshalb versucht man, vor allem bei jungen Patienten, die Gabe von Dopamin so lange wie möglich hinauszuzögern.

Die medikamentöse Therapie hängt von der vorherrschenden Symptomatik ab, deshalb wird das IPS in drei Formen unterteilt:

  • Akinetisch-rigider Typ: vorherrschendes Symptom ist die eingeschränkte Beweglichkeit
  • Tremor-dominanter Typ: vorherrschendes Symptom ist das Zittern
  • Äquivalenztyp: Bewegungsarmut und Zittern sind in etwa gleich ausgeprägt

Eine vielversprechende Therapiemaßnahme ist auch die Tiefe Hirnstimulation (THS/DBS), bei der ein sogenannter „Hirnschrittmacher“ eingesetzt wird.

Begleiterkrankungen bei Parkinson

  • Depressionen
  • Wesensveränderungen
  • Dysästhesien (Missempfindungen)
  • Demenz
  • Psychosen
  • Sprechstörungen (leise Stimme, verwaschene Aussprache)
  • Schluckstörungen
  • Vegetative Störungen (zum Beispiel vermehrtes Schwitzen)
  • Sehr trockene oder sehr fettige Haut (Salbengesicht)
  • Schlafstörungen

Der ergotherapeutische Befund bei Parkinson

Beim Erstellen des ergotherapeutischen Befunds müssen die Wirkungsschwankungen der Medikamente berücksichtigt werden, weshalb die Befunderhebung länger dauern kann (über mehrere Sitzungen). Mithilfe von krankheitsspezifischen Skalen lassen sich die Selbsthilfefähigkeiten und Alltagskompetenzen einschätzen. Die Befundung wird häufig durch den mentalen Zustand erschwert, Symptome können durch die eingeschränkte Mimik, Depressionen, kognitive Defizite oder Demenz verursacht sein.

Ergotherapeutische Ziele bei Parkinson

Klientinnen und Klienten mit Morbus Parkinson sind auf vielfältige Weise eingeschränkt. Zur Mobilitätseinschränkung kommen sowohl kognitive Defizite, wie Vergesslichkeit und Wahrnehmungsstörungen, als auch psychosoziale Einschränkungen (Isolation) hinzu. Das oberste Ziel der Ergotherapie ist die Erhaltung der größtmöglichen Selbstständigkeit. Die individuellen Ziele ergeben sich aus dem ergotherapeutischen Befund und den persönlichen Zielen der Klientinnen und Klienten.

Grobziele der ergotherapeutischen Behandlung bei Parkinson können sein:

  • Verbesserung der Alltagsaktivitäten
  • Verbesserung der posturalen Kontrolle, um zum Beispiel Stürze zu verhindern
  • Steigerung der Bewegungsgeschwindigkeit und -sicherheit bei relevanten Tätigkeiten
  • Verbesserung der Schrift (Stichwort: Mikrografie)
  • Verbesserung der sozialen Teilhabe
  • Verbesserung der Hirnleistung
  • Verbesserung der taktilen, vestibulären und propriozeptiven Wahrnehmung

Ergotherapeutische Behandlung bei Parkinson

Da die größtmögliche Selbstständigkeit im Vordergrund steht, wirkt die Ergotherapie darauf hin, Alltagskompetenzen zu verbessern. Dazu werden Anziehen, Essen und Haushaltstätigkeiten am besten im gewohnten Umfeld der Klientinnen und Klienten geübt. Großflächige Bewegungsübungen und -spiele (zum Beispiel mit einem Luftballon) erhöhen den Bewegungsradius und die Bewegungsfreude, Übungen zur Steigerung der Muskelkraft in den Beinen beugen Stürzen vor. Wohnraumanpassungen, Kompensationsstrategien (zum Beispiel bei Aktionstremor) und Hilfsmittelversorgung gehören ebenfalls zur ergotherapeutischen Behandlung.

Grundprinzipien der Ergotherapie bei Parkinson

  • Behutsames Heranführen an neue Situationen, um Stress zu vermeiden
  • Einbeziehung der Angehörigen
  • So viele Hilfsmittel bereitstellen wie nötig, aber so wenig wie möglich

Typische Therapiemethoden bei Parkinson

  • ADL-Training, zum Beispiel Anziehtraining, Einkaufstraining
  • Repetitive Bewegungsübungen und Bewegungsspiele, um zum Beispiel Kontrakturen zu vermeiden
  • Sturzprävention, zum Beispiel durch Wohnraumanpassung
  • Hilfsmittelversorgung, zum Beispiel mit einem Rollator
  • Schreibtraining
  • Hirnleistungstraining
  • Finden von Kompensationsstrategien bei starkem Tremor
  • Soziale Ansprache und psychische Aktivierung
  • Angehörigenberatung

Weiterführende Literatur


Silke Jäger ist Ergotherapeutin, Lektorin und Projektmanagerin und verdient ihre Brötchen als Freiberuflerin mit Texten über Rehabilitation, Therapie und Gesundheitsthemen—Website

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