Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen. In Deutschland ist er die dritthäufigste sechsthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für mittlere und schwere Behinderungen. Nicht nur ältere Menschen sind davon betroffen, der Anteil an jungen Schlaganfall-Patienten steigt. Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck zählen zu den Risikofaktoren, die auch bei Menschen mittleren Alters zu einem Hirninfarkt führen können. Die Therapie ist oft schwierig und langwierig. Es ist wichtig, dass möglichst schnell gehandelt wird. Die ersten Stunden bestimmen den Therapieerfolg maßgeblich mit. Auch Ergotherapie sollte bereits in der Frühphase nach einem Schlaganfall erfolgen. (Artikelbild von Bruno Sanchez-Andrade Nuño via Flickr)

Was ist ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall (auch Hirnschlag, Hirninfarkt oder Apoplex genannt) wird die Durchblutung einer bestimmten Region im Gehirn unterbrochen. Wenn sich in einem Teil des Körpers ein Blutgerinnsel bildet und durch den Blutkreislauf in das Gehirn wandert, können dort Gefäße blockiert werden. Dies kann auch durch eine Verengung der Gefäßwände geschehen, zum Beispiel durch Kalkablagerungen. Eine weitere Ursache eines Schlaganfalls sind Einblutungen in das Hirngewebe, zum Beispiel durch gerissene Arterien. Durch den Sauerstoffmangel stirbt das Gewebe in der betroffenen Region ab.

Ein Schlaganfall tritt meist plötzlich auf. Die Anfangssymptome sind SehstörungenLähmungenSprachstörungenSchwindel oder plötzliche Verwirrtheit. Je eher der Betroffene ärztliche Hilfe erhält, desto besser sind die Heilungschancen.

Spätfolgen sind, je nach Schweregrad des Hirnschlags, Lähmungen einzelner Gliedmaßen oder einer Körperhälfte, Schluckstörungen, Sprachstörungen oder der völlige Verlust der Sprache. Ältere Menschen, Menschen mit hohem Blutdruck oder chronischen Gefäßverkalkungen sind besonders häufig von einem Schlaganfall betroffen.

Welche Symptome in welcher Intensität auftreten, hängt davon ab, an welcher Stelle der arteriellen Versorgung des Gehirns die Blutzufuhr unterbrochen wird. In der Regel treten auf der entgegensetzten Körperseite Ausfälle auf, also bei einer Blutung in der linken Hirnhälfte kann zum Beispiel im rechten Arm die Sensibilität gestört oder die Bewegung eingeschränkt sein. Aus ergotherapeutischer Sicht ist jedoch immer der ganze Mensch betroffen, das heißt, es gibt eine direkt betroffene Körperseite und eine indirekt betroffene, die bei Befundung und Therapie mitberücksichtigt werden muss.

Typische Symptome, die bei einem Schlaganfall auftreten

  • Zunächst schlaffe Lähmung der gesamten Körperseite oder in Teilen davon (armbetont, beinbetont), später Tonuserhöhung und häufig spastische Bewegungsmuster
  • Sensibilitätsstörungen
  • Koordinationsstörungen, Störungen der Bewegungsqualität (Ungeschicklichkeit, Umständlichkeit, Massenbewegungen)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Neuropsychologische Symptome, zum Beispiel Störungen der Raum-Lage-Wahrnehmung, der Handlungsplanung (Dyspraxie), der Aufmerksamkeit, der Bewusstheit (Awareness), der Orientierung, des Gedächtnisses
  • Sprechstörungen und Sprachstörungen (Aphasie)
  • Schluckstörungen

Der ergotherapeutische Befund bei einem Schlaganfall

Der ergotherapeutische Befund beurteilt das Schadensbild im Hinblick darauf, ob und wie dadurch die Handlungsfähigkeit und Teilhabe des Klienten eingeschränkt werden.

Aspekte, die bei der Beurteilung der Handlungsfähigkeit des Klienten hilfreich sein können:

  • Tonus und Bewegungsausmaß bei verschiedenen, für den Klienten relevanten Handlungen
  • Qualität der Bewegung: Ist sie zielgerichtet, ökonomisch? Wie ist die Koordination?
  • Treten Massenbewegungen oder assoziierte Bewegungen auf?
  • Gleichgewichtsreaktionen
  • Haltungskontrolle
  • Welche Handlungen sind nicht mehr möglich, die dem Klienten wichtig sind?

Ergotherapeutische Ziele bei einem Schlaganfall

Aus dem ergotherapeutischen Befund ergeben sich die Therapieziele, die gemeinsam mit dem Klienten festgelegt werden. Diese sollten auf den Behandlungsrahmen abgestimmt sein. Das oberste Ziel der Ergotherapie bei einem Schlaganfall ist, die Selbstständigkeit des Klienten zu erhöhen. Die Betroffenen sollen verloren gegangene Fähigkeiten wieder erlangen und noch vorhandene Fähigkeiten sollen sich verbessern.

Grobziele der ergotherapeutischen Behandlung eines Schlaganfalls können sein:

  • Tonusnormalisierung
  • Anbahnung physiologischer Bewegungsmuster
  • Verbesserung der sensomotorischen Funktionen
  • Verbesserung der Alltagshandlungen
  • Verbesserung der taktilen, vestibulären und propriozeptiven Wahrnehmung
  • Verbesserung der Hirnleistung
  • Verbesserung der sozialen Teilhabe

Die ergotherapeutische Behandlung eines Schlaganfalls

Die Ergotherapie arbeitet daran, Alltagskompetenzen zu verbessern, um die größtmögliche Selbstständigkeit zu erlangen. Zu den Alltagshandlungen gehören zum Beispiel die Fortbewegung, Anziehen, Waschen, Essen, Mahlzeiten zubereiten, Haushaltstätigkeiten und Freizeitaktivitäten. Je nach Schadensbild und Zielsetzung wird in der Ergotherapie bei einem Schlaganfall mit verschiedenen Ansätzen gearbeitet. Einer davon ist zum Beispiel die Therapie nach Bobath. Mit diesem Konzept werden physiologische Bewegungsmuster neu erarbeitet und trainiert.

Ein weiteres Behandlungskonzept ist die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF). Diese Techniken (Dehnen und Anspannen der Muskeln) werden eingesetzt, um gezielt bestimmte Funktionen zu trainieren, wie Arm- oder Handbewegungen. Es wird praxisnah geübt, damit die erarbeiteten Abläufe in den Alltag integriert werden können (zum Beispiel Geschirr einräumen). Des Weiteren gibt es Therapieansätze, die die Wahrnehmung verbessern. Die Bewegungen des Betroffenen werden vom Ergotherapeuten geführt. Damit kann die Koordination verbessert werden und das selbstständige Umsetzen der Bewegung wird stimuliert.

Übungen für die Grob- und Feinmotorik, Schreibtraining und Ähnliches gehören ebenso zur Ergotherapie bei Schlaganfall, wie die Sensorische Integrationstherapie, die Spiegeltherapie oder die Angehörigenberatung und die Hilfsmittelversorgung. Relativ neu ist der Ansatz, mithilfe von Therapierobotern die Automatisierung von Bewegungsabläufen zu erreichen. Diese können in speziellen Rehabilitationseinrichtungen und teilweise auch zu Hause eingesetzt werden.

Grundprinzipien der Ergotherapie bei einem Schlaganfall

  • Möglichst frühzeitiger Beginn der Therapie
  • 24-Stunden-Konzept, das heißt der Klient sollte möglichst 24 Stunden am Tag physiologisch gelagert und mobilisiert werden
  • Vermeidung von assoziierten Bewegungen und Massenbewegungen
  • Formulierung von Fein- und Nahzielen, um Erfolge zu erreichen
  • Einbeziehung der Angehörigen
  • So viele Hilfsmittel bereitstellen, wie nötig, aber so wenig wie möglich; permanente Anpassung der benötigten Hilfen

Typische Therapiemethoden bei einem Schlaganfall

Die Ergotherapeutin geht stets vom Ist-Zustand des Klienten aus und entwickelt anhand seiner Fähigkeiten geeignete Maßnahmen. Dabei bedient sie sich verschiedener Therapiemethoden, die sie je nach Bedarf modifiziert und an die Gegebenheiten anpasst.

Literatur

Silke Jäger ist Ergotherapeutin, Lektorin und Projektmanagerin und verdient ihre Brötchen als Freiberuflerin mit Texten über Rehabilitation, Therapie und Gesundheitsthemen—Website

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