Wie ich schonmal schrob, befinde ich mich zurzeit im zweiten Teil meines Neurologiepraktikums am Klinikum Straßengel-Judendorf in der Nähe von Graz in der schönen Steiermark. Letzte Woche durchlebte ich den sogenannten “Therapietag”, also einen Tag an dem Praktikantinnen und Praktikanten sozusagen die Möglichkeit haben sich “frei” im Haus zu bewegen, und sich alles anzusehen was interessant sein könnte – und das habe ich auch getan. Bevor ich jetzt zu einer Kurzzusammenfassung komme, möchte ich als Fazit bereits festhalten dass dieser Tag wirklich extrem interessant war, und erheblich dazu beigetragen hat mehr Verständnis für Patientinnen und Patienten zu entwickeln die nachmittags möglicherweise schon etwas müde zur Ergotherapie auftauchen, denn wenn man einen dichtgedrängten Therapieplan hat kann man meiner Einschätzung nach ziemlich schnell ziemlich müde werden. Das Angebot für Patientinnen und Patienten in der Rehabilitation ist jedenfalls umfassend, Details zum Nachlesen findet ihr – wenn ihr den Wunsch verspürt – ausführlich auf der Internetpräsenz des Klinikums…

Ich habe mich während meines “Therapietages” folgenden Dingen gewidmet:

  • Physikalische Therapie – eigentlich tauchte ich dort aus Interesse an der Kälteweste für Patientinnen und Patienten mit dem Krankheitsbild der Multiplen Sklerose auf (die Weste sah ich auch kurz), aber erhalten habe ich weit mehr, z.B. einen Auffrischungskurs in elektrotherapeutischen Anwendungen inklusive Selbstversuch, eine rasche Einführung in die Anwendungsmöglichkeiten von Laser und Ultraschall, eine Erklärung des Vierzellenbades und eine allgemeine Auffrischung bezüglich des Berufsbildes und der Aufgaben von medizinischen Heilmasseuren – spannend…
  • Psychologie bzw. Neuropsychologie – hier gab’s einerseits eine Beobachtung einer computergestützten Testung der Reaktionsgeschwindigkeit eines Patienten (wie ich wohl als leidenschaftlicher Computerspieler abschneiden würde – das war nämlich schon beim Zusehen echt stressig) und andererseits eine 30-minütige Therapieeinheit mit einem Kind mit Aufmerksamkeits- und visuell-räumlicher Störung – inklusive Integration meiner Person in die Therapieeinheit. Ich beneide die Psychologen ja immer ein bisschen, weil es da so schöne Testbatterien gibt, mit denen du oft auf den Punkt genau festnageln kannst wo Patientinnen und Patienten Probleme haben – ein Podcast zu diesem Thema folgt noch mal…irgendwann…wenn ich wieder mal Zeit habe…
  • Logopädie – Anwesenheit bei einer Therapieeinheit eines mir bekannten Patienten…ich beneide auch die Logopäden immer ein bisschen, die sprechen alle so schön und sind so strukturiert beim Verfassen von Dekursen und Befunden – hach…außerdem schätze ich alle die ich bisher kennengelernt habe sehr unter Aspekten interdisziplinärer Zusammenarbeit im therapeutischen Team…
  • Sequenztraining – was ist das nur, was ist das nur? Im Klinikum sind auch etliche Sportwissenschaftler (vulgo Spowis) beschäftigt, die sich um Dinge wie den Lokomat, Nordic-Walking-Gruppen, Wassergymnastik, Koordinationstraining und eben auch das Sequenztraining kümmern (natürlich machen sie noch mehr, aber ich kann mich nicht mehr an alles erinnern das würde den Rahmen sprengen…Kurz zusammengefasst und ohne jemandem auf den Schlips treten zu wollen: das Sequenztraining ist ein Fitnessstudio in dem, unter kontinuierlicher Supervision, medizinische Trainingstherapie angeboten wird – sehr schön…und ganz schön anstrengend für die dort Anwesenden. Steigerung der Kraftausdauer und gezielte Beübung  muskulärer Schwächen stehen hier im Vordergrund.
  • Nordic-Walking-Gruppe – ja, ich weiß was ihr denkt…aber täuscht euch da mal nicht: that shit ain’t easy! Was man vorschnell als Pensionistensport klassifiziert – und was viele Personen tatsächlich völlig falsch ausführen – ist in Wirklichkeit ein Bewegungsmuster das kognitiv äußerst anspruchsvoll ist – zumindest beim Erlernen – mir hat’s fast das Gehirn verknotet mit Gehen, Stockhaltung, Loslassen und Zugreifen, und das alles am Besten noch koordiniert und aufeinander abgestimmt. Jedenfalls sehe ich dem Älterwerden nun gelassener entgegen…angeboten werden drei Gruppen pro Tag unterschiedlich in Intensität und Zeitdauer.
  • Lokomat – ja, jetzt wird’s wirklich spacig…laut der Internetpräsenz der Herstellerfirma ist der Lokomat “…die weltweit erste robotergestützte Gangorthese, welche die Lokomotionstherapie auf einem Laufband automatisiert und die Effizienz des Laufbandtrainings erheblich steigert…). Aussehen tut das Ganze dann mit vorbereitetem Patienten wie eine Mischung aus Captain Future und RoboCop – in etwa…weitere Details bitte ich der verlinkten Seite zu entnehmen, in Judendorf wird er unter anderem zum Kreislauf- und Gangtraining, zur passiven Mobilisation und zur Bewegungsanbahnung eingesetzt – österreichweit führend (mein Gott ich bin so ein Propagandist…) in der Anzahl der “gefahrenen Stunden”…

Das war’s dann auch, der Tag ist irrsinnig schnell vergangen und war extrem informativ und spannend – da wünsche ich zukünftigen Praktikantinnen und Praktikanten schon jetzt viel Spaß!!!