Einleitung

Es handelt sich um ein hypothetisches Modell, das sämtliche Informationen rundum ein Problemfeld sammelt und vermutete Zusammenhänge zwischen Schwierigkeiten, ihren Bedingungen und ihren Konsequenzen aufzeigt. Die Basis des S-O-R-K-C-Schemas schufen Kanfer und Saslow. Das S-O-R-K-C -Schema (auch SORK- oder SORKC-Modell genannt) dient einerseits zur guten Organisation bzw. zum Ordnen von Informationen rundum Verhaltensauffälligkeiten, andererseits können Ansatzpunkte der Therapie festgelegt werden. Dieses Schema kann nicht nur in der Verhaltenstherapie angewandt werden, sondern ermöglicht auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten eine strukturierte Herangehensweise bei der Verhaltensbeobachtung.

Bestandteile

  • S – beschreibt die Situation oder den Stimulus
  • O – Organismus, also alle körperlichen, individuellen Voraussetzungen
  • R – umfasst Reaktion bzw. Verhalten, welches man auf oben genannte Bedingungen zeigt
  • K – steht für die Kontingenz, wie regelmäßig C auf R folgt
  • C – ist nun die Konsequenz, sei es positiv, negativ,…

Fallbeispiel

Im Kindergarten wird ein Problem mit einem Jungen besprochen, der regelmäßig andere Kinder schlägt oder die Gruppe stört, anhand der folgenden Tabelle sind die einzelnen, zu beobachtenden, Bereiche genauer aufgeschlüsselt:

Situation/Stimulus

Organismus

Reaktion

Kontingenz

Consequenz

Die 16 Kindergartenkinder sitzen eng aneinander im Morgenkreis und singen zur Begrüßung. Der Junge hat eine taktile Überempfindlichkeit und mag nicht gerne berührt werden. Er schlägt zu, rammt den Sitznachbarn den Ellbogen in die Seite und zwickt gelegentlich. Das passiert mittlerweile eigentlich täglich, als Schutz für die anderen Kinder, wird die Konsequenz sehr kontinuierlich durchgeführt. Eine Kindergarten-Helferin geht mit ihm raus in die Garderobe und wartet bis die Morgenrunde vorbei ist.

Nun könnte man theoretisch in allen Bereichen ansetzen, um auf die regelmäßig eskalierende Situation einzugreifen. Im Bereich Stimulus/Situation geht es dabei viel um Adaptierung und Umfeldgestaltung: gäbe es eventuell einen besseren Platz für den besprochenen Jungen, z.B. am Rand oder auf einem eigenen Stuhl mit Lehnen als Abgrenzung.

Beim Organismusaspekt kommen viele ergotherapeutische Möglichkeiten zum Einsatz, hauptsächlich um die sensomotorischen Voraussetzungen zu verbessern (im genannten Beispiel vermutlich eine sensorische Integrationstherapie). Zum Bereich Organismus kann aber auch eine körperliche Einschränkung zählen wie eine Fehlsichtigkeit, die mit einer besonders hässlichen Brille behoben wurde und dadurch Hänseleien verursacht. Die Frage, wie darauf eingegangen werden kann, muss die jeweilige Situation zeigen.

Die Reaktion kann in einem Strategietraining, einer Videoanalyse, im sozialen Kompetenztraining oder weiteren verhaltenstherapeutischen Möglichkeiten angegangen werden. In den Reaktionen wechseln Kinder auch selber häufig, auch wenn die Schläge gegen andere Kinder plötzlich auf einen selber gerichtet werden könnten. Ein festes Abklatschen auf die eigenen Oberschenkel vielleicht in einer Begrüßungsrunde mit Klatschen kann die Reaktion des Zuhauens auch kanalisieren.

Mit Veränderung bei Kontingenz und Konsequenz ist nun viel Beratung nötig. Welche Möglichkeiten gibt es noch, eine Reaktion zu belohnen bzw. zu bestrafen? Eigentlich ist es für den Jungen im Beispiel eine sehr positive Konsequenz, das für ihn unangenehme Setting verlassen zu müssen, ja zu dürfen. Es liegt daher für ihn keine Notwendigkeit vor, sein Verhalten zu verändern. Wenn es aber z.B. nach jeder Begrüßungsrunde einen Aufkleber für jedes Kind gäbe, dass aufmerksam dabei war und damit ein Sammelalbum gefüllt werden kann, ist in der positiven Konsequenz eine andere Motivation möglich. Das Sammelalbum steht dabei für die Kontingenz.

Fazit

Es ergibt Sinn, manch gefestigte Verhaltensweisen oder Systeme mal mit dem S-O-R-K-C zu betrachten, auch um eventuell neue Ansätze zu finden. Ich persönlich verwende dazu ein A4-Blatt Querformat und sammle die Informationen zum jeweiligen Bestandteil in einer Art Tabelle. Erklärungen und Darstellungen für Eltern, Betreuungspersonen oder Angehörige werden dadurch visuell gut unterstützt. Ein Downloadlink zu einem Musterbeobachtungsbogen findet sich nachstehend, zusätzlich kann der Bogen auch im handlungs:plan-Downloadverzeichnis heruntergeladen werden.

Weblinks

Literatur

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website

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