Grundlagen: Verletzungen der Strecksehnen in den Zonen 5/6/7

Es kommt zum Funktionsausfall der Streckfähigkeit im Grundgelenk, wobei die Streckung im Mittel- und Endgelenk durch die intakt gebliebenen Sehnen der Handbinnenmuskulatur erhalten bleibt. Bei zusätzlicher Verletzung der seitlichen Streckerhaube kommt es zum Abweichen der Strecksehne in Richtung der unverletzten Seite, da der Zug des intertendinösen Gewebes auf die Streckseite von der gesunden Seite her überwiegt. Dadurch gleiten die Strecksehnen nicht mehr über die Mitte des Mittelhand-kopfes, sondern es kommt zu einer Ulnar- oder Radialduktion mit resultieren-dem Streckdefizit. Die Therapie besteht bei offenen Verletzungen in der primären Versorgung immer operativ durch U-Nähte mit 4/0 atraumatischem, monofilen Faden.

Nachbehandlung mit Ruhigstellung und passivem Durchbewegen

1.-6. Woche

  • Ruhigstellung in angenäherter Intrinsic plus Stellung für mindestens 6 Wochen, wobei wegen der Sehnenverbindungen untereinander, den Connexi intertendinei, die Nachbarfinger mit ruhiggestellt werden sollten
  • angenäherte Intrinsic plus Stellung: Es ist darauf zu achten, dass das Handgelenk in maximaler Dorsalextension, die Grundgelenke in 40-60 Grad Beugestellung (spannungsfrei) und die Mittel- und Endgelenke in Streckstellung gehalten werden
  • Der Patient kommt 3 bis 4 Mal in der Woche zu Ergotherapie. Die einzelnen Fingergelenke werden in jeweiliger Schutzstellung im spannungsfreien Endgefühl durchbewegt

1.-2. Woche

  • Nach genauer Instruktion darf der Patient die Finger passiv in den Grundgelenken strecken, die Schiene wird dabei unbedingt angelassen. Er untergreift dabei mit seiner gesunden Hand die verletzten Langfinger und hebt diese passiv in Extension
  • Führt der Patient dies korrekt durch erlernt er auch das Durchbewegen der IP-Gelenke bei stets gestreckten MCP-Gelenken bei angelegter Schiene

6.-8. Woche

  • Abnahme der Schiene und Beginn mit vorsichtiger aktiver Beübung. Die Streckung wird ohne Widerstand durchgeführt. Die Beugung darf im spannungsfreien, schmerzfreien Bereich geübt werden, um die Strecksehnennarbe nicht zu dehnen. Manuelle Techniken und der Alltagsgebrauch mit kraftvollem Zupacken sind noch verboten
  • Nachts wird die Schiene noch für weitere 2 Wochen getragen

Ab der 8. Woche

  • Intensivieren der aktiven Beübung
  • Sensomotoriktraining um den Spontaneinsatz der Hand wieder anzubahnen
  • Alltagseinsatz
  • Die Schiene kann nachts weggelassen werden

Ab der 12. Woche

  • Kräftigungsübungen sind ab diesem Zeitpunkt möglich

Nachbehandlung mittels dynamischer Schiene

1.-6. Woche

  • Anfertigung einer dynamischen Schiene für sechs Wochen, die ein Gleiten der genähten Strecksehne zulässt. In der Schiene kann der Patient die MCP- und PIP-Gelenke aktiv beugen, die Streckung wird zur Entlastung der Strecksehnennaht von einem Gummi übernommen. Der Patient muss achten, die MCP Beugung nicht zu kräftig durchzuführen, da dadurch die Strecksehnennaht unter Stress gerät. Das richtige Ausmaß der Übungen wird von der Ergotherapeutin instruiert
  • Der Patient kommt 2 Mal in der Woche zur Ergotherapie. Hautpflege und passives Durchbewegen in der jeweiligen Schutzstellung für die Strecksehnen werden durchgeführt

6.-8. Woche

  • Abnahme der Schiene und Beginn mit vorsichtiger aktiver Beübung
  • Nachts wird die Schiene noch für weitere 2 Wochen getragen

Ab der 8. Woche

  • Es kommt das gleiche Vorgehen wie bei der statischen Nachbehandlung zur Anwendung

Ab der 12. Woche

  • Es kommt das gleiche Vorgehen wie bei der statischen Nachbehandlung zur Anwendung

Persönliche Erfahrungen

Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten arbeiten nach ärztlicher Anordnung und führen in erster Linie die Nachbehandlung in Absprache mit dem Handchirurgen durch. Umso besser das Team und die interdisziplinäre Zusammenarbeit organisiert sind, umso leichter fällt die Entscheidung über die Art der Nachbehandlung. Folgende Fragen tragen zur Entscheidungsfindung bei:

  • Verstehen Patientinnen und Patienten die Nachbehandlung und sind sie achtsam?
  • Wohnort – wie oft können Patientinnen und Patienten zur Ergotherapie kommen
  • Operationsbefund, wie schwer ist die Umgebung mitverletzt? Schwellung?

Auf alle Fälle ist für mich die statische Nachbehandlung in Kombination mit Ergotherapie und exaktem Management (Ödemreduktion, Durchbewegen, Narbenbehandlung…) die sichere Version mit gutem Outcome. Sie bedarf zwar einer höheren Therapiezeit bis zur Schienenabnahme, sind nach Schienenabnahme jedoch die Gelenke gut beweglich und ist die Sehne sicher verheilt wird der Patient früher abgeschlossen.

Ein etwas umfangreicheres, bebildertes PDF-Dokument steht entweder im Downloadbereich des handlungs:plan oder unter untenstehendem Link zum Herunterladen bereit.

Andrea Moser ist Ergotherapeutin, mit langjähriger klinischer Erfahrung im Bereich Orthopädie. Sie ist sowohl in einer Klinik in Klagenfurt als auch freiberuflich als Ergotherapeutin tätig—Website