Einleitung

Am 27.09.2011 fand im Casineum in Velden die Tagung „Inklusiver Tourismus – Lust auf MEHR“ statt, die von der Abteilung 7 des Landes Kärnten, vom Verein tourism4all und vom Gleichstellungbeirat der Stadt Klagenfurt veranstaltet wurde – ich war in meiner Tätigkeit als eine der beiden Projektleitungen des Projekts ergo-goes-wheelmap zusammen mit meiner Projektleitungskollegin des Studiengangs Ergotherapie der FH Kärnten, sowie mit zwei Studentinnen aus dem Projektteam vor Ort, um gemeinsam unser Projekt bei dieser Tagung vorzustellen. Auf die Projektpräsentation gehe ich in diesem Beitrag nicht näher ein – einerseits weil sich darum die Studentinnen aus ihrer Perspektive kümmern werden und andererseits, weil ich hier die restlichen Inhalte der Tagung kurz vorstellen möchte – für weitere Informationen steht am Beitragsende eine ausführliche Liste mit Weblinks bereit, wer Livekommentare während der Tagung nachlesen möchte, kann dies in meinem Twitterfeed tun, der ebenfalls weiter unten verlinkt ist. Also…in medias res… (Artikelbild von Stephen Colebourne via Flickr)

Impulsreferate…

Nach der obligatorischen Begrüßung – deren Protagonisten ich dem verlinkten Programm zu entnehmen bitte – erfolgte der eigentliche Startschuss zum Informationsgehalt durch zwei Impulsreferate: Mag. Isabella Scheiflinger, die Behindertenanwältin des Landes Kärnten, referierte über das Thema „Reisen mit Behinderung als Menschenrecht“ und lud zu einer Fantasiereise mittels einer versuchten Onlinereisebuchung eines barrierefreien Urlaubs in Kärnten aus der Sicht deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ein – der Nachbesserungsbedarf in diesem Bereich wurde mehr als offensichtlich.

DI Christine Eder gab eine Vorschau auf die Broschüre „Lebensräume Gestalten – Barrierefreies Bauen 2012“ des Landes Kärnten – und hat es bravourös geschafft den Spagat zwischen raschem Sprechtempo und adäquater Informationsvermittlung, gewürzt mit einer Prise Humor zu vollziehen.

Tourismus der Zukunft…

…als Thema wurde im zweiten Veranstaltungsblock behandelt, unter anderem von…

…Mark Wassermann (Universität Klagenfurt, aber auch zahlreiche andere Funktionen) zu Themen wie: Vorteile der Umsetzung barrierefreier Tourismuskonzepte, Ursachen für das Scheitern der Umsetzung, Urlaubsverhalten, die touristische Servicekette und Wirtschaftszahlen in Deutschland.

…Sepp Baldrian (Motary Österreich, was für ein fabelhafter Name!) zu Themen wie: Komforttourismus, brachliegende touristische Potenziale, Busreisen, Komfortzimmer, Wirtschaftlichkeit, Hindernisse bei der erfolgreichen Umsetzung, abgerundet durch zahlreiche bissige Seitenhiebe auf Politikerinnen und Politiker – ein flamboyanter Redner jedenfalls.

…Helmut Hinterleitner (Wirtschaftskammer Österreich) zu den Themen Komfort im Tourismus und den finanziellen Hürden bei der barrierefreien Adaption bestehender Infrastruktur aus Sicht der Gewerbetreibenden.

Gute Beispiele…

…für inklusiven Tourismus wurden – nach einer zwanzigminütigen Pause – im zweiten Veranstaltungsblock präsentiert, und zwar nicht wenige:

  • Das barrierefreie Bildungshaus Schloss Retzhof in der Südsteiermark von Joachim Gruber, dem Leiter des Hauses
  • Barrierefreie Schülerreisen aus Sicht des Reiseveranstalters von Andreas Pitsch (ich hoffe, dass der Nachname stimmt und richtig geschrieben ist, er war als Vertretungsredner da)
  • Richard Oswald vom Einkaufzentrum Atrio in Villach zum Thema „barrierefreies Einkaufszentrum“ – tatsächlich beeindruckend, was in diesem Haus an diesbezüglicher Arbeit geleistet wurde
  • Ferdinand Vouk (Bürgermeister Velden) und Petra Kohlenprath (Forschungsgesellschaft für Mobilität) zum geplanten Shared-Space-Projekt in Velden mit Vorstellung der bereits erfolgten Umsetzung in Gleinstätten/Steiermark – ebenfalls sehr interessant, man darf gespannt auf das Resultat sein
  • Angelika Mitterbacher, Sarah Dionisio, Martina Landl und meine Wenigkeit stellten das Projekt ergo-goes-wheelmap vor – natürlich ebenfalls sehr interessant!

Den Abschluss dieses Blocks bildete die Vorstellung des neuen – durch die Tagungsteilnehmer im Vorfeld gewählten – Logos der Steuergruppe „Barrierefreies Planen und Bauen“ mit Geldpreisübergabe an die Schüler der HTL Villach, die sich für das Logodesign verantwortlich zeigten, sowie die Vorstellung eines Komforttaxis vor dem Casino Velden.

Podiumsdiskussion

Für die abschließende Podiumsdiskussion (die eigentlich eher ein Frage-Antwort-Spiel als eine tatsächlich Diskussion war) standen noch 40 Minuten zur Verfügung, die sich mit Fragen wie den Baukosten bei barrierefreier Gebäudeplanung, Gesetzesnovellierungen durch die Kärntner Landesregierung, Zweckentfremdung von Behindertenparkplätzen, terminologischen Feinheiten und Seitenhieben auf Politikerinnen und Politiker recht gut füllen ließen – wirkliche Diskussionsstimmung kam meiner Einschätzung nach keine auf, dieser Umstand war möglicherweise durch das Fehlen von stark gegensätzlichen Positionen im Publikum bedingt…also eher ein Angeben von Statements und somit recht zahm…

Fazit

Die Tagung war vorbildlich organisiert und durchaus interessant (sehr positiv ist mir die durchgängige Simultanübersetzung alles Gesprochenen in Gebärdensprache aufgefallen), und bot – zumindest mir – Einblicke in Problemfelder und Lösungsstrategien mit denen ich bis jetzt eher wenige Berührungspunkte hatte, wenn man von der grundsätzlichen Problematik sich mit einem Rollstuhl fortzubewegen einmal absieht.

Ein paar Punkte sind meinerseits trotzdem anzumerken: wenn während eines Impulsreferates die Aussage „google, unsere [sic!] Suchmaschine“ fällt, bekomme ich zumindest ein leicht komisches Gefühl in der Magengrube, hier scheint noch ein bisschen Nachholbedarf zu bestehen. Extrem negativ aufgefallen ist mir persönlich, dass Landesrat Ragger zwar bei der Begrüßung und den einleitenden Worten anwesend war, aber an der restlichen Veranstaltung nicht mehr teilgenommen hat – ein Umstand, der auch mehrmals während des Programmblocks „Gute Beispiele“ von Rednerinnen und Rednern beklagt wurde, ganz untypisch für die Berufsgruppe der Politikerinnen und Politiker scheint dieses Verhalten dem Vernehmen der Anwesenden nach allerdings nicht zu sein.

Die Verwendung des Begriffes „Barrierefreiheit“ während der Vorträge kann nicht gerade als einheitlich bezeichnet werden, dies mag dem Umstand des unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Hintergrundes der jeweiligen Rednerinnen und Redner geschuldet sein, hat aber auch bei einigen Personen zu vernehmlich geäußertem Unmut geführt – nicht während des Tagungsprogrammes, aber in den Pausen.

So blieb das empfundene Gefühl schlussendlich dem Treffen eine größeren Runde von Bekannten – von denen sich nicht alle unbedingt jederzeit freundlich gesinnt sind – beigewohnt zu haben, die sich Dinge mitgeteilt haben, die ohnehin jeder von ihnen bereits weiß. Soweit ich das beurteilen kann, war die Tagung nicht von einer breiteren Öffentlichkeit, d.h. Personen die sich bisher noch nicht mit der Problematik befasst haben, besucht – das Thema „Inklusiver Tourismus“ ist meiner Einschätzung nach ohnehin auf eine gewisse Zielgruppe zugeschnitten – aber wenn man sich die Anzahl der Tourismusbetriebe in Kärnten kurz vor das innere Auge führt und das brachliegende Potential in diesem Bereich (zielgruppenorientiert gesprochen) berücksichtigt, scheint mir die Reichweite der vorgestellten Informationen eher gering zu sein…ich lasse mich allerdings gerne eines Besseren belehren, interessant in mehrerlei Hinsicht war es allemal!

Weblinks