Am 24. September 2010 wurde von der Landesgruppe Kärnten des Berufsverbandes Österreichischer Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ein Vortragsabend mit fünf Impulsreferaten zum allgemeinen Themenschwerpunkt „Geriatrie“ in Klagenfurt veranstaltet. Als Referentinnen und Referenten fungierten Prim. Dr. Georg Pinter (Abt. für Geriatrie, Klagenfurt), Dr. Hans Lauchart (Facharzt für Neurologie), Angelika Mitterbacher (Ergotherapeutin), Christoph Oratsch (Physiotherapeut) und Dr. Ines Lackner (Klinische Psychologin und Psychotherapeutin), wobei sich die Themen der, jeweils ca. 10-15 Minuten dauernden, Referate vom allgemeinen Leistungsspektrum der geriatrischen Medizin, über die Diagnostik und Therapie von Demenzen und den Stellenwert der selbstbestimmten Aktivität im Alter bis hin zu geriatrischer Physiotherapie und Annehmen des eigenen Selbst spannten.

Im Prinzip also sehr schön, auch die Örtlichkeit war durchaus angenehm und der Abend war durchwegs gut besucht, sehr viel Fachpersonal aus allen möglichen Berufsgruppen, Post-Vortrags-Sozialisations-Syndrom am Buffet inklusive. Lob also an die Organisatorinnen und Organisatoren – schön, dass es diese Veranstaltung gibt. Weniger schön, dass in der Presse nichts darüber zu lesen war, vielleicht lese ich auch die falschen Zeitungen…

Das Ausmaß an neuen Informationen der Einzelreferate war – zumindest für mich, als mit frischem Wissen vollgestopfter, frisch gebackener Ergotherapeut – eher gering, am gehaltvollsten waren diesbezüglich sicherlich die Vorträge von Dr. Lauchart (im besten Maschinengewehrstil vorgetragen, sehr präsent und definitiv nicht langweilig – fabelhaft wie man so viel Information in so kurze Zeit packen kann) zum Thema Diagnostik und Therapie von Demenzen (20% der Demenzen sind adäquat therapiert…) und der sehr berührende Vortrag von Dr. Lackner zum Thema „Annehmen des eigenen Selbst“ (zumindest habe ich das so verstanden, aber da gehen die Meinungen sicherlich auseinander beziehungsweise besteht ein gewisser Interpretationsspielraum, und sehr löblich: ohne Power Point). Prim. Dr. Pinter konnte mit interessanten Fakten zur geriatrischen Landschaft in Kärnten aufwarten, die mir teils noch unbekannt waren und betonte nachvollziehbar die – angesichts der demographischen Entwicklung – absolute Notwendigkeit einer auf den älteren Menschen ausgerichteten Medizin, durchaus angenehm präsentiert.

Die Vorträge der Referenten aus den Bereichen Physio- und Ergotherapie boten für leider mich nichts Neues, der Publikumstenor nach der Veranstaltung ging – zumindest bei den Personen mit denen ich mich nach dem Vortag unterhalten habe – auch eher in die Richtung „unspektakulär“. Für mich nicht ganz nachvollziehbar war, dass beide Vortragenden nicht tatsächlich im Bereich der Geriatrie aktiv therapeutisch tätig sind – schade…etwas mehr Praxisbezug hätte an dieser Stelle meiner Einschätzung nach nicht geschadet, obwohl beide im Endeffekt natürlich wussten, wovon sie sprachen. Wermutstropfen für mich als Ergotherapeut, war die konsequente Vermischung der Begrifflichkeiten CMOP und COPM, das hätte nicht unbedingt sein müssen, auch angesichts der Tatsache, dass das Modell und das Befundungsinstrument in hiesigen Gefilden ohnehin nicht sehr weit verbreitet sind.

Nichtsdestotrotz, Mini-Wiener-Schnitzel und Köttbullar in Tomatensauce, in Kombination mit einem Gläschen Rotwein am Buffet machten Lust auf einen erneuten Besuch im nächsten Jahr – schade, dass es in Kärnten momentan keine eigene Landesgruppe des Berufsverbandes der österreichischen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten gibt, ein jährlicher, für die Öffentlichkeit zugänglicher Vortragsabend zu ergotherapeutischen Themen wäre fast eine Sünde (oder zwei) wert…