…der steht wie so viele der Therapiekinder gerne im Fußballtor. Genauer gesagt kommt es gerade bei wahrnehmungsschwachen Kindern verblüffend oft vor, dass ihre liebste Fußballposition ein paar Meter vorm Netz ist. Wenn ich es jetzt philosophisch angehe, könnte man auch sagen weil sie Halt suchen, Begrenzung und ein (soziales) Netz, Freunde, oder etwas, das sie auffängt. Aber das möchte ich nun wirklich nicht weiter ausführen, das könnte nämlich interpretatorisch ausarten. (Artikelbild von woodleywonderworks via Flickr)

Viel eher sehe ich einen schwachen Muskeltonus, mangelnde Koordinationsfähigkeiten und eine propriozeptive Reizsuche. Als Tormann hat man nun die Chance oder teilweise sogar die Verpflichtung, sich regelrecht auf den Boden zu schmeißen, und wer kennt das nicht auch aus mancher Therapiestunde. Ein Hechtsprung ins Glück der Reizintensität. Dabei sind oben genannte Kinder nicht mal die besten Fänger oder für den perfekten Abstoß geeignet, denn dafür benötigt es ja eine gute Vorausplanung und Idee der eigenen Körpergrenzen. Das macht aber nichts, kann man sich doch gegen den Ball stemmen oder sich zwischendurch mit den festen Handschuhen auf die Oberschenkel klopfen. Es gilt nur zu hoffen, dass die gegnerische Mannschaft auch in regelmäßigen Abständen auf das Tor zu steuert, es kommt nämlich nicht so gut, wenn sich der Tormann auch zwischendurch zu Boden wirft. Eine ganze Spielzeit ohne die Proprio-Action ist dann doch sehr hart für die Ausdauer, Stabilität und Aufmerksamkeit.

Eins kann ich zumindest gewiss sagen, eine Fußballmannschaft aus Therapiekindern wird spannend. Wie soll das aussehen, ein Drittel steht im Tor, ein Drittel verliert dem Ball aus dem Auge aufgrund eines Aufmerksamkeitsdefizits und das letzte Drittel…

… vielleicht gibt’s ja noch weitere nicht ganz ernst zu nehmende Ideen aus eurer Praxis, wie sich die restlichen Spieler am Feld verhalten?

Bettina Hutterer ist seit 2002 Ergotherapeutin und nach ihrer klinischen Tätigkeit in den Fachbereichen Neurologie und Psychiatrie seit 2009 freiberuflich in freier Praxis, vorwiegend im Fachbereich Pädiatrie tätig—Website