Montag, 05.07.2010

Ja nun, die Woche begann prinzipiell recht geruhsam, fünf Patientinnen und Patienten waren für heute terminisiert – also weit entfernt von etwas Ähnlichem wie Stress. Das machte aber nichts, weil ohnehin zusätzlich andere Dinge am Programm standen. Der erste Teil des Podcasts zum Thema „Active-Place-and-Hold“ nach Beugesehnenverletzungen wurde heute aufgenommen (in sehr…interessantem…Englisch), zusätzlich habe ich das Patienteninformationsblatt zur Nachbehandlung ins Deutsche übersetzt – gar nicht so einfach, wenn sich gleich drei Sprachen im eigenen Kopf die Hände schütteln – und die Bibliothek habe ich auch noch besucht, um eine sehr aktuelle Vergleichsstudie zum Thema „Active-Place-and Hold vs. Passive Range Motion“ auszugraben, die auf einen raschen Blick eindeutig bessere Ergebnisse für Ersteres auswirft – ich bin sicher, dass sich daraus ein sehr schönes Informationspaket schnüren lassen wird…morgen geht’s mit dem zweiten Teil der Podcastaufnahmen weiter, und nächste Woche wird abgeschlossen.

Besser als Skype

Da kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber trotzdem sehr cool: heute wohnte ich (als graue Eminenz sozusagen) einer Videokonferenz bei, die zwischen Ergo- und Physiotherapie und einem Patienten samt seiner Ergotherapeutin abgehalten wurde, über eine Entfernung von ca. 300km – im Sinne eines Beratungsgespräches nach einer einseitigen Operation einer Dupuytren’schen Kontraktur – sehr flüssig das ganze Ding, mit einer Latenz von höchstens zwei oder drei Zehntelsekunden, und Bild in nahezu HD-Qualität (Internetleitungen haben die hier, auch in der Wohnung, wow, wenn man 3 MBIT/s gewohnt ist flutschen die 20 oder 30 MBIT/s die ich hier habe so richtig schön dahin – das will ich auch haben!). Ein probates Mittel jedenfalls um Patientinnen und Patienten, die weiter entfernt wohnen, vor einer möglicherweise überflüssigen Anreise zu bewahren, oder um sicherzustellen, dass ein Betreuungsteam (=Klienten) von Patientinnen und Patienten über den gleichen Informationsstand verfügt. Die Technik ist scheinbar in jedem „Gemeindegesundheitszentrum“  in Nordschweden verfügbar, einfach spitze. Und für jedes Teammitglied gibt’s eigene Namensschilder – ORF der 70er, schau oba!

Was in den nächsten Wochen sonst noch geplant ist…

Heute habe ich das Thema „gemeindebasierte Ergotherapie“ nochmal kurz angesprochen, es sieht so aus, als ob ich eine Woche in Umeå (hej, ich habe herausgefunden wie man Sonderzeichen in WordPress einfügt!) in einem der lokalen Gesundheitszentren schnuppern kann, viele Hausbesuche inklusive, ich freu‘ mich, der Kontakt wurde mal per Mail angebahnt – aber ich bin guter Dinge, dass das klappt. Eine Woche krankenhausinterne Abteilungsrotation habe ich ohnehin geplant, damit warte ich aber noch ca. 2 Wochen, weil Agneta und Helena dann beide auf Urlaub sind, und Lena in Englisch nicht sooo fit ist, wie die anderen beiden – aber das haut definitv auch hin. Ach ja, und einen weiteren Podcast zum Thema COTEC nehme ich nach Möglichkeit auch noch auf – wenn schon ein Insider meine Praktikumsanleiterin ist…

Die tragische Geschichte des 8er-Eisens…

Das war ja auch mal nicht schlecht, passt auf: die Hauptprotagonisten der Geschichte sind…ein Golfschläger (8er Eisen), die 10-jährige Patientin samt ihrer Schwester und Mutter, ein 20 Jahre alter Mazda 323, ein Passant älteren Semesters und ein hilfsbereiter, aber leicht trotteliger Ergotherapiepraktikant (that would be me…). Zum Abrunden fügen wir noch einen – im Auto eingesperrten Zündschlüssel, abwesende Ergotherapeutinnen, einen  Zentimeter offenstehende Heckfenster, etwas Schnur und ein Stück flexiblen Drahts hinzu – und die Geschichte kann ins Rollen kommen…

In absentia der Ergotherpeutinnen, taucht – unmittelbar nach meiner Rückkehr aus der Bibliothek – besagte Patientin samt Entourage im Büro auf, ihre Mutter teilt mir mit, dass sie – bei einer noch geplanten nachmittäglichen Fahrt von 14 schwedischen Meilen – den Zündschlüssel im Auto eingeschlossen hat (Zentralverriegelung, anyone?), und nicht weiss, wie sie diesen aus seinem Gefängnis befreien soll. Ganz Hilfsbereitschaft, machen wir uns im Stil einer Karawane auf zum Fahrzeug…und tatsächlich, da liegt er, der Übeltäter! Im Stile eines Undercoveragenten mache ich mich an die professionelle Öffnung des Fahrzeugs…oder versuche es zumindest – immerhin habe ich es geschafft, besagtes Fenster weiter schließen zu können…

Nun kommen der Golfschläger und der hilfsbereite Passant ins Spiel: nachdem ich versucht habe, den Schläger durch den Spalt ins Wageninnere zu verfrachten, und damit die Fensterkurbel zu betätigen (Hallooooo…Fensterkurbeln????) – was allerdings nicht gelang, weil der Spalt einfach zu schmal war – hat besagter Passant auch noch sein Glück versucht, allerdings mit ein bisschen mehr Kraftaufwand als ich, ich dachte, gleich springt mir das Sekurit® stückchenweise entgegen. Mit letzter Kraft hat es besagter Herr schließlich geschafft…der Schläger knickte mit einem knarzenden Geräusch…und mir blieb es überlassen, der Besitzerin (Helena) zu erklären, was da gerade in den letzten 20 Minuten passiert war – sie nahm es allerdings nicht übermäßig tragisch. Das Auto wurde dann wahrscheinlich von der Polizei geöffnet, die sind ja bekanntermaßen die besten Einbrecher…

Die Patientinnen und Patienten des Tages…

Viel war es nicht…der Saxophonspieler war wieder da – mit Schmerzen, kein Wunder nach dem Jazzfestival am Wochenende, bei dem er stundenlang gespielt hatte – und erhielt maschinelle Therapie gegen sein Handödem (pneumatischer Handschuh, 80 mmHg Druck, intermittierende Applikation für ca. 30 Minuten, 0,9 cm Umfangsabnahme). Zwei Dinge noch dazu: wer sich im Jazzbereich ein bisschen auskennt dürfte das schon wissen, aber mich hat’s trotzdem ziemlich getroffen…Esbjörn Svensson ist letztes Jahr verstorben – und der hat wirklich großartige Musik gemacht…und er hat mal in Landskron ein wirklich hervorragendes Konzert gespielt (wer interessiert ist, höre sich eine Kostprobe des Esbjörn Svensson-Trio an)…und besagter Patient spielt jahrelang in einer Big-Band, von der es auf YouTube auch ein paar nette Videos gibt…

…einen (unspektakulären) Verbandswechsel bei dem 10-jährigen Mädchen gab’s auch noch…

…und zwei Beratungsgespräche nach Quetschverletzungen…das war’s dann aber auch schon wieder für heute…

Randnotizen

Eine schwedische Meile entspricht nahezu 10 Kilometern…Pizza mit Hühnerfleischstücken, Erdnüssen, Ananas und Banane schmeckt hervorragend (und es gibt noch zahlreiche andere Abartigkeiten auszuprobieren!)…mit Photoshop brauche ich wohl noch etwas mehr Praxis wenn  ich mir das Bild der Pizza so ansehe…Kaffee kostet 1,5 € im Krankenhauscafe (was ein echter „Nice-Price“ ist)…und ich schlafe immer noch jede Nacht viel zu wenig…abseits davon versuche ich gerade alle Episoden von „Tales of Monkey Island™“ nachzuholen – lustig!


06.07.2010

Tja, was berichtet man an einem relativ ereignislosen Tag wie diesem – an dem ich hauptsächlich konversativ tätig war? Das wird ja mal wirklich schwierig – aber ich will euch nicht länger als unbedingt nötig auf die Folter spannen. Wir haben heute die restlichen organisatorischen Rahmenbedingungen des Praktikums geklärt, da Agneta ab übernächster Woche für vier Wochen (und das im Sommer!) auf Urlaub ist, und sich Helena eine Woche später ebenfalls für drei Wochen verabschiedet…

Organisation

Zufällig stolperte heute ein Ergotherapeut mittleren Alters ins Büro, der in Umeå mit SHT-Patientinnen und SHT-Patienten arbeitet – an ihm werde ich mich für mindestens zwei Tage wie ein Blutegel festsaugen und mir dieses Arbeitsfeld anschauen. Zusätzlich hat Agneta die ET’s der Geratrie und der Neuroreha kontaktiert – ebenfalls für jeweils einen bis zwei Schnuppertage, die „Community-Based ET“ wird dann im August ebenfalls für ca. 2 Tage betrachtet. Das alles ist jetzt also soweit auf Schiene, und ich muss euch künftig nicht mehr mit Planungsnachrichten langweilen. Der COTEC-Podcast wird ebenfalls definitv stattfinden, und zwar in meiner letzten Praktikumswoche – zusätzlich versucht Agneta noch Kontakt zu einer ET herzustellen, die mir (ebenfalls in Podcastform) Auskunft zur geschichtlichen Entwicklung der Ergotherapie in Schweden geben kann, ich hoffe, dass das auch noch organisierbar ist…

Die Sache mit dem „Personalschlubben“…

Nachmittags haben wir – aufgrund absoluten Patientenmangels – einen Spaziergang im Park zum Zwecke des Eisschleckens unternommen, und dabei versucht, die Aussprache des Buchstaben „K“ in Schwedisch zu ergründen, so wird das Nationalgericht von IKEA Schweden ja bekanntermaßen „Schöttbullar“ ausgesprochen (Dank an Bettina für die Vorabinfo – so habe ich mich nicht völlig blamiert) – das schöne Wort „Personalklubben“ (was in etwa den Gemeinschaftshaus im LKH Villach entspricht, ob die hier wohl auch einen eigenen Weinkeller haben, in dem sie dem hemmungslosen Konsum von Roséweinen frönen?) wird allerdings nicht „Personalschlubben“ ausgesprochen – genau erklären konnte mir das auch niemand, allgemeingültige Regeln scheint es nicht zu geben, da zusätzlich die tatsächliche Bedeutung des Wortes in Betracht gezogen werden muss, zumindest bei Wörtern mit gleicher Schreibweise. Da ist Deutsch gewissermaßen einfacher…

Ein Hauch von „Bitchiness“

Manchmal fühle ich mich schon ein bisschen belächelt, Agneta ist offensichtlich ziemlich gebildet, aber manchmal lässt sie das auch ein bisschen heraushängen – ich bin z.B. totaler Schokoladeneisverweigerer und optiere im Zweifelsfall eher für Calippo, aber das hat mir heute die Frage eingebracht, ob ich fünf Jahre alt bin…ähem, ich nehm’s mit Humor, aber Deutschland – und somit auch Österreich – hat hier wohl den Ruf, sehr reglementiert zu sein und eine technische Orientierung wird diesen Ländern schwedischerseit wohl nachgesagt (ja, ich weiss, das kann man nicht verallgemeinern). Ich nehm’s aber nicht krumm, jeder nach seiner Fasson – und einen kleinen Hauch Ironie pflege ich ja auch gelegentlich, obwohl mir das Gebot der Höflichkeit gewisse Einschränkungen auferlegt…aber da reden wir sicher nochmal drüber.

Die Patientinnen und Patienten des Tages

Patientin mir CRPS bei St. p. Schulterluxation mit Plexusläsion nach Sturz vom Fahrrad vor ca. 6 Monaten links, sensible Ausfälle des N. ulnaris, motorische Ausfälle des N. ulnaris und (weniger) des N. medianus, eingeschränkte Handkraft und reduzierte Greiffunktionen, eingeschränkter Faustschluss, Bewegungskoordinationsstörung aller Langfinger. Das werden nächste Woche zwei Tage Arbeit für mich, passive Gelenksmobilisation, Greif- und Krafttraining, alltagsbezogene Tätigkeiten (Fruchtsalat, Schälen und Schneiden von Gemüse, Aufsperren von Schlössern usw.) – bin schon sehr gespannt, die Patientin ist prinzipiell eher ungeduldig, mal schauen was da geht…CRPS ist irgendwie ein gruseliges Krankheitsbild…die Hand ist nach einer „Bagatelle“ wirklich kaum mehr zu verwenden, ich möchte das bitte nicht haben…

Patient mit St. p. Dupyutrenscher Kontraktur rechts nach Operation, 3. postoperative Woche, Schienenanfertigung und Verhaltensinstruktion. So nach dem Motto „Du machst das schon“ habe ich heute also meine zweite Dupuytren-Schiene angefertigt – und das praktisch im Alleingang. Agneta hatte den (sehr guten) Ansatz, mich einfach völlig alleinzulassen – mit der Auflage mich bei Fragen zu melden – und so hat es zwar ein bisschen gedauert, aber die Schiene war halbwegs passabel, gefertigt in 0-Stellung im DIP und in ca. 10° Beugestellung im PIP, und annähernder 0-Stellung in den MCP’s – hat Spaß gemacht, war zwar kein iSplint™, aber das wird schon noch…

Randnotizen

Das war’s auch schon wieder für heute – abseits der Haushaltstätigkeiten habe ich kaum etwas erlebt – und deshalb erlaube ich mir, euch noch mit einem – wirklich sehr schön gemachten – Video zum Abendbeginn zu verwöhnen, zugegeben, es erinnert ein bisschen an „Feel-Good“-Powerpoints, die man von seltsamen Menschen per Mail erhält, und die das Leben ein bisschen leichter machen sollen, aber der Stil ist gut…viel Spaß beim Ansehen!


07.07.2010

Sehr schön, wenn man sich die Sonne auf den – kaum vorhandenen – Pelz brennen lassen kann, heute ist wirklich ein ausgesprochen schöner Tag, der das leichtbekleidete Sitzen am Balkon ermöglicht, ca. 27°C Lufttemperatur, (ausnahmsweise) einmal fast kein Wind, gemütliche Jazzmusik und biologischer Holunder(-verdünn-)saft, das lässt sich aushalten. Der Arbeitstag war extrem angenehm, Teil zwei der Podcastaufnahmen fanden heute statt, und köstlichen Kuchen gab es am Nachmittag auch – also durchaus erträglich, die Gesamtsituation…

Dokumentationsschema

Heute haben wir ausführlich das Dokumentationsschema der Abteilung besprochen, es handelt sich um ein System, das im Prinzip eine Verquickung aus MOHO, ICF, COPM und CMOP darstellt. Als Startpunkt dient der gemeinsame Erstkontakt zusammen mit der Physiotherapie,  ergotherapeutischerseits ist das weitere zentrale Element hier der „Top-Down“-Ansatz, d.h. primär werden Patientinnen und Patienten als allererstes entweder durch das COPM geschleust oder, alternativ dazu, strukturiert nach ihren derzeitigen Hauptproblemen auf der Aktivitäts- und Partizipationsebene befragt.

Die Befunderhebung und deren Dokumentation erfolgt anschließend ungefähr nach folgendem Schema (gelegentlich werden auch Messungen der Gelenksbeweglichkeit durchgeführt, aber funktionelle Testungen z.B.  im Sinne eines Nine-Hole-Peg-Test sind eher unüblich):

1. Bereich Anamnese

  • Diagnose – Codierung nach ICD-10
  • Kontaktdaten von Patientinnen und Patienten
  • Ärztliche Beschränkungen
  • Krankheitsanamnese – durch Schilderung von Patientinnen und Patienten, zusammen mit evtl. vorhandenen Vorbefunden
  • Checkbox Patienteninformation – zur Sicherstellung der korrekten Informationsweitergabe von Patientinnen und Patienten durch das Reha-Team
  • Aktivitätsanamnese
    • personelle Faktoren
    • Umgebungsfaktoren
    • frühere Aktivitäten
  • Selbstbeschreibung der Aktivitäten
    • Personelle Ebene – entspricht weitgehend des ADL’s
    • Häusliches Leben/Tägliche Routine – entspricht weitgehend des iADL’s
    • Arbeit/ehrenamtliche Tätigkeit
    • Ausbildung/Bildung
    • Sozialleben und Freizeit
    • Spiel
    • Ruhe
  • Priorisierte Aktivitäten von Patientinnen und Patienten – ergibt sich aus dem COPM-Interview
  • „Baseline Observation“ – durch Beobachtung von Patientinnen und Patienten in der Aktivität oder durch verbale Schilderung
  • Analyse – bezogen auf die Ausführungsqualität
    • personelle Faktoren
    • Körperstrukturen
    • physisches Lebensumfeld
    • soziales Lebensumfeld
    • Anforderungen der Aktivität selbst

2. Zielsetzung

  1. Interventionen

Diese entsprechen faktisch dem ergotherapeutischen Leistungskatalog

  • Kompensation – z.B. Hilfsmittelversorgung
  • Aktivitätstraining
  • Funktiontraining
  • Information/Beratung

4. ICF-Kodierung
5. Beobachtung

Diese erfolgt bei jeder Aufnahme von Neuem

6. Resultat

Eine detaillierte Beschreibung der von Patientinnen und Patienten erreichten, aufgabenbezogenen Ausführungsqualität

7. Erreichen des Ziels
8. Planung des nächsten Therapieblocks
9. Checkbox zur Informationsweitergabe an andere Personen
10. Angefertigte Schienen

Nach diesem groben Schema erfolgt die ganze Dokumentation der Abteilung, grundsätzlich ist – bei Verinnerlichung der Struktur – durch die Zergliederung der Aktivitäten und der Analyse in die jeweiligen Unterkategorien bzw. Ebenen, mit einer rascheren Identifikation der individuellen Problematik von Patientinnen und Patienten zu rechnen, ebenso können geeignete Maßnahmen schneller identifiziert und nachvollziehbarer argumentiert werden, und das alles unter Wahrung eines Top-Down-Ansatzes…habe ich mir jedenfalls sagen lassen (OMG, was für ein Satz…seid ihr noch dabei?). Ich werde mal experimentelle Denkversuche starten…

Die Patientinnen und Patienten des heutigen Tages…

Patientin mit (infantiler?) Cerebralparese, ca. 30 Jahre alt, Multifunktionsrollstuhl, starke Deformitäten beider Hände mit Achsenabweichungen und Spastik. Adaptierung beider – bereits vorhandenen – Schienen im Beisein des Betreuers, hauptsächlich minimale Änderungen und Auspolsterungen.

Patient mit Cerebralparese unbekannter Genese (hatte keine Zeit um nachzufragen), ca. 40 Jahre, Multifunktionsrollstuhl, St.p. Botox-Therapie Ellbogen links, Beugekontraktur re. HG und Langfinger, Adduktionskontraktur des re. Daumens. Schienenanfertigung für die rechte Hand, schwierig, schwierig, erforderte vier Hände, ich habe nur assistiert…

Patientin mit St. p. Kreissägenverletzung re. vor ca. 6 Wochen, multiple Strecksehnenverletzung, Amputation des V. Fingers, 7. postoperative Woche, inkompletter Faustschluss, Restödem, Extensionsdefizit Dig. IV re. in PIP und DIP (keine Extension über die langen Fingerstrecker möglich, über Mm. lumbricales bis ca. 40° Extensionsdefizit im PIP. Maschinelle Ödembehandlung, Narbenmassage, Silikonpflaster zur Narbenbehandlung, aktive Mobilisationsübungen, morgen Schienenadaption der Nachtlagerungsschiene sowie Anlage einer 8er-Schlaufe zur vollständigen Extension im PIP untertags. Spannend, die Patientin ist 67 Jahre alt, fischt, erledigt Motorsägenarbeiten und der Wundstatus sieht aus, als ob die Operation bereits 6 Monate zurückliegt…was die wohl isst? Faszinierend, Mr. Spock…

Randnotizen

…die Programmierung verschachtelter Liste im WordPress-HTML-Editor hält einige Tücken bereit (schwitz…)…to arbeitet im Hintergrund äußerst fleissig an der Optimierung der Seite für Suchmaschinen – und muss sich ständig mit meinen nOOb-Fragen befassen…aktueller E-Mail-Count die Seite betreffend: 328 Stück…


08.07.2010

Blut! Blut! Blut! Sehr schön, wäre ich ein Vampir, hätte ich einen schönen Tag gehabt – hatte ich zwar trotzdem, aber egal…heute hat der Besuch des OP’s mal geklappt, es war zwar „nur“ ein kleiner Eingriff, aber trotzdem lustig wieder einmal in einem OP zu stehen. Ich finde es einfach immer wieder erstaunlich, dass die OP-Säle vom Stationsgang faktisch nur durch eine einfache Tür getrennt sind, und man einfach (sprich ohne großartiges Einschleusen) rein- und rausgehen kann. Die postoperativen Infektionsraten bewegen sich trotzdem im Normalbereich – sehr leger, gefällt mir! Morgen habe ich nochmal die Option, mich im OP herumzutreiben – aber diesmal nicht nur als Zuschauer, sondern komplett vermummt als Assistenz von Aleksandra – muahahaaa, da werden bei mir Erinnerungen an meinen Aufenthalt in Ghana wach…

OP-Geschichten

Für alle, in diesen Dingen Bewanderten oder Interessierten, an dieser Stelle ein paar Randnotizen: die Abdeckung des OP-Gebietes, sowie die sterilen Gewänder, Handtücher und all das andere textile Zeug, das man zum zum Operieren halt so braucht, besteht hier nicht mehr aus tatsächlich textilem Material, sondern praktisch ausschliesslich aus (mit Plastikfolie) beschichtetem Papier oder so etwas Ähnlichem – auf alle Fälle nicht aus Stoff. Alles ist Einmalmaterial, d.h. es wird danach pronto entsorgt – ich habe zuerst gedacht, dass dies eine Eigenart des handchirurgischen OP’s ist, aber scheinbar kommt dieses Materialkonzept auch bei abdominalchirurgischen Eingriffen (wo es ja bekanntermaßen etwas mehr Körpersäfte gibt) zu Anwendung. Desinfiziert wird ungefärbt, bei Operationen von Kindern dürfen die Eltern bis zum Ende der Narkoseeinleitung (d.h. bis das Kindchen tatsächlich schläft) mit in den OP, ebenso beim Ausleiten – sehr sympathish, da gibt’s kein elterliches Postnarkosenverbot (wie in gewissen anderen Krankenhäusern… *hust* „Draustadt *hust*).

Der Eingriff selbst war prinzipiell unspektakulär, bei der 10-jährigen Patientin wurde ein Wunddebridement als Vorbereitung für die, für nächste Woche geplante, Hauttransplantation v.a. im Bereich des Interdigitalraums IV/V durchgeführt, zusätzlich wurden die Bohrdrahtarthrodesen der MCP-Gelenke der Finger II & III entfernt (Zange, hej!) und die MCP und PIP-Gelenke wurden intraoperativ kurz passiv anmobilisiert. Nächste Woche werden dann die restlichen zwei Bohrdrähte entfernt und der Restdefekt gedeckt, und dann dürfte das auch ganz gut passen, denke ich. Postoperativ wurden ergotherapeutischerseits noch zwei neue Schienen angefertigt, und ab nächster Woche geht’s an Greiffunktionstraining – meine Aufgabe für den Sommer, meist in spielerischer Weise denke ich – morgen werde ich mal ein bisschen Material sichten…schließlich soll es ja gleichzeitig lustig, aufregend und gefährlich sein (das sind nämlich die Vorlieben der Patientin). Danke an dieser Stelle für das Einverständnis von der Patientin und ihrer Mutter zur Veröffentlichung der Bilder auf diesem Weg…

Schienenanfertigung nach „Baggertrauma“

Was für ein Spaß…naja, eigentlich nicht. Meine frühnachmittägliche Aufgabe bestand in der Anfertigung und Anlage einer Lagerungsschiene, bei einem 18-jährigen Patienten, der mit seiner linken Hand dummerweise in einer Baggerschaufel (die sich dann geschlossen hat) steckengeblieben ist…eeeowww! Davongetragen hat er schliesslich 2 Frakturen (Mittelhandknochen II, Grundphalanx IV, einmal mit Platte und einmal mit 2 Cerclagen versorgt), ein ausgeprägtes Weichteiltrauma und eine völlige Zermatschung (ich weiss, das ist nicht wirklich ein medizinischer Fachbegriff, aber das trifft den Kern ziemlich gut) eines der palmaren Arterienbögen. Eine Wiederherstellung des Blutkreislaufs mit Gefäßstücken der Finger II & III wurde vorgenommen, was für die Schienenanfertigung den Nachteil hatte, dass das gesamte Areal vom distalen Ende der MCP’s bis einschliesslich des Thenars (also einfach gesagt, die halbe Handfläche) frei bleiben musste, um die Blutzirkulation nicht zu beeinträchtigen, die Stabilisation der Schiene erfolgte mit Verstärkungen im ulnaren Teil der Handfläche. Zusätzlich lag die Auflage vor, den II. Finger möglichst wenig zu bewegen, und die restlichen Finger möglichst nahe an der Intrinsic-Plus-Stellung zu lagern. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, das Ergebnis war aber schlussendlich zumindest passabel, morgen sehe ich den Patienten wieder, mal schauen. In der ganzen Aufregung habe ich leider das Foto vergessen, das reiche ich noch nach…

Familienanschluss…

…gibt’s ab morgen, am Abend bin ich bei Agneta zum Essen eingeladen, ich bin schon sehr gespannt, es gibt (naturgemäß) irgendwas Schwedisches, ich muss irgendwo noch eine Flasche halbwegs passablen Wein auftreiben (schade, dass man die Dinger nicht per Mail verschicken kann). Ich schätze die Einladung sehr, und bin wirklich sehr neugierig, was schlussendlich auf dem Teller landet…möglicherweise irgendwas mit Fisch…

Und am Sonntag gibt’s noch mehr davon, ich fahre mit Helena und ihrer gesamten Familie nach Norrbyskär, einer Insel südwestlich von Umeå, eine ihrer Töchter ist dort in einem vierwöchigen(!) Vorbereitungscamp für die Firmung(!!!). Früher mal gab es dort die, zeitweise, größte Ansammlung von Sägewerken in Europa, wer mehr darüber erfahren will, kann einiges unter dem Eintrag Norrbyskär auf der Homepage von Västerbotten nachlesen. Ein Kirchenbesuch ist wahrscheinlich inkludiert, aber was tut man nicht alles um ans Meer zu kommen…ich freu‘ mich schon, das wird sicher „voll nett“.

Die Patientinnen und Patienten des Tages

Wurden eigentlich bereits ausführlich abgehandelt, erwähnenswert scheint mir noch der Rollentausch mit der 10-jährigen Patientin (fürderhin werde ich sie einfach Franziska taufen, obwohl das nicht ihr richtiger Name ist, Datenschutz und so…), in der sie mit ihrer Schwester die Rolle von Ergotherapeutinnen übernommen, und mir eine Fingerschiene angepasst hat – sehr, sehr lustig, ganz schön bestimmend, die Kleine: „Finger runter! Finger rauf!“, aber auch sehr umsichtig bei der Temperatur des Schienenmaterials. Die Tragevorschriften für die Schiene lauten übrigens: 24 Stunden am Tag, bis an mein Lebensende…ob ich das wirklich umsetzen werde, weiss ich aber noch nicht, ein bisschen piekst sie doch, und mit einem kleinen Funktionsdefizit kann ich wahrscheinlich leben…

Ab nächster Woche habe ich – neben Franziska – übrigens drei weitere Patientinnen und Patienten eigenverantwortlich zu betreuen…

Randnotizen

Anja Pärson kommt übrigens aus Umeå…ebenso wie The International Noise Conspiracy…ebenso wie der Schlangemann…Zigarettentabak ist auch ein sehr eigenes Ding, wenn man die Packung frisch öffnet ist das Zeug so feucht, dass es kaum brennt – und wenn sich der Inhalt dem Ende nähert so trocken und bröselig, dass es auch keinen Spaß mehr macht – aber Filterzigaretten leiste ich mir hier definitiv nicht…


09.07.2010

Himmel blau mit WolkenTja, jetzt ist es doch ziemlich spät geworden, ich werde mich also eher kurz fassen, was den Tag angeht. Praktikumsseitig war es spektakulär und unspektakulär zugleich, um 8.00 habe ich mit der Anfertigung einer Active-Place-and-Hold-Schiene begonnen, die wohl recht passabel geworden ist, ich bin allerdings ohnehin eher selten mit meinen Schienen zufrieden – wieder gibt’s kein Foto, ich hatte keine Zeit. Der Patient hatte operativ versorgte, traumatische Beugesehnenrupturen der Finger IV und V und eine Ruptur der Beugesehne des M. flexor carpi ulnaris, Verhaltensinstruktionen und Schulung für das Heimübungsprogramm inklusive, verstanden hat er alles und konnte auch alles gut wiedergeben – Beste Wünsche mit auf den Weg, ich werde ihn – wegen ausgeprägter räumlicher Distanz (400km) – nicht wiedersehen.

Sterilisiert

Anschließend ging es ab in den OP, tatsächlich als Operationsassistenz, d.h. voll steril eingekleidet und am OP-Tisch sitzend. Der Patient hatte eine kurze, aber schmerzhafte Auseinandersetzung mit einem Messer und einer Pizza, die in einer traumatischen Beugesehnenruptur des V. Fingers re. und einer 80 %igen Ruptur des ulnaren Schenkels der Beugesehne des M. flexor superficialis resultierte. Der Zugang erfolgte über dem Langfinger in Form einer Z-Plastik, vom DIP bis fast zum MCP reichend, ein kleiner Schnitt wurde später im Bereich des Hypothenars zusätzlich angelegt. Das proximale Ende der Profundussehne war in den Bereich der Handfläche retrahiert, und das „Angeln“ nach dem Sehnenende von distal aus in der Beugesehnenscheide war nicht sehr erfolgreich (Fischen im Trüben, sag ich nur), deshalb der zusätzliche Schnitt im Bereich des Hypothenars. Nachdem das proximale Sehnenende gefunden war, wurde dieses an einem Katheter angenäht und durch die Beugesehnenscheide (unter den Ringbändern) nach distal durchgezogen und mit dem Stumpf in Vierfachfadennahttechnik vernäht, das Epitendineum wurde mit dünnerem Nahtmaterial adaptiert. Der Superficialis-Sehnenschenkel war auch ziemlich schnell zusammengeflickt, das Ringband A4 musste während der Operation gespalten werden, und konnte abschließend nicht mehr zusammengenäht werden, da dies die Bewegung der Sehnen behindert hätte. Zeitdauer der OP: ca. 45 Minuten. Sehr lustig auch die Schachtel mit dem Curry-Fertiggericht der Firma „Findus“ in der Männerumkleide – bin gespannt, ob die am Montag auch noch da liegt…

Eine frickelige Sache, die Handchirurgie…mein Teil bestand im wesentlichen im Halten von Wundspreizhaken und im Abschneiden von Nahtmaterial – es war trotzdem extrem faszinierend, die ganzen erlernten Strukturen mal „live“ zu sehen, ganz schön stabil, die Sehnendinger. Für mich sind jetzt auch die Empfindungen von Patientinnen und Patienten bei der postoperativen Mobilisation viel besser nachvollziehbar, bei der Naht bildet sich doch ein ziemlicher Wulst an den Stumpfenden der betreffenden Sehne, und wenn dann noch ein bisschen Nahtmaterial hervorlugt, kann das schon ein bisschen „bretzeln“, wenn man den Finger bewegt. Der ganze Ablauf gestaltete sich sehr unkompliziert, das OP-Team war sehr freundlich, und als Ergotherapiestudent aktiv am OP-Tisch zu stehen, ist sicher keine Selbstverständlichkeit – definitiv ein Erlebnis…

Der Drogendealer

Danach rasch in die Stadt, einkaufen (neben einer Strandmatte für Sonntag, einer Badehose und – ich gestehe: einer Packung Filterzigaretten) und zwar Alkohol der hochprozentigeren Sorte, namentlich Rotwein aus der Nebbiolo-Region in Italien – wenn die Gastgeber schon Wein-Nerds sind, muss man ja fast was Passendes mitbringen. Das mit dem Alkohol ist hier nicht so einfach, wässriges Bier gibt es zwar im Supermarkt, aber die „reichhaltigeren“ Dinge bekommt man ausschliesslich vom Vater Staat vertickt, und zwar in eigenen Läden namens „Systembolaget“, Ausweispflicht inklusive – man fühlt sich fast wie ein Krimineller, wenn man dort einkauft – ging mir jedenfalls so, sehr „schattig“ das Ganze…

Schwedenhappen

Der abendliche Schmaus war opulent, „schwedisch ohne Hausmannskostaspekte“ – mit passendem Wein zu jedem Gang. Als Vorspeise wurden regionaler, ergotherapeutischer Ziegenkäse auf Tomaten, überbackene Käsechips und eine Art in Scheiben geschnittene Tortillas mit Rentierfleischfüllug gereicht (sehr geil!), danach gab es riesenhafte – und sehr köstliche – Lachssteaks mit Käse überbacken, Dillkartoffeln, Bohnenmus und grünen Salat (ohne Essig, nur mit Salz und Olivenöl) und als Magenfüller zum Abschluss Schokomuffins mit Erdbeeren, Espresso und Grappa – sehr, sehr schön, und sicher nicht wenig Arbeit. Ich habe die Einladung sehr geschätzt, an Unterhaltungsprogramm wurden Gespräche zu jedem erdenklichen Thema – von Jörg Haider (da reckt er wieder sein ekliges Haupt) über Olof Palme, Kino, Literatur, Musik, Sommer & Winter, Lean-Management im Gesundheitswesen, Skifahren, Bergsteigen, die Wachau, österreichischen Wein, schwedische Kultur im Allgemeinen und im Speziellen, Barcelona, Paris, Ergotherapie und Internet, Organisationsstrukturen, Autos und Wochenendhäuser geboten – ich bin noch richtig gut im Smalltalk – es war jedenfalls äußerst anregend und lustig, um halb eins habe ich mich dann aber doch verabschiedet…

Randnotizen

…bin beim Einkaufen über einen Graffiti-Künstler sehr jungen Alters gestolpert – schöne Arbeit, die der da macht…die Suche nach einem billgien Fahrrad gestaltet sich ein bisschen schwierig, selbst die offensichtlichen Schrotthaufen kosten hier mindestens 100 Geldeinheiten, eine Option habe ich nächste Woche noch, sonst scheint es weiter nach Fußarbeit auszusehen…beim Mittagessen in einem etwas seltsamen Restaurant von einer ziemlich betrunkenen Person angequasscht worden…einen Twitter-Client am Rechner installiert…zwei Folgen „Due South“ gesehen (Mann-o-Mann, Reminiszenzen an die Vergangenheit…morgen gibt’s wie gewohnt die Blogpause™ mit dem Unterhaltungsprogramm für’s Wochenende…stay tuned!


Samstag, 10.07.2010 – Die Blogpause™

Für die Augen…

Noch mehr für die Augen…

Für die Ohren…

Last Ninja (C64) Titelmusik für klassische Gitarre
Arranged and played by mymorningjackets, Link zum Originalvideo auf Youtube, eine wirklich sensationelle Arbeit, das C64-Original hört ihr hier…


11.07.2010

Nett war’s, obwohl (schon wieder) mit frühem Aufstehen verbunden – manche Dinge ändern sich wohl nicht mehr…z.B. der Zeitpunkt meines Schlafengehens. Volles Familienprogramm heute, es hat sehr viel Spaß gemacht, und nach Norrbyskär wäre ich ansonsten wahrscheinlich nicht gekommen. Um 8.30 Uhr ging es jedenfalls los, vorher noch schnell die Wäsche in die Maschine, und dann ab in die vollbesetzte Familienkutsche, zahlreiche Plätze bereits okkupiert von Helena, ihrem Mann, ihrer Schwiegermutter, ihren zwei Söhnen und der Freundin eines der Söhne – let’s get going! Zweck des Ganzen war übrigens ein Besuch in einem vierwöchigen Konfirmationscamp des KFUM, der schwedischen Version der YMCA, in der sich eine Tochter von Helena gerade aufhält (Kirche und Taufzeremonie im Meer für die Spätzünder inbegriffen).

Norrbyskär

Ca. 20 Minuten Autofahrt bis zum Hafen der Fähre, und dann ging’s auch schon los, nach 15 Minuten Überfahrt (Kaffee im 1 € inklusive) war der Bootszauber auch schon wieder vorbei, und wir marschierten ins Camp. Die Messe und die Taufe habe ich ausfallen lassen, ich war stattdessen schwimmen (das erste Mal in Schweden) und habe mir die Zeit genommen, mich per Podcast über Astronomie informieren zu lassen. Anschließend gab es Mittagessen (yummy, Buffet) und danach konnten wir uns kriegerischen (Bogenschießen) oder friedlichen (Kanufahren) Freizeitaktivitäten widmen. Ich habe mich übrigens für die friedliche Variante der Nachmittagsgestaltung entschieden…

Mit dem jüngsten Sohn und dem Mann von Helena, stellte ich meine (ohnehin weit über die Grenzen Europas bekannte) Seebärentauglichkeit unter Beweis, wir sind in der Lagune der Insel ca. eine Stunde herumgeschippert, und haben uns den – historisch bedeutenden – nörrbyskär’schen Schiffsfriedhof voller verrottender, zerfallener Holzlastkähne aus der Nähe angesehen. Spannend irgendwie, lebendiger Geschichtsunterricht – und im Gegensatz zur Wohnung in Umeå, herrlich still – außer dem Platschen der Paddel, und dem Schreien der Möwen war praktisch nichts zu hören…

Anschließend gab’s Kaffee, viel Wortwitz in Englisch und Schwedisch, Kaffee, Kanelbullar, Kekse und tränenreiche Abschiedszeremonien – weil die Firmung erst in zwei Wochen stattfindet, und Besuche bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr stattfinden werden. Die Landschaft der Insel ist wirklich sehr einladend, ich könnte mir ohne Probleme vorstellen, eine oder zwei Wochen dort zu verbringen, ist fast so wie daheim – obwohl wir defintiv das schönere Wasser haben – und die Häuser der ehemaligen Arbeiter, die jetzt als Ferienhäuser dienen – hollololololo, kann ich nur sagen – sehr schön, wenn man so ein Ding hat, muss man wirklich nicht mehr wegfahren…und ich sage jetzt „Ciao“ für diese Woche und werde mich jetzt dem entspannenden Sonntagabend hingeben!

Ach ja, ab nächster Woche steht in den Artikeln immer der aktuelle Tag ganz oben (Feedback), wenn ihr erst später mitlest, müsst ihr von unten anfangen…

Den ganzen Rest der Fotos vom Ausflug gibt es übrigens in der, mittlerweile aktualisierten, Bildergalerie

Randnotizen

…auch Schwedinnen nehmen meist den Namen ihres Mannes an, wenn sie heiraten…es ist praktisch unmöglich an einem Napf mit Köttbullar vorbeizugehen, ohne sich zu bedienen (für mich jedenfalls)…ich werde noch die Gelegenheit haben Surströmming zu probieren (geschmacklich beschrieben als eine Mischung aus Sardellen und einem stark riechenden Käse, nur im Freien zu genießen)…Are you tire? (or tyre, maybe?)…schwedisches Meerwasser hat faktisch keinen schmeckbaren Salzgehalt, da sieht’s in Kroatien ganz anders aus…ein Fahrrad wurde mir auch geborgt (die Leute sind so extrem nett) – ich taufe es auf den Namen „Der Schwarze Teufel“ – Vorstellung per Foto folgt in den nächsten Tagen…


Es gibt was auf die Augen…