Hinweis zur Handhabung: der aktuelle Tag findet sich im Artikel immer an erster Stelle – Späterleser müssen leider nach unten scrollen…


25.07.2010

Zur gepflegten Unterhaltung an diesem (zumindest hier) verschlafenen Regentag folgt eine kurze Retrospektive des Trästock-Festivals in Skellefteå/Schweden. Ich bin tatsächlich – in Ermangelung adäquater, überdachter Wartemöglichkeiten in Skellefteå – gestern abend wieder zurückgefahren, am Festival selbst habe ich ca. sechs Stunden verbracht. Kamera und Aufnahmegerät waren dabei, deshalb unterhalte ich euch jetzt mit Hörproben vom Festival und weiterführenden Links zu den Bands, deren Konzerte ich gesehen habe – steinigt mich nicht wegen der (teilweise wirklich schlechten) Audioqualität, ich habe nicht in einem Studio sondern am Gelände aufgenommen…viel Spaß beim Nachhören!

Trästock-Festival-Hörproben

Kreti och Pleti live am Trästock-Festival 2010

Wahrscheinlich eher Kabarett als Musik, trotzdem unterhaltsam, Gitarre und Gesang und definitiv mit viel Enthusiasmus vorgetragen, schönes Interaktionsverhalten mit dem Publikum. Bei Gefallen gibt’s ein bisschen mehr davon auf Facebook und YouTube

Kristian Anttila live am Trästock-Festival 2010

Ja…Lärm halt. Abgesehen von der wirklichen grottigen Audioqualität des Konzerts (und somit auch der Hörprobe) ist das einfach nicht (mehr) die Art von Musik, die mir gefällt. Achtung, schützt eure Ohren! Bei Gefallen gibt’s mehr davon auf der Homepage, auf Facebook oder auf YouTube

Ugly Grown Up Swan live am Trästock-Festival 2010

Wie nett, bis auf den Schlagzeuger eine Girlie-Band, englische Texte, neben dem Schlagzeug gab’s Keyboard und Gitarre, war ganz passabel, wenn auch vielleicht manchmal ein wenig zu inbrünstig gesungen (ja, auch das gibt’s). Bei Gefallen gibt’s ein bisschen mehr davon auf YouTube oder YouTube

Birgit Bidder live am Trästock-Festival 2010

Im Programm als „poppigere Version“ von Adele angekündigt, kann sie dem m.E. nach nicht wirklich entsprechen. Macht aber nix, wenn viele Instrumente am Start sind, geht halt die Stimme manchmal unter, trotzdem nicht unsympathisch die Gute. Mehr davon gibt’s auf der Homepage, auf MySpace, Facebook oder YouTube

Maggie at the Grand Piano am Trästock 2010

Ja, das war schon richtig nett, mit einem Xylophon bin ich immer begeisterungsfähig…und das Kleid war halt grad so nett. Außerdem gab die Band nach diesem Song eine hörenswerte Coverversion von U2’s Party Girl zum Besten. Mehr davon auf Facebook, Facebook oder YouTube

Kolonivägens Kapell live am Trästock-Festival 2010

Hui, die zwei Jungs haben Stimmung gemacht, gute Vocals, akustische Gitarre und Mandoline oder so was Ähnliches. Sehr schön, für sowas bin ich immer zu haben, ich bin ja auch schon eine alter Herr…mehr davon gibt‘ auf YouTube oder YouTube…Empfehlung!!!

First Aid Kit live am Trästock-Festival 2010

Huch schon wieder Mädchen…aber mit was für schönen Stimmen! Ausgefallene Instrumentierung (was war das nochmal für ein harfenähnliches Ding?), offensichtlicher Spaß an der Sache und kreischende Groupies – das passt. Mehr davon auf Facebook, Website oder YouTube…Empfehlung!!!

Väärt live am Trästock-Festival 2010

Das Beste zum Schluss, sozusagen: Elektropop trifft Violine trifft Akustikgitarre trifft Band mit fünf Mitgliedern. Sehr schön und abwechslungsreich war das, ich wollte gar nicht mehr gehen, auch sehr motiviert die Truppe. Mehr davon auf MySpace oder YouTube…Empfehlung!!!

Randnotizen

…mehr Bilder zum Festival gibt es seit heute in der Bildergalerie zum Schweden-Aufenthalt…Römersandalen und Hotpants sind offenbar der weibliche Megatrend in diesem schwedischen Sommer – allerdings nicht immer wirklich zum Vorteil der Trägerinnen (ähem)…die Busfahrer sind sehr zuvorkommend, die Heimfahrt war für mich gratis (15 Geldeinheiten gespart, danke dafür!) weil nicht genügend Wechselgeld in der Kassa war – wie nett ist das denn, bitte?…es gab tatsächlich am Festivalgelände keine alkoholischen Getränke – vielleicht war die Stimmung am Nachmittag eher mau…sehr viele kleine Kinder am Nachmittag, viele davon mit Ohrenschützern, aber viele auch nicht (Eltern…hallloooo???)


24.07.2010 – Die Blogpause™

Ein schöner Herbsttag – wäre es in Österreich, wenn es so riecht wie  heute in Umeå…schade, das es noch keine serienreifen Geruchskameras gibt. Ich muss auch bald mal zum Bus, das Trästock-Festival ruft…nichtsdestotrotz präsentiere ich an dieser Stelle das – diesmal gar nicht so seichte – Unterhaltungsprogramm für das Wochenende…

Für die Augen

Sehr seltsam, aber für Interssierte aufschlussreich: halbstündige Einblicke in die südkoreanische E-Sports-Szene, eigentlich als Promo-Video gedacht, löst bei mir allerdings eher befremdliche Gefühle aus – interessant, wie man auch leben kann…

Für alle Social-Networker: ein kurzes, schön gemachtes Stop-Motion-Video zur Natur von Facebook…ja, es hat seinen Grund, warum der handlungs:plan dort nicht vertreten ist…

Für die Ohren

Falls sich jemand für das Thema „Astronomie“ interessiert: Tim Pritlove hat im Rahmen seiner Chaosradio Express-Podcastreihe mit Florian Freistetter (einem österreichischstämmigen Astronom) zum Thema „Sonnensystem“ ausführlich geplauscht, den Podcast könnt ihr euch auf der Website von CRE anhören. Und wer dann noch nicht genug hat, dem sei der Podcast der Elementarfragen-Reihe zum Thema Astronomie – ebenfalls mit Florian Freistetter – ans Herz gelegt, da geht’s dann auch ein bisschen mehr in die unendlichen Weiten…Florian schreibt übrigens regelmäßig auf seinem Blog Astrodicticum Simplex über Themen der Astronomie – auch sehr lesenswert…


23.07.2010

Schnarch…guten Morgen sozusagen. Nachmittagsschläfchen sind ja prinzipiell etwas sehr Feines, ich brauche danach allerdings immer sehr lange, um wieder ins Reich der Lebenden zurückzukehren – und wirklich eine Menge sehr starken, sehr schwarzen Kaffees. Nebenwirkungen bestehen unter anderem aus nächtlicher Insomnie, aber ich habe ohnehin noch genug zu tun heute Nacht. Zuerst lasst uns doch einmal den großen, dicken Messinggong läuten, der die Praktikumshalbzeit ankündigt…DOOOOOONNG! Unglaublich, unglaublich, vier Wochen sind tatsächlich schon vorbei, es geht wirklich unglaublich extrem schnell…ich liege meiner Einschätzung nach recht gut im Rennen, sowohl, was die Arbeit die ich mir persönlich vorgenommen habe zu leisten, als auch was das Praktikum im Allgemeinen betrifft.

Eine breite Perspektive der ergotherapeutischen Landschaft Schwedens wird sich glücklicherweise ergeben, heute habe ich die Zusage für weitere Schnuppertage in einer geriatrischen Institution erhalten – Special Interest und so…und die Neurorehabilitation ist ja faktisch eh schon fix. Eine Podcastaufnahme ist noch zu erledigen, dann ist der Nachschub an Podcasts im Monatsrhythmus nahezu bis zum Jahresende sichergestellt – sehr angenehm, das ermöglicht mir den ruhigen Herbst, den ich mir vorgestellt habe – vielleicht unternehme ich in der Zeit eine kleine Reise nach Wien, da hätte ich noch zwei Gesprächspartner zu interessanten Themen, die Idee gefällt mir…

Ergotherapie im Spannungsfeld mit Alltagsbetreuern in Pflegeeinrichtungen

Heute Morgen bin ich über einen Artikel von Silke gestolpert, die in der ergopraxis einen Beitrag zum Thema „Zusammenarbeit von Alltagsbetreuern und Ergotherapeuten“ publiziert hat (die gendergerechte Schreibweise schenke ich mir jetzt großzügig, weil es sonst wirklich ganz und gar unleserlich wird). Kurzer Auszug gefällig?

„In vielen Heimen werden mittlerweile für die Betreuung demenzkranker Bewohnerinnen und Bewohner Alltagsbetreuer eingesetzt. Das führt zu Problemen, da sie vielerorts nicht zusätzliche Betreuungsarbeit leisten, sondern die Arbeit von Ergotherapeuten mit übernehmen. Das haben sie sich nicht selbst ausgedacht. Die Heimleitungen sehen darin 1. einen Kostenvorteil, denn Alltagsbetreuer kosten weniger Geld als qualifizierte Ergos, und 2. nichts Verwerfliches, denn die Mittel der Aktivierung scheinen oberflächlich betrachtet die gleichen zu sein.“

Ich kann nur empfehlen den Artikel auf ergo-im-netz.de zu lesen, und sich danach so schnell als möglich die aktuelle Ausgabe der ergopraxis zu organisieren, um den Volltext zu genießen – hiermit wird nämlich ein Problem adressiert, das in Österreich zwar weniger in Heimen ein Problem darstellt (weil kaum Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in Heimen tätig sind, das will sich kaum ein Heimbetreiber leisten, zumindest nach meinem Informationsstand – wobei ich mich sehr gerne eines Besseren belehren lasse) aber dieses Konfliktfeld kann möglicherweise in klinischen Institutionen zum Problem werden, berufspolitisch gesehen also wichtig.

Rauchen=Pädophilie?

Der Vergleich ist definitiv von mir, aber eine polnischstämmige Handchirurgin hat mich heute mit den Worten „…you know, in Sweden, if you smoke here it’s pretty much the same as when you’re a paedophile…“ über das Verhältnis der Schwedinnen und Schweden zum Thema Rauchen aufgeklärt. Ähnlich wie beim Zucker, dürfte ein Großteil der Schwedinnen und Schweden dem Konsum des Nikotins in rauchender Form mittlerweile sehr ablehnend gegenüberstehen, die Zahl der Raucherinnen und Raucher liegt wohl im hohen einstelligen Prozentbereich unter der von Österreich, ich habe die genauen Zahlen mal nachgeschlagen, bin aber jetzt zu faul um das nochmal hervorzukramen. Rauchverbote bestehen generell in Bereichen des öffentlichen Lebens, auch in Bars oder Restaurants ist mit bis jetzt noch kein Aschenbecher begegnet – aber damit habe ich überhaupt kein Problem, ich bin ohnehin der Meinung, dass die Raucher- beziehungsweise Nichtrauchergesetzgebung in diesem Punkt in Österreich ohnehin viel zu lasch und zahnlos ist. Allerdings scheint diese Einstellung hier darin zu gipfeln, dass selbst Raucher von Rauchern schief angeschaut werden, wenn diese rauchen – verrückt, irgendwie. Falls sich praktische Beispiele ergeben, halte ich euch gerne auf dem Laufenden…dafür wird aber Snus hier in reichlichen Mengen konsumiert.

D‘oh!

Meine Güte, meine Güte…wie in den Kommentaren schon, beklagt habe ich es tatsächlich geschafft mir das einzige Festival in Schweden herauszupicken, bei dem am Gelände selbst kein Alkohol ausgeschenkt wird…ich strebe ja keineswegs nach Zuständen völliger Trunkenheit – diese dürften mit dem hiesigen Bier ohnehin kaum erreichbar sein – aber zumindest ein Bier hätte ich schon gerne getrunken. Bisher unbestätigten Gerüchten zufolge, ist deshalb auch außerhalb des Festivalgeländes deutlich mehr los, als drinnen. Ich bin sehr gespannt, was sich da morgen Abend abspielen wird und werde zu gegebener Zeit ausführlichen Bericht erstatten…

Die Patientinnen und Patienten des Tages…

Älterer Patient mit St. p. Suizidversuch (ich habe den Herrn schon mal erwähnt), interdisziplinäre Videokonferenz mit der Klinik in Skellefteå. Abklärung der Nachbehandlungsmodalitäten. Der Patient hat sich während der ganzen Zeit kaum geäußert, und hat zwischendurch begonnen zu weinen – irgendwie herzzerreißend…abgeklärt wurden Wundmanagement, Spickdrahtentfernung und Alltagseinschränkungen.

Patientin mit St. p. Quetschverletzung mit ausgedehnten Frakturen der Mittelhandknochen (auch diese Dame habe ich schon mal erwähnt) li. Schienenanpassung, ärztlicherseits war eine Lagerung in Intrinsic-Plus-Stellung angestrebt (bis auf den Zeigefinger), das gestaltete sich bei der initialen Schienenanfertigung als unmöglich, die Patientin hatte einfach zu starke Schmerzen. Heute hat das deutlich besser funktioniert, ich konnte den palmaren Teil der Schiene mittels Schnitt zweiteilen und getrennte Anpassungen für den Zeigefinger und die Finger III-V vornehmen, bei bestehendem Restödem näherten wir uns zumindest teilweise einer völligen Extension in PIP’s und DIP’s. Die Patientin wirkte zwar ob der 45 Minuten, die das Ganze gedauert hat, nicht sehr begeistert, aber wichtiger ist an dieser Stelle meiner Einschätzung nach der Tragekomfort, weil sie erst in einer Wochen wiederbestellt ist…

Randnotizen

…ich habe es tatsächlich geschafft, das Wort „Fußpflege“ nicht zu erwähnen, yay!…ich habe heute geschätzte drei Stunden mit dem Scannen von Unterlagen verbracht, und darf bei Gelegenheit die 116 Seiten Text, die daraus hervorgingen in Word komplett neu formatieren (meine Diplomarbeit hatte ca. 115 Seiten, aber enthielt sicher 50-60 Bilder). Spaß!…muss noch den Begleitartikel zum Podcast mit Anne G. Fisher schreiben, bevor mein Gedächtnis nachlässt…


22.07.2010

Ohhhh, jetzt ist es endlich soweit…Regenwetter! Wie cool ist das denn…leider sieht’s nicht gerade nach einem komplett verregneten Nachmittag aus, eher nach einem kurzen „Drüberspritzer“, aber man ist glücklich mit dem, was man hat. Ich finde das extrem angenehm, das Wochenende wird ohnehin wieder schön werden, wie’s aussieht – und, hej, ich fahre weg!

Noch mehr Organisatorisches…

Na gut, heute kam eine Rückmeldung von einer ET, die im Bereich Geriatrie tätig ist – erneute Kontaktaufnahme erfolgt nächste Woche, prinzipiell scheint sie sich nicht extrem dagegen zu sträuben, mir einen Einblick zu gewähren. Das Problem ist momentan die Jahreszeit, alle (aber wirklich alle) sind auf Urlaub, und die Zurückgelassenen müssen offensichtlich arbeiten, wie die Blöden – und sind von der Idee ausländische Praktikanten mit sich herumzuschleppen im Allgemeinen eher weniger begeistert…komisch, das kann ich so gar nicht verstehen. Zumindest ein Tag wird sich ausgehen, potentiell eine Menge Hausbesuche, die hier scheinbar größtenteils mit dem Fahrrad durchgeführt werden – ich freue mich schon darauf, einen ganzen Tag mit dem selbstbremsenden Schwarzen Teufel™ einer Ergotherapeutin hinterher zu hecheln…spannend.

Let there be Rock…

Da das Wetter gut zu werden verspricht, fahre ich am Wochenende ins schöne Städtchen Skellefteå (sprich „scheleft-ohh“, sehr cool) und besuche dort das Trestock-Festival, die Busfahrt dauert ca. 2 ½ Stunden, der Eintritt ist frei, das Festivalgelände liegt mitten in der Stadt, und es spielen offensichtlich viele Bands (von denen ich wirklich, wirklich nicht eine einzige kenne). Ich war schon länger nicht mehr auf Festivals und bin schon gespannt, vielleicht lässt sich auch was Nettes aufnehmen. Da ich meine Campingausrüstung nicht mitgebracht habe, stehe ich vor der Wahl entweder auf meiner Strandmatte zu schlafen, gar nicht zu schlafen oder mir ein Zimmer zu suchen – aber da der erste Bus um 7.00 Uhr aus Skellefteå nach Umeå zurückfährt, tendiere ich momentan zur Variante ohne Schlaf…snyggt!

Die Patientinnen und Patienten des Tages…

Patient mit St. p. Frakturen zweier Mittelhandknochen sowie Radiusfraktur li. Vor ca. 6 Wochen, Schmerzen im HG bei körperlicher Arbeit. Beratungsgespräch, der Patient möchte keinerlei Hilfsmittel verwenden sowie keine Übungen durchführen, Zeitverschwendung par excellence, schön, dass es das hier auch gibt.

Patient mit St. p. Motorsägenverletzung am rechten Arm vor ca. 2 Monaten, distal betonte, partielle Radialisparese. Interdisziplinäre Reha-Zielsetzungsbesprechung nach ICF, später ergotherapeutische Zielfindung mittels COPM, kurze Beratung, Neuanpassung einer (Fertig-)Schiene für das HG, Anpassung eines ¾-Kompressionshandschuhs für die rechte Hand.

Patient zur Kontrolle nach Beugesehnenverletzung, operativer Versorgung und Schienenversorgung (derjenige welche, bei dem ich mit im OP war), Nahtentfernung heute. Guter Verlauf, kaum Ödem, gute Wundheilung, complianter Patient, Schienenanpassung aufgrund kleineren Verbandes, Reinigung der Hand, Wiederholung des Übungsprogramms, Beratungsgespräch. Ich bin sehr zufrieden, ist ja sozusagen „mein“ erster eigener Patient, macht sich gut, der Herr…

Randnotizen

…Mist, die Sonne ist soeben wieder rausgekommen…die schöne Band „Isolation Years“ kommt auch aus umeå’schen Gefilden…Filmempfehlung für „Up in the Air“ im heurigen Open-Air Kino im Klagenfurter Burghof (der Film hat tatsächlich Substanz)…morgen ist Praktikumshalbzeit…Dokument mit Übungsanleitungen für die Nachbehandlung nach „Active-Place-and-Hold“ kommt bald…


21.07.2010

Es sieht nach schlechtem Wetter aus, das würde mich zur Abwechslung mal wirklich freuen, die meiste Zeit ist es (auch hier) recht heiß – ich bin gespannt, ob aus den horizontverdunkelnden Wolken heute noch ein paar Liter Regen fallen, das Wetter ist für mich nämlich in Schweden so ganz und gar nicht einschätzbar – irgendwie komisch, wenn das ganze Land so flach ist, dass sich nirgends etwas stauen kann, da ist es zuhause mit Lokalprognosen deutlich einfacher…

Kindgerechte Schienenanfertigung

Den größten Teil des heutigen Tages habe ich mich mit „Franziska“ beschäftigt, dazu gibt’s weiter unten mehr zu lesen – aber ich habe eine, wie ich finde (aber die eigenen Ideen sind ja immer die Besten, oder?), sehr schöne Methode gefunden, um Orthoplast®-Schienen kindgerecht zu gestalten. Franziska hat heute eine Schiene zur forcierten Flexion in den MCP’s und zur forcierten Flexion in den DIP’s erhalten, im Stile einer Dupuytren’schen Schiene. Ich hielt Orthoplast® als Material für diese Schiene aus Stabilitätszwecken für notwendig, das Orfit® wabbelt immer so rum, und vermittelt mir nicht gerade den Eindruck von Stabilität.

Praktischerweise haben wir Orfit® in fünf verschiedenen Farben vorrätig, Franziskas Schwester war auch anwesend, also konnte sie gleich damit beginnen, aus verschiedenen Farben Dekorationselemente auszuschneiden (Hydrokollatorbenutzung inklusive, wir sind ja schließlich „richtige Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten“). Sie hat die Aufgabe auch bravourös gemeistert, die ausgeschnittenen Elemente wurden nach der Anfertigung der Schiene nach Wunsch von Franziska positioniert und nach Erhitzung mit dem Heißluftfön aufgebracht – das hält bombenfest und sieht sehr hübsch aus – vielleicht eine brauchbare Anregung für pädiatrische Schienen – sofern gerade Geschwister zur Hand sind…

Helena (die übrigens früher als „Assistant Nurse“ auf Intensivstationen, im OP und auf onkologischen Stationen gearbeitet hat – jetzt weiss ich auch, warum sie mir so sympathisch ist) ist so nett, nebenbei, ohne viel Aufhebens darum zu machen, für mich mit halb Umeå zu telefonieren um Hospitationstage zu organisieren – sehr nett finde ich das, vielleicht wird es auf diese Weise auch noch was mit dem Einblick in die psychiatrische Ergotherapie – neugierig wäre ich zumindest…

Die Patientinnen und Patienten des Tages…

Patientin mit Armplexusläsion li. unbekannter Höhe, wahrscheinlich nahe der Spinalwurzel im Segment C8 oder Th1 vor ca. 4 Monaten, bei Aufnahme günstige Prognose, mittlerweile ist wahrscheinlich eine operative Versorgung notwendig, interessanterweise Flexion/Extension im HG möglich, Radialduktion ebenso, Ulnarduktion nicht, keine Flexion oder Extension der Langfinger möglich, keine Abspreizung der Finger untereinander möglich, starke Atrophie der intrinsischen Handmuskulatur, Patientin ist Rechtshänderin. Beratung in Bezug auf Hilfsmittel, Versorgung mit einer /Fertig-)Orthese zur Stabilisierung des Handgelenks, praktisches Training mit Hilfsmitteln.

Patient mit St. p. Triquetrum-Fraktur re. bei Rechtshändigkeit vor 6 Wochen, kaum alltagsrelevante Einschränkungen (Auto- und Fahrradfahren möglich), gelegentliche Schmerzen. Beratung, Versorgung mit einer (Fertig-)Orthese zur Stabilisation des Handgelenks.

„Franziska“. kurze passive und aktive Gelenksmobilisation zur Statuserhebung, Verbandswechsel im interdisziplinären Team, Anfertigung der oben beschriebenen Schiene, Puzzle und Tischfußball in der Lekterapi, Beratung bezüglich Schwimmen und Schienenverwendung, telefonische Informationsweitergabe an die weiterbetreuende Ergotherapeutin.

Randnotizen

…es wird nicht besser mit dem Schwarzen Teufel™, er versucht noch immer nach Kräften, mich auszubremsen…im Supermarkt lange Warteschlangen wegen umständlicher Zahlungsmethoden zu verursachen macht irgendwie Spaß (hehehe)…auch nach Wochen der Gewöhnung schmeckt schwedisches Leichtbier einfach nur langweilig…gut, dass es Skype gibt, ich hätte ansonsten horrende Telefonkosten (aber das habt ihr ja eh schon alle gewusst!)…


20.07.2010

Endlich ist es soweit, ich verfasse den bisher kürzesten Tagesbeitrag…das hat mehrere Gründe, naja, zumindest zwei: ich habe heute insgesamt 4 ½ Stunden mit dem Aufnehmen von zwei Podcasts verbracht und fühle mich dementsprechend (schnarch, im Stehen einschlaf…), als Gesprächspartner fungierten tatsächlich Prof. Birgitta Bernspång und Prof. Anne G. Fisher, unglaublich, I’m a lucky man! Schon interessant, wenn man die vielen Zufälle bedenkt, die dazu geführt haben, dass ich mit diesen beiden Damen sprechen konnte – und ohne Übertreibung: beide Gespräche waren hochinteressant, mäandernd, lustig und haben mir ganz neue Sichtweisen auf das Berufsfeld der Ergotherapie eröffnet. Die Podcasts erscheinen Mitte August und Mitte September, freut euch darauf – auch deutsche Transkriptionen zum Nachlesen wird’s wieder geben.

Der zweite Grund ist, dass ich heute schlicht und einfach keine Patientinnen und Patienten gesehen habe, nachmittags war nichts mehr los, und ich musste ohnehin die Aufnahmen schneiden, nachbearbeiten und abmischen. Deshalb wünsche ich bereits an dieser Stelle einen angenehmen Abend, ich weiss, dass ihr unter der Hitze stöhnt (hehe, ach wie schön kühl ist es hier…)


19.07.2010

Ach ja, Grillad Korv könnte man fast zur ausschließlichen Versorgung mit Nährstoffen heranziehen – sie sind schön, billig, schmackhaft…leider fürchte ich schwerwiegende Konsequenzen für mein Körpergewicht, sollte ich tatsächlich eine Ernährungsumstellung vollziehen, das hält mich bisher von einer Mono-Diät ab…aber es ist schwer, nicht täglich eine zu verspeisen, die Dinger kosten im Brötchen gerade mal 1,20 € und sind schnell verschmaust – ein Hoch auf die Wurst!

Heute habe ich es fast geschafft zu verschlafen, der Funkwecker reicht für mich einfach nicht aus, ich muss das Mobiltelefon wieder aktivieren, das hört nämlich nicht einfach irgendwann auf zu läuten – für mich ist es immer ganz furchtbar, wenn ich morgens weniger Zeit als gewohnt habe, wann soll man denn da seinen Kaffee trinken und die Zeitung lesen? Es ist sich aber trotzdem gut ausgegangen, ich war zeitgleich mit dem ersten Patienten da – no worries also…

Dokumentationsübungen

Das war meine Aufgabe für den heutigen Nachmittag, die Anwendung des krankenhausinternen Dokumentationsschemas auf eine – von mir betreute – Patientin. Gar nicht so einfach, alles was man funktionell sieht und behandelt von dieser Ebene loszulösen, und auf jene der „Aktivität“ zu hieven. Die Dokumentation ist generell sehr ausführlich, und besonderer Wert wird auf die Formulierung von Zielen gelegt: es reicht also bei weitem nicht aus, als Ziel „Reduktion des Streckdefizits um 10°“ festzulegen, erstens enthält dieses Ziel keinen Zeitfaktor, zweitens keine Alltagsrelevanz für Patientinnen und Patienten. Messbarkeit, Erreichbarkeit und Spezifität wären hingegen gegeben.

Material zur Schienenapassung auf BettenstationenDas adäquate Ziel für diese Patientin würde eher wie folgend lauten: „Die Patientin ist in der Lage bis 20. September 30 Minuten ohne Unterbrechung auf einem Pferd zu reiten“. Das gibt uns einerseits Spezifität und Alltagsrelevanz und andererseits einen zeitlichen Rahmen, Messbarkeit und Erreichbarkeit – wobei die Behandlung des Extensionsdefizits natürlich dieselbe bleibt, schließlich braucht man eine gute Handfunktion um reiten zu können. Ich habe in dieser Hinsicht aber noch reichlich Zeit um zu üben, und diese Art des Denkens zu verinnerlichen, ich erwähnte sicher schon mal, dass mit dieser Ansatz extrem sympathisch ist…

Die Patientinnen und Patienten des Tages

Patient mit St. p. Fraktur des Mittelhandknochens IV li, 6 Wochen postoperativ, Patient ist Linkshänder, diskrete Schwellung und Hypertrophie im Bereich der Narbe, Probleme mit Handkraft im Alltag – hauptsächlich bei körperlich anstrengenderen Tätigkeiten. Ausführliches Beratungsgespräch, Versorgung mit einer (Fertig-)Schiene zur Stabilisation des Handgelenks, Übungen zur Handkraftsteigerung.

Patient mit St. p. Polytrauma nach Motorradunfall von letzter Woche (Ellbogenschiene). Schienenkontrolle und Beratungsgespräch mit dem Physiotherapeuten im Zimmer des Patienten, Änderung der Tragevorschriften für die Ellbogenschiene.

Orthoplast, nicht gefenstertPatientin mit St. p. Luxation des 4. Fingers im PIP li. Und persistierendem Extensionsdefizit, Zweitbesuch, Patientin trug die letzten zwei Wochen 24/7 eine Schiene zur forcierten Extension des Fingers in Anlehnung an eine Dupuytren’sche Schiene, Ausgangslage vor 2 Wochen 40° Extensionsdefizit aktiv, heutiger Status 15° Extensionsdefizit aktiv, diskrete Schwellung und Rötung über dem betroffenen PIP, zusätzlich seit einer Woche Probleme mit der Flexion im betroffenen Gelenk aufgrund der langen Ruhigstellung. Anpassung der Schienengurte (Polsterung), Beratungsgespräch, Änderung der Tragevorschriften (Schiene nur mehr nachts tragen), Zielformulierung und Konkretisierung, Änderung der Krankenstandsmodalitäten, Schulung bezüglich eines Heimübungsprogrammes zur Steigerung der Flexionsfähigkeit (isolierte, kombinierte und Place-Hold-Übungen), Wiederbestellung in drei Wochen zur Verlaufskontrolle.

Patient mit St. p. Häckslerunfall am re. Arm, St. p extensiver Mesh-Graft-Plastik, hoher Gewebsverlust vor allem im Bereich der Extensoren, nicht abgeschlossene Wundheilung. Beratungsgespräch bezüglich Umschulung und Einsatz der Hand im Alltag.

Patientin mit St. p. distaler Radiusfraktur li. bei Linkshändigkeit vor ca. 8 Wochen, Einschränkungen in der Handgelenksbeweglichkeit und bei Pro- und Supination in allen Ebenen. Beratungsgespräch, sehr compliante Patientin mit guten Coping-Strategien und realistischer Einschätzung ihres Krankheitsbildes, Anprobe einer (Fertig-)Schiene zur HG-Stabilisation, wurde von der Patientin schlussendlich nicht als hilfreich empfunden.

Randnotizen

…gestern wurde es statt “Shrek” doch “Prince of Persia – The Sands of Time“ – war der einzige Film der am Nachmittag auf Englisch lief, ganz ordentlich für eine Videospielverfilmung…ich habe heute den ältesten Physiotherapeuten ever kennengelernt, ein Jahr vor der Pensionierung, sehr sympathisch…der Schwarze Teufel™ kommt wirklich aus der Hölle und lebt seine satanischen Wurzeln durch ständiges Abwerfen der Kette sowie durch automatisches Bremsen beim heftigen in die Pedal treten aus, sehr lustig, vor allem wenn man hügelaufwärts fährt, grrrrrr…da möchte man fast „Terra pestem teneto – Salus hic maneto!“ rufen…


Es gibt was auf die Augen…