Hinweis zur Handhabung: der aktuelle Tag findet sich im Artikel immer an erster Stelle – Späterleser müssen leider nach unten scrollen…


15.08.2010

Die Blaue Prinzessin™ hat sich gut bewährt mit dem Schwarzen Teufel™ wäre der heutige Fahrradausflug wohl nicht so prickelnd gewesen, 40km mit Selbstbremsung und viele Hügeln…nein danke! Die Wetterstimmung beginnt hier schön langsam recht herbstlich zu werden (das soll gerüchtehalber mittlerweile auch in Österreich der Fall sein, habe ich mir mehrfach sagen lassen), das heißt sehr blauer Himmel, angenehme Temperaturen, Blätter die sich zu verfärben beginnen, und der ganze übrige Krams – ideal zum Fahrradfahren.

Das Stornorrfors-Wasserkraftwerk

Naja, ich bin jetzt ja kein Energieerzeugungs-Nerd, deshalb will ich mich jetzt auch gar nicht lange mit technischen Daten und Vergleichen mit österreichischen Wasserkraftwerken aufhalten, dazu kenne ich mich (wie ich nach kurzer Recherche feststellen durfte) einfach zu wenig aus – in Schweden ist es angeblich das größte Kraftwerk seiner Art (Quelle), trotzdem sieht es so aus, als ob es z.B. im Vergleich zu den Maltakraftwerken ganz gehörig abstinkt (Ähem). Das Werk ging jedenfalls so rund um 1960 in Betrieb, und ist (lt. Thomas, dem schlauen Reiseführer) eines der größten Wasserkraftwerke Europas. Fun-Fact am Rande: die Leistung, die das allererste Elektrizitätswerk in Umeå innerhalb eines Jahres erbrachte (Beleuchtung von 32 Straßenbeleuchtungskörpern) wird vom Stornorrfors-Werk in vier Sekunden erzeugt (Muahahaaa…). Und wenn es das einzige Kraftwerk in Schweden wäre, könnte es mit seiner Leistung trotzdem ganz Schweden für zwei Wochen mit Energie versorgen. Und neben der Transformationsstation ist es ziemlich laut, elektrisches Brummen par excellence, mit den Kabelsträngen möchte ich nicht in Berührung kommen. Die 250m lange Treppe für die Lachse und sonstigen Süßwasserlaichfische wird leider gerade umgebaut und verlängert (auf 350m), deshalb war keine ausführliche Besichtigung möglich – ich bin schon für die Aufnahme der Fotos vom Staudamm praktisch ins Kraftwerksgelände eingebrochen…

Entlang des Sverigeleden

Allerdings nicht die ganze Strecke, der Sverigeleden ist ein Radweg, der sich praktisch durch ganz Schweden schlängelt, und er ist insgesamt 9440km lang, also ein bisschen viel für einen Nachmittag…obwohl…na egal. In der Gegend rund um Umeå teilt er sich ca. 30km seiner Strecke mit dem Umeleden – der lokalen Radwegvariante der Stadt beziehungsweise Gemeinde Umeå – und führt z.B. am Ufer des Umedalen entlang flussaufwärts (die ganz Interessierten können sich auch eine PDF-Datei über den Sverigeleden herunterladen). Wie gesagt, Herbststimmung beim Radfahren, kaum Autos auf den Straßen, leuchtende Farben und gutes Wetter. Zum Betrachten weiterer Bilder, lade ich euch recht herzlich in die Bildergalerie zum Praktikum ein, da stehen seit kurzem ein paar sehr nette Fotos online…

Morgen beginnt die letzte Woche meines Aufenthalts hier – und es wird wahrscheinlich keine sehr entspannte werden, zu viel ist noch zu tun…kommt wieder wenn ihr wollt und lest nach!


14.08.2010 – Die Blogpause™

Lesestoff

Leute, Leute ich werde reich! Ihr werdet nicht glauben, was mir heute passiert ist: da erhalte ich doch tatsächlich eine Mail über die contact-E-Mail-Adresse des handlungs:plan, ein gewisser Tang Wong Yu benötigt meine Hilfe, er steckt in der Situation, dass ein Iraker in seiner Bankfiliale 6,5 Millionen Dollar hinterlegt hat – und dann leider völlig unerwartet verstorben ist, Angehörige scheint es nicht zu geben. Jetzt bietet er mir eine Partnerschaft an (im Verhältnis 50:50) um an das Geld zu kommen, ich muss dafür nichts weiter tun, als mich als den nächsten Verwandten des Verstobenen auszugeben (ich wusste es schon immer, meine Physiognomie ist total irakisch), und – man höre und staune – das ist gar nicht viel Aufwand, ich muss ihm nur eine E-Mail mit Namen, Adresse, Beruf, Geburtsdatum und Telefonnummer senden, und dann kann der Deal auch schon über die Bühne gehen. Ohhh, das wäre soooo nett, was könnte ich mit 3,25 Millionen Dollar nicht alles anfangen – eine eigene Praxis gründen, ein Haus in Schweden kaufen, einen Privatjet zum regelmäßigen Surströmming-Transport von Umeå nach Klagenfurt anmieten, die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt…Ein bisschen komisch an der Sache ist nur, dass in der Adresszeile der Mail weitere „undisclosed recipients“ existieren, sollte ich etwa nicht der Einzige sein, dem Herr Wong Yu dieses Angebot unterbreitet hat?

Natürlich handelt es sich bei der Mail um den Versuch eines sogenannten 419-Scam, auch Vorschussbetrug genannt. Hätte ich die Zeit, ich würde mich auf ein kleines Spielchen einlassen, das wäre nicht ganz unlustig – stattdessen werde ich mich darauf beschränken, die Absender Mail-Adresse bei dem betreffenden Webmail-Anbieter zu melden. Ein Brite aus Gypping in the Marsh hat sich über Jahre hinweg die Zeit genommen, mit zahlreichen 419-Scam-Betrügern ausführlichen E-Mail-Verkehr zu betreiben, und ist dabei jeweils in andere Rollen geschlüpft. Wer ein bisschen Zeit übrig hat, kann ganze Stunden auf der Website von scambuster419 verbringen (und dabei oft und lang und herzlich lachen), ich persönlich empfehle die Episoden Der Erwachsenenfilmregisseur und Der Waisenhausdirektor II.

Für die Ohren

  • Beim Radfahren höre ich viel Musik, kürzlich wieder untergekommen sind mir unter anderem wieder Billy Talent (deren zweites Album tatsächlich noch immer das bisher beste ist)…
  • …und Naked Lunch, die ich spätestens seit „Songs für the Exhausted“ sehr liebe (auch wenn Oliver Welter im wirklichen Leben nicht die prickelndste Persönlichkeit ist).

Für die Augen

  • Eine sehr stilvolle Dokumentation über die (fiktiven) Graboids…
  • Robot Chicken…unglaublich irre – mehr davon gibt’s auf der betreffenden Website – sehr empfehlenswert!

13.08.2010

Huhuhuuuu(„schaurig raun“)…Freitag der 13. – Unglückstag, Glückstag, was auch immer, ich konnte davon nicht wirklich was bemerken – tatsächlich hat sich der Tag sehr neutral verhalten, außerdem war es hier sehr schön, ein Hauch von Herbst, aber trotzdem noch sehr heiß. Gerade richtig also, um in die Tiefen der Universitätsbibliothek abzutauchen, Bibliothekarinnen mit dummen Fragen zu nerven (Ähm…wie viele Bücher habt ihr denn hier so? Ich weiß, ich weiß…trotzdem lagern hier über 1.000.000 Bücher und ca. 6000-7000 verschiedene Ausgaben wissenschaftlicher Journale), und sich in die Recherche zur geschichtlichen Entwicklung der Ergotherapie zu vertiefen.

Ich habe da ja ein bisschen ein gespaltenes Verhältnis…mit ist klar, dass unser Beruf gleichzeitig sehr alt und sehr jung ist, das ist prinzipiell auch gut und schön. Da der handlungs:plan in absehbarer Zeit auch eine Seite mit einer Definition des ergotherapeutischen Berufsbildes enthalten soll muss, ist schon seit geraumer Zeit Recherche zu diesem Thema angesagt – aber…geht’s da jemandem ähnlich wie mir: Ich kann das ewig gleiche, schwammige, floskelhafte „…geht zurück auf Galenius…Conolly, Pinel, Duke, Rush in Europa…Simon und das therapeutische Gewächshaus…klientenzentriert“-Geblubber einfach nicht mehr lesen – ich weiß ja, dass es so war, aber da muss doch mehr zu finden sein, das kann man doch nicht wieder mal 1:1 auf eine Internetseite stellen…

Ich hatte noch nicht viel Zeit, das gefundene zu sichten, ich war zu sehr mit Kopieren (Oh mein Gott, Papier, igitt!), Scannen und Weiterverarbeiten der Artikel beschäftigt. Immerhin: es hat was, sich in alten Kellerarchiven herumzutreiben, vorzugsweise in Ecken, in denen sonst kein Mensch zu finden ist, und alte Ausgaben des American Journal of Occupational Therapy zu durchwühlen, auf der Suche nach dem einen, wirklichen Überblicksartikel. Schräg, in einer Ausgabe aus den frühen siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, habe ich dann tatsächlich auch einen recht guten (wenn auch USA-bezogenen) Überblick über die ergotherapeutische Entwicklung im 20. Jahrhundert gefunden. Fühlt sich irgendwie sehr historisch an, und da ich Bücher prinzipiell recht gerne habe, bricht mir das brutale, buchrückenschädigene Kopieren immer ein bisschen das Herz, wie oft kann man das wohl noch machen, bevor die ganzen Dinger auseinanderfallen?

Mal schauen wozu man das alles schlussendlich verwursten kann, einen „08/15-Definitionstext“ wird’s am handlungs:plan definitiv nicht geben. Ideen im Hintergrund gibt es ja schon, aber zuerst ist eine ausführliche Sichtung des ganzen Materials notwendig, das kann noch etwas dauern.

Ansonsten habe ich mich heute von Lena verabschiedet, mich in die theoretischen Hintergründe des Snus-Konsums einweihen lassen – wobei ich keinerlei Ambitionen habe, mich in dieser Hinsicht auch praktisch fortzubilden – und eine Zimtschnecke zum Frühstück verspeist. Ich bin erst um 16.30 aus der Klinik getorkelt, es hat alles wieder mal ein bisschen länger gedauert als geplant. Und mehr gibt’s auch schon wieder nicht zu berichten, Patientinnen und Patienten habe ich heute keine gesehen, den Schnuppertag auf der neurologischen Rehabilitation habe ich für Dienstag nächster Woche fixiert und das Büro habe ich auch ein bisschen (aber wirklich nur ein bisschen) aufgeräumt. Und Punkt.

Morgen herrscht hier wieder die wöchentliche Blogpause™, ich werde mich – Schönwetter vorausgesetzt – untertags mit der blauen Prinzessin™ vergnügen…


12.08.2010 – Feature: Die geschichtliche Entwicklung von Umeå

Präliminarien

Hmmmmmmmm, irgendwie wird es jetzt schön langsam aber auch Zeit, dass mein Aufenthalt sich dem Ende nähert – gefühlt sozusagen. Viel konnte ich heute nicht tun, warum sich Lena mit Patientinnen und Patienten, die gut Englisch sprechen, trotzdem meist auf Schwedisch unterhält, will mir nicht so recht in den Kopf – sie selbst beherrscht die englische Sprache zumindest passabel – ich bin dann meist Zuhörer, das mag zwar gut für meine Schwedischkenntnisse sein (wobei ich diesbezüglich in der letzten Woche auch keine Bäume mehr ausreißen muss), ist aber definitiv sehr schlecht für meine Arbeitsmotivation, ich habe schon gewusst, warum ich meine externen Schnuppertage in diese Zeit lege. Sie ist ein sehr netter Mensch, aber es ist nicht immer ganz einfach…

Die nächste Woche hält noch einiges an Arbeitspotential bereit, eine letzte Podcastaufnahme zum Thema COTEC steht an, die Beurteilung muss ausgefüllt werden, zwei Schnuppertage sind voraussichtlich noch zu absolvieren, viele Patientinnen und Patienten, die ich in den letzten vier Wochen betreut habe sind wiederbestellt (und müssen Agnetas kritischen Blicken standhalten, was vor allem im Falle von „Franziska“ keinen hohen Unterhaltungswert verspricht), ich muss Apfelstrudel backen, Prosecco kaufen und Pakete mit Büchern und Surströmming nach Österreich schicken, Souvenirs kaufen, die Wohnung wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzen saugen und aufräumen – und irgendwas anderes fällt mir sicher auch noch ein…langweilig wird mir wahrscheinlich nicht wirklich werden.

Die Stadtführung in Umeå – nicht ganz alleine…

Es ist unglaublich, ich war tatsächlich nicht alleine, ein Berliner (mit umeånischer Freundin) und ein älteres Paar aus dem Käseland der Schweiz haben sich auch noch vor dem Tourismusbüro eingefunden, um am Spaziergang teilzunehmen – ich konnte es nicht fassen. Die Führung wurde von Thomas geleitet, einem Deutschen, der bereits seit 26 Jahren in Umeå lebt (jaja, die Liebe, kennengelernt beim österlichen Schilauf in Zell am See, ich sag’s ja immer, kommt nach Österreich, dort werden Bünde fürs Leben geschlossen) und schon fast mehr Schwedisch als Deutsch spricht. Bereit für eine kleine Lektion in Geschichte? Na dann los…

Geschichte von 3000 v. Chr. bis zur Neuzeit

Die ersten Menschen haben sich in dieser Gegend vor ca. 3000 Jahren herumgetrieben, aber tatsächlich gegründet wurde Umeå im späten 16. Und frühen 17. Jahrhundert – zweimal sozusagen. Der erste Versuch bestand darin, ein Handelszentrum zu etablieren, schlug aber nach ein paar Jahren fehl, weil die Bauernhändler, die hier ansässig waren, offenkundig einen Motivationseinbruch erlitten und beschlossen, sich wieder in die Wälder zurückzuziehen. Dann ist ein paar Jahre nicht passiert, bis weiter nördlich eine andere Ansiedlung das Stadtrecht – und somit auch das Handelsrecht mit den Samen – erhielt. Die Menschen und Menschinnen (huch, zu viel gegendert) in der Gegend um Umeå wollten vom (scheinbar lukrativen) Handel mit den Samen auch profitieren und suchten 1621 mittels einer Gesandtschaft in Stockholm um das Stadtrecht an, dass ihnen im Jahr 1622 auch gewährt wurde. Trotzdem ist ein Denkmal in der Stadt der Meinung, dass die Gründung 1621 erfolgte – aber so jung, wie Umeå ist, spielt ein Jahr mehr oder weniger auch keine Rolle. Zum Vergleich: Klagenfurt wurde im Jahr 1192 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Name „Umeå“ ist übrigens offenbar von einem samischen Wort abgeleitet, das das Tosen der Stromschnellen des Umeälven bei der Mündung in die Ostsee beschreibt.

Im 18. Jahrhundert gab es hier recht große Probleme mit einfallenden russischen Truppen, die im Winter über Finnland und das zugefrorene Meer (von den jeweils vorgelagerten Inseln sind nur 30-40km Entfernung zu bewältigen) nach Umeå kamen, und immer recht große Freudenfeuer abbrannten, wobei als Brennmaterial meist die Stadt selbst herhalten musste. Mit dem Feuer hatten sie es hier überhaupt, am Midsommartag 1888 brannte die Stadt zu einem Großteil völlig nieder, zur gleichen Zeit (also wirklich am exakt gleichen Tag) erlitt weiter südlich Sundsvall ein ähnliches Schicksal, in beiden Städten wurden ca. 80% der Bevölkerung obdachlos. In Sundsvall – das damals reicher als Umeå war – durften fürderhin im Stadtzentrum nur mehr Häuser aus Stein gebaut werden, Umeå musste weiterhin großteils auf leichtentflammbares Material Holz setzen, zum Ausgleich wurden im Zentrum über 3000 Birken gepflanzt, die ein Ausbreiten von Feuersbrünsten durch Aufhalten des Funkenfluges verhindern sollten – bis heute gilt Umeå in Schweden als die Stadt der Birken, während Sundsvall als die Steinstadt bekannt wurde.

Im 20.Jahrhundert ging’s dann aber steil bergauf, und spätestens mit der Gründung der Universität – die mit 5000 Mitarbeitern und 30000 Studenten auch gleichzeitig der größte Arbeitgeber in der Stadt ist – im Jahr 1965, konnte sich Umeå endgültig als Knotenpunkt und Bildungszentrale von Nordschweden etablieren…und das ist bis heute so geblieben. Thomas zufolge wächst die Stadt noch in mehrerlei Hinsicht: zum einen hebt sich das Land hier um ca. einen Zentimeter pro Jahr (Klimaerwärmung und Meeresspiegelanstieg? YOU SUCK!) – was unter anderem dazu geführt hat, dass der Hafen von Umeå heute 15 km weiter östlich, direkt an der Mündung des Umeälven in die Ostsee, liegt, da der Fluss für größere Wasserfahrzeuge nicht mehr schiffbar ist. Und zum anderen wächst die Bevölkerung von Umeå um ca. 1,5% pro Jahr, was im Schnitt alle 10 Jahre einen neuen Stadtteil notwendig mach – aber Platz hat es hier ja reichlich…

Die Kirche(n) von Umeå

Auch mit den Kirchen hatte Umeå in seiner Geschichte kein besonders glückliches Händchen – drei oder vier von ihnen wurden von den einfallenden Russen verheizt, und eine sehr schöne Holzkirche – die innen und außen mit damals sündteurer Ölfarbe bemalt war – wurde an einem 23. Dezember (oder am 24.) vom damaligen Küster „versehentlich“ angezündet (Hups…), Holz zusammen mit der Ölfarbe dürfte ein recht nettes Feuerchen abgegeben haben, und ich bin mir fast sicher, dass der Küster danach seinen Job los war…

Umeå heute

Heute beherbergt Umeå unter anderem Industriebetriebe wie Volvo (alle LKW-Führerhäuser für ganz Europa werden hier hergestellt), General Electric Healthcare und Komatsu, die Universität floriert und im Jahr 2014 ist Umeå zusammen mit Riga Europäische Kulturhauptstadt, das wird auch der Zeitpunkt sein, an dem ich Schweden meinen nächsten Besuch abstatte – allerdings im Winter, hier kann man angeblich trefflich mit dem Schneemobil herumgurken…und das wollte ich schon immer einmal tun!

Ein paar Wörter zu den Bildern

Besonders erwähnenswert scheinen mir die Skulpturen von Sean Henry zu sein (ein Bild von der Skulptur in Umedalen gab es in einem früheren Artikel schon mal, in Umedalen gibt es auch am Gelände einer früheren psychiatrischen Klinik einen Kunstpark, den ich mir wahrscheinlich am Wochenende mal ansehen werde), der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, Bildnisse von sich selbst anzufertigen, allerdings nie exakt in Lebensgröße, sondern immer entweder ein bisschen kleiner oder ein bisschen größer…schräg!

Auch das Bild der Tür hat eine sehr nette Geschichte – die Tür ist an einem Haus eines der ersten Industriellen von Umeå angebracht (Pappmaché sag ich nur), dessen Gattin offenbar sehr fruchtbar war – sie hatten zusammen nämlich acht Kinder. Eines der Mädchen war behindert, und ertrank noch als Kind im Umeälven, und wer genau hinschaut, erkennt dass der Kinderkopf der rechts unten neben dem Storch am Bild zu sehen ist, von einem Blatt verdeckt wird, schön gestaltet…ob dieser Umstand der Tatsache der Behinderung geschuldet ist, oder ob das den Verlust der Tochter durch den frühen Tod ausdrücken sollte wusste allerdings nicht einmal Thomas zu berichten…

Das Bilderrätsel

Das Bild mit der doppelten Fensterfront in Grün zeigt die zwei Hälften desselben Hauses – allerdings mit dem Kniff, dass eine Haushälfte 100 Jahre älter ist als die andere…und anhand des Bildes lässt sich auch herausfinden welche. Das ist bei den kleinen Bildern natürlich nicht so einfach, deshalb steht eine größere Version des Bildes im Downloadbereich der Seite zum Herunterladen und ausführlichen betrachten bereit (Suchbild Umeå). Die erste richtige Lösung, die im Kommentarbereich hinterlassen wird, wird ausführlich belobigt, ich schwöre es…viel Spaß beim Suchen!

Randnotizen

…meine Güte, während auf Arbeit wird gesnust…der Royal TS bei McDonalds heißt hier tatsächlich „Quarterpounder with Cheese“, Pulp Fiction lässt grüßen…mit Berliner Touristen werde ich wohl zeitlebens nicht warmwerden (no offense meant, liebe deutsche Leserinnen und Leser), wie kann man angesichts der mindestens hundert Jahre alten Wasserspeier am Kirchendach nur die Frage stellen, ob es sich dabei um ein Feuerlöschsystem handelt – OMFG, Bildung, anyone?…


11.08.2010 – Feature: Im Hospiz Axlagården

Hospizarbeit war schon in der Gesundheits- und Krankenpflege nicht ganz uninteressant für mich – leider hat sich die Gelegenheit in einer Hospizinstitution zu arbeiten währen meiner Laufbahn als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger nie ergeben. In Kärnten gibt es zwei Palliativstationen und mehrere mobile Teams, größtenteils in den Händen „gemeinnütziger“ Organisationen (Diakonie, Caritas). Man kann dazu stehen, wie man will – die Hospizlandschaft in Österreich scheint ausbaufähig zu sein, genauere Informationen (allerdings leider schon aus dem Jahr 2008) dazu gibt es in Form einer PDF-Datei auf der Homepage der Österreichischen Hospizbewegung. Ich jedenfalls durfte heute mit Helen einen Tag im Hospiz Axlagården verbringen – und das hat definitiv sehr viel Spaß gemacht, da könnte man(n) sich fast vorstellen zu arbeiten…übrigens: die Blaue Prinzessin™ kann’s auch freihändig…

Die Institution

Axlagården wurde vor ca. 20 Jahren gegründet, hat 16 Bettenplätze (die Warteliste ist existent, aber angeblich nicht so lange) in Form von Einzelzimmern und ist eines von zwei Hospizhäusern in Nordschweden, das zweite befindet sich in Sundsvall. Finanziert wird das Haus über die Gemeinde – ich finde das sehr positiv, bei privaten Betreibern postuliere ich immer einen gewissen wirtschaftlichen Druck – und ein Team von ca. 30 Personen aus verschiedenen Fachbereichen kümmert sich um die Gäste (nix mit Patientinnen und Patienten hier) – trotzdem müssen Patientinnen und Patienten Gäste für den Aufenthalt bezahlen, die genaue monatliche Summe ist mir leider unbekannt. Hinzu kommen ca. 20 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gewisse Aufgaben wahrnehmen beziehungsweise Serviceleistungen anbieten. Das Haus selbst ist nach anthroposophischen Prinzipien eingerichtet und verströmt eine sehr heimelige und ruhige Atmosphäre. Die zwei Bettentrakte erstrecken sich links und rechts vom Hauptbereich, zusätzlich sind die Bereich der Ergo- und Kunsttherapie, ein Speisebereich, Aufenthaltsräume, die Küche des Hauses, einen anmietbarer Übernachtungsraum für Angehörige, ein Raucherraum für Patientinnen und Patienten Gäste, ein Gewächshaus, Büros, ein Bad mit Lifter, ein Andachtsraum und Aufenthaltsräume für das Personal vorhanden. Und eine schiere Unzahl an mobiles Sauerstoffkonzentratoren

Das Angebot

Generell dürfen Patientinnen und Patienten Gäste im Axlagården morgens so lange schlafen, wie sie möchten, Frühstück, Mittag- und Abendessen werden nach Möglichkeit gemeinsam eingenommen, wenn Personen nicht am gemeinsamen Essen teilnehmen möchten, besteht auch die Möglichkeit im Zimmer zu essen. Apropos, jedes Zimmer enthält eine kleine, ausklappbare Küchenzeile zur Zubereitung von Imbissen oder der Fika. Mindestens einmal wöchentlich findet eine größere Nachmittagsfika statt, meist spielt an diesen Tagen nachmittags auch eine Band. Prinzipiell können Patientinnen und Patienten Gäste ihren persönlichen Neigungen nachgehen, religiöser Beistand scheint möglich zu sein, da sich auch eine Diakonin im ehrenamtlichen Betreuungsteam befindet (ein Großteil der Schwedinnen und Schweden ist evangelisch). Was an weiteren Leistungen durch die Institution angeboten wird, konnte ich nicht weiter herausfinden (keine Zeit), dafür aber einiges über das Angebot der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zumindest eine Person geht Helen mehrmals wöchentlich bei notwendigen Reparaturarbeiten an Hilfsmitteln zur Hand (sehr aufgeräumter Werkzeugschrank, mein Guter!), jeweils eine Masseurin, eine Friseurin und eine Fußpflegerin bieten ebenfalls Leistungen aus ihrem jeweiligen Fachbereich an – und das unentgeltlich…was ich persönlich sehr schön finde, Friseurbesuche sind für Patientinnen und Patienten Gäste oftmals sehr wichtig. Besuchsdienste, Vorlesen usw. werden ebenfalls von den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeboten.

Ergo- und Kunsttherapie

Das Angebot von Helen ist, zumindest im kunsttherapeutischen Bereich, eher unaufregend (dessen ist sie sich allerdings auch bewusst), ergotherapeutischerseits wird hauptsächlich Seidenmalen, Trockenfilzarbeiten und die Herstellung von Grußkarten angeboten. Das geschieht auch nicht in strikt „therapeutischem“ Rahmen, aber die Gäste sind sichtlich mit Motivation bei der Sache (mir wurde von einem der Gäste die Salztechnik beim Seidenmalen sehr ausführlich erklärt, natürlich in bestem Schwedisch), und allzu hohe therapeutische Ambitionen darf man sich in einem Hospiz möglicherweise auch nicht setzen. Zusätzlich ist Helen für die adäquate Hilfsmittelversorgung aller Gäste zuständig, dafür nimmt sie sich auch ausreichend Zeit, wir haben heute bei einer neu angekommenen Patientin (was ist wohl die weibliche Form von „Gast“? Gästin, vielleicht?) das halbe Bad umgebaut – wir haben sozusagen ein nicht höhenverstellbares Waschbecken in der Höhe verstellt, was man am Boden liegend nicht so alles zustande bringt…grundsatzphilosophisch vertritt Helen den Ansatz, sich bei der Erstversorgung lieber mehr Zeit zu nehmen, als ständig Anpassungen vornehmen zu müssen (eine Vorgehensweise, die sich auch bei Abendrunden im Nachtdienst als Gesundheits- und Krankenpfleger extrem bewährt hat). Und so kann es schon einmal vorkommen, dass eine Stunde über einen Duschsessel geredet wird, um wirklich das exakte Modell herauszufinden (Anruf im Krankenhaus inklusive) – snyggt!

Die Bilder

Die Bilder der Seidenmalarbeiten in der Galerie am Artikelende stammen fast ausschließlich von Gästen, fünf davon können auch im Downloadbereich der Seite in höherer Auflösung heruntergeladen werden.

Zusätzlich stehen fünf Bilder auf zoom.it zum Ansehen bereit, vorausgesetzt man hat Silverlight als Browser-Plug-In installiert (das dürfte bei den meisten Nutzern von halbwegs aktuellen Internet Explorer-Versionen der Fall sein), ich scheue mich ein wenig, die Bilder hier einzubetten, damit das Layout nicht gar so arg durcheinanderkommt, stattdessen verlinke ich lieber. Silverlight kann man von dieser Seite herunterladen und installieren.

  • Seidentuch in Herbstfarben – klick
  • Seidenschal in Pastellfarben – klick
  • Seidenschal in Schwarz – klick
  • Seidentuch mit Blumenmuster – klick
  • Seidentuch in schwarz (Salztechnik, in Arbeit) – klick

Randnotizen

…das Coverdesign für die Zusammenfassung des ganzen Praktikums ist fertig und rockt sieht sehr passabel aus…morgen Nachmittag findet die letzte deutschsprachige Touristenführung durch Umeå statt – das muss ich mir ansehen…Skype und mein Headset wollen sich heute aber gar nicht vertragen, auch die Webcam ist plötzlich unauffindbar – seltsam und immer seltsamer…


10.08.2010 – Feature: Das Gesundheitssystem in Schweden – Äldrecenter

Heute drängt es sich wirklich geradezu auf, ein bisschen was über die Einbettung von Pflegeheimen im schwedischen Gesundheitssystem zu schreiben, an der Abteilung war es heute sehr, sehr ruhig – ergotherapeutischerseits hatten wir nur zwei Patientinnen zu betreuen, und dies hauptsächlich in Form von Beratungsgesprächen – und den Hauptteil meiner Anwesenheit habe ich mit Lena vor dem Dokumentations-PC verbracht und die Patientinnen und Patienten der letzten Tage und Wochen in (hoffentlich) adäquater Form dokumentiert – nächste Woche ist Agneta wieder da, dann wird man sehen, wie zufrieden sie mit der geleisteten Arbeit ist…aber ich bin da ganz und gar furchtlos…

Einleitung

Alle Informationen bezüglich der Versorgungslandschaft älterer Menschen in Schweden habe ich aus Gesprächen mit Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, fehlerhafte Aussagen sind durch die Sprachbarriere natürlich möglich (wenn auch, wie ich hoffe) nicht sehr wahrscheinlich. Sollte jemand mit zusätzlichen Fakten aufwarten können, wäre ich für die Mitteilung derselben im Kommentarbereich sehr dankbar…

Geriatrie im Krankenhaus

Die krankenhausinterne Versorgung von geriatrischen Patientinnen und Patienten dürfte im Wesentlichen so ziemlich der unsrigen entsprechen, abgesehen vielleicht von einer höchstwahrscheinlich kürzeren Verweildauer von Patientinnen und Patienten im Allgemeinen, und dem aktivitätsbezogeneren Ansatz der Ergotherapie an sich. Die Bestrebung geht in Schweden in allen Bereichen dahin, die Patientinnen und Patienten möglichst schnell aus dem Krankenhaus zu entlassen – bei gutem extramuralen Versorgungsstand sehe ich persönlich darin auch keinerlei Problem, schwierig wird’s halt immer an den Übergängen beziehungsweise Schnittstellen.

Ob es hier in der Klinik eigenes Personal gibt, das sich mit der Koordination verschiedener Berufsgruppen bezogen auf die Entlassung von Patientinnen und Patienten beschäftigt, weiss ich nicht, aber Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten stehen mit externen Kolleginnen und Kollegen in recht engem Kontakt, hinzu kommt, dass die Dokumentationssoftware im Krankenhaus und zumindest in den Einrichtungen von Hälsocentral dieselbe ist. Anders sieht es bei den „wirklichen“ Pflegeheimen aus, diese verwenden ein anderes System, das aber trotzdem innerhalb des Verbunds der Pflegeheime einheitlich ist. Wenn ich in diesem Bereich noch n mehr Informationen kommen sollte, gibt’s zu dem Thema nochmal ein bisschen mehr, die Pflegeheime in Umeå werden übrigens fast ausschließlich von der Gemeinde betrieben, private Pflegeheime sind existent, aber nicht sehr verbreitet.

Die externen Möglichkeiten

Prinzipiell scheinen mehrere Möglichkeiten zur extramuralen Nachbetreuung zu existieren, zu welcher Einrichtung Patientinnen und Patienten zugewiesen werden, hängt von ihrem aktuellen Zustand ab.

Patientinnen und Patienten bei denen sich die Mitglieder des Teams nicht so ganz sicher sind, wie sich der weitere Verlauf gestalten wird, können für ca. 3 Wochen an eine Kurzzeitinstitution überwiesen werden – in dieser Zeit findet dann ein multidisziplinäres Assessment statt, und in interdisziplinärer Zusammenarbeit wird anschließend versucht, eine Lösung für die betroffenen Patientinnen und Patienten zu erarbeiten – auch hier mit dem Hintergrund, eine möglichst lange Verweildauer im häuslichen Bereich zu ermöglichen.

Bei Patientinnen und Patienten bei denen die Möglichkeit einer häusliche Versorgung nicht mehr infrage kommt, kann eine Zuweisung an eine Langzeitpflegeeinrichtung erfolgen, das dürfte dann so ähnlich aussehen wie bei uns, mit dem Vorteil, dass diese Heime nicht nach privatwirtschaftlichen Aspekten geführt werden müssen, also ein breiteres Betreuungsspektrum und eine besserer Infrastruktur (Hebevorrichtungen, geräumige barrierefreie Nasszellen, Einzelbettzimmer) für Patientinnen und Patienten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbieten können. In Kärnten wurde ja kürzlich die zulässige Bettenanzahl für private Pflegeheimbetreiber wieder in die Höhe geschraubt, zusätzlich werden Einzelzimmerzuschläge eingehoben, das Recht auf einen Pflegeplatz besteht erst ab Pflegestufe drei (das dürfte einige Patientinnen und Patienten mit dementiellen Krankheitsbildern außen vor lassen) und das gesamte Konzept der Dezentralisierung wird zurzeit eigentlich nicht wirklich umgesetzt – sicherlich auch aufgrund der Interessen der privaten Betreiber, die (nachvollziehbarerweise) starke wirtschaftliche Interessen haben. Allerdings wird das wohl nicht nur in Kärnten so sein, wenn wir auch einen „speziellen Fall“ darstellen dürften…Übrigens: keines der Heime, die ich hier besucht habe, hatte mehr als 50 Betten…

Spezialisierung

Für Patientinnen und Patienten mit dementiellen Krankheitsbilder existieren eigene Institutionen, die den speziellen Bedürfnissen dieser Patientengruppe Rechnung tragen – ich kann an dieser Stelle leider kaum mit Details dienen, da ich zwar zwei dieser Institutionen besucht habe, aber eigentlich keine Zeit hatte mich mit irgendwem abseits meiner zuständigen Ergotherapeutin zu unterhalten…sie sind jedenfalls vorhanden, was ja an sich schon begrüßenswert ist.

Zusätzliche Angebote

In zumindest einen Heim, dass ich besuchte, existierte die Möglichkeit für ältere Menschen aus der näheren Umgebung ein, im Heim integriertes, „Gemeinschaftszentrum“ zu besuchen, handwerklichen Tätigkeiten nachzugehen, im Restaurant billig (ca. 4 Euro) zu Mittag zu essen, oder sich mit anderen auszutauschen – Personen, die dies in Anspruch nehmen, entstehen keine Kosten abseits der Verpflegung und der An- und Abreise.

Ergotherapie in Pflegeheimen

Die Hauptaufgaben von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten ist die „Lebensumwelt“ von Patientinnen und Patienten, dies reicht von der Versorgung mit Hilfsmitteln (auch Lagerungshilfsmittel wie Anti-Dekubitussysteme), Rollstühlen und Ähnlichem über Sturzprävention in institutionellem Rahmen und kleineren Reparaturarbeiten bis hin zu biographischer Detektivarbeit um Aktivitäten, Wünsche und Motivationen von Patientinnen und Patienten bezogen auf Aktivitäten herauszufinden. Der Stresslevel hält sich meiner Einschätzung nach in Grenzen, es ist allerdings sehr viel organisatorische Arbeit zu leisten, sowohl am Telefon als auch am Computer. (abgeändert entnommen aus dem Artikel zu voriger Woche)

Fazit

Möglicherweise läuft in diesem Bereich einiges besser als in Österreich – zugegebenermaßen habe ich allerdings einfach zu wenige Informationen (aufgrund der beschränkten Zeit), um das wirklich beurteilen zu können. Eine Tatsache ist allerdings nicht wegzuleugnen: Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sind hier in jedem Heim zu finden – in Kärnten ist mir nur eine Ergotherapeutin in einem Pflegeheim bekannt, und diese wurde eigentlich irrtümlich eingestellt, weil die Heimbetreiber der Meinung waren, dass „Ergotherapie“, und somit auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, wohl irgendetwas mit dem „Ergometer“ zu tun haben…und das wiederum spricht Bände über den Bekanntheitsgrad unseres Berufes – sowohl bezogen auf die Bevölkerung, als auch auf „Fachpersonal“…


09.08.2010

Rasanter Wochenbeginn, die Patientinnen und Patienten sind praktisch nur so durch die Tür gefallen, Zeit zum Durchatmen blieb heute kaum und – man glaube es oder nicht – sogar die Fika wurde im Eiltempo (und im Stehen) absolviert, eigentlich Blasphemie…Spaß gemacht hat es trotzdem, und es gab ein paar interessante Dinge zu sehen beziehungsweise zu tun. Ach ja, Filmjölk ist übrigens so etwas Ähnliches wie Sauermilch, und wird hier sehr oft mit Frühstücksflocken am Morgen genossen…

Physiotherapeuten sind mit dem Teufel im Bunde

Anders ist die ganze Situation einfach nicht länger erklärbar. Wer, wenn nicht Anders (ein sehr netter Mensch eigentlich), könnte dafür verantwortlich sein, das morgens – wenn ich mich auf den Weg ins Krankenhaus mache – heftigste Regenfälle einsetzen, während er (aufgrund seines früheren Dienstbeginns) bereits hübsch im Trockenen sitzt? Und wer, wenn nicht er (na hoppla liebe Österreicher und Innen, erinnert euch das nicht an etwas ganz anderes?), könnte wohl dafür sorgen, dass pünktlich zum Beginn meiner Mittagspause noch intensiverer Starkregen einsetzt – der auch so richtig lange dauerte? Und schließlich…wer war wohl dafür verantwortlich, dass pünktlich zum Dienstschluss – also als er das Haus verließ – kein einziger Tropfen Wasser mehr vom Himmel fiel? Na? Na? Klingelt‘s? Eben, ich bin – ganz wie ihr – der Meinung, dass die Beweislast erdrückend ist…

Nachbehandlung von Beugesehnenverletzung am Daumen

Uff, mit den Daumenschienen stand ich noch nie auf besonders gutem Fuße, und das hat sich scheinbar in den letzten Wochen nicht wirklich geändert – eine FPL-Sehnenruptur, die operativ versorgt wurde, stand gleich als erstes am Programm. Trotz des prinzipiell leicht zu verarbeitenden Schienenmaterials gestaltete sich die Schienenherstellung schlicht und einfach nur als krampfig – im Bereich des Handgelenks staucht sich’s einfach immer irgendwie…mit ein bisschen Nachhilfe ging’s dann schon, aber es hat (gefühlt) wieder mal ewig gedauert – mehr Übung in diesem Bereich ist definitiv notwendig…mehr Bilder zur Schiene gibt es in der Galerie am Artikelende…

Medizinischer Grenzfall

Am Nachmittag ergab sich noch die Gelegenheit die hiesige chirurgische Intensivstation zu besichtigen, um einen Patienten zu sehen und um an einer sehr großen, interdisziplinären Besprechung diesen Patienten betreffend teilzunehmen. Die Station selbst ist vom Ersteindruck her definitiv „State-of-the-Art“, sehr geräumig, die Betten (deren genaue Anzahl ich nicht herausgefunden habe, weil alles eher schnell ging) sind jeweils durch Vorhänge voneinander getrennt, es stehen geschätzte sechs Betten in jeder Einheit, von denen es mindestens zwei gibt. Die Dokumentation erfolgt völlig papierlos, Infusions- und Perfusorentürme kommen von der Decke und zur Beatmung werden Maschinen von Dräger – namentlich die eigentlich ohnehin klassische Evita 4 (PDF) – verwendet, ohne aktive Befeuchtung, sondern mit Bakterienfilter ausgestattet. Außergewöhnliches konnte ich nicht erspähen, aber normaler Standard jedenfalls – ins Auge fallend war jedenfalls der hohe Männeranteil am Intensivpflegepersonal, aber das ist wohl überall ähnlich…

Der Patient selbst hatte handchirurgischerseits hauptsächlich das Problem einer beidseitigen FDP-Sehnenverletzung in Zone 1, jeweils am 2.Finger – also eigentlich nichts Großartiges. Zusätzlich bestand eine Verletzung am Fuß, die wohl orthopädischerseits operativ versorgt wurde. Der Patient war mit Propofol® sediert und nichtinvasiv mittels Gesichtsmaske im Modus CPAP-ASB beatmet – also nicht ansprechbar. Die wesentlich größere Problematik – die auch in der Besprechung an der Ärztinnen und Ärzte aus den Fachbereichen Psychiatrie, Handchirurgie, Anästhesie und Orthopädie, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und einer der drei ärztlichen Leiter der Klinik teilnahmen, adressiert wurde – besteht in der Ausgangssituation des Patienten, er zeigt bereits seit vielen Jahren autistische Züge mit einer ausgeprägten Neigung zu extremen Gewaltausbrüchen, die Handverletzungen zog er sich beim gewaltsamen Entfernen einer WC-Schüssel von der Wand zu, und er ist auf kognitiver Ebene nur sehr schwer erreichbar. (Bild via)

Das Problem vor dem alle Beteiligten stehen, betrifft die bevorstehende Aufwachphase (ein erster Versuch wurde trotz Fixierung wegen extremer Agitiertheit des Patienten bereits abgebrochen, die Gipsschienen an den Händen waren scheinbar in Minutenschnelle entfernt): die Befürchtungen reichen von der (Selbst-)Entfernung sämtlicher invasiven Zugänge, über die Entfernung aller Nähte durch die Zähne des Patienten bis hin zu selbstverursachten Knochenbrüchen durch die Abwehr der Fixierung. Nicht so ganz einfach, die ganze Geschichte – am längsten diskutiert wurde wohl der Ansatz, den Patienten einfach zwei Wochen, also bis zur Nahtentfernung, schlafen zu lassen – was halt leider aufgrund der damit verbundenen Situation (Tracheotomie, Ernährung, Infektion, respiratorische Insuffizienz, Muskelatrophie) auch nicht so ganz einfach ist. Die Entscheidung wurde heute vertagt, wenn es möglich ist, gibt’s mehr Informationen an anderen Tagen…

Die Patientinnen und Patienten des Tages

„Franziska“, diesmal wieder eine Videokonferenz mit ihrer – aus dem Urlaub zurückgekehrten – Ergotherapeutin. Meine Güte, da ist wirklich nicht viel passiert – die Schiene hätte in den MCP’s und PIP’s jeweils mindestens um 20° angepasst werden können, es ist wirklich zum Heulen…wenigstens wird dies scheinbar jetzt passieren, ich bin gespannt wie sie sich nächste Woche beim Kontrolltermin präsentieren wird – ich bin noch immer nicht begeistert…

Patientin mit Extensionsdefizit und Beugedefizit im PIP IV nach Luxation vor einigen Monaten. Die Dame hatte ich auch schon mal, beim letzten Besuch wurde ihr meinerseits eine Nachtlagerungsschiene zur Extension für den betroffenen Finger angepasst. Diese wurde heute überarbeitet und im Winkel ein bisschen verändert. Wenigstens funktioniert die Flexion jetzt wieder bis nahezu in die völlige Faust, das war beim letzten Besuch deutlich schlechter – auch im Alltag verspürt die Patientin praktisch keinerlei Einschränkungen. Sie ist sehr an Zahlenwerten und an Ästhetik orientiert, und hat noch nicht realisiert, dass die Ziele ihren Finger betreffend zwar ambitioniert, aber leider keineswegs realistisch sind…nun gut, ich habe mich herzlich und mit gutem Gewissen von ihr verabschiedet, sie kommt erst in drei Wochen wieder…

Randnotizen

…an Regentagen empfiehlt sich die Zubereitung eines Bratens vom „Raindeer“…schon die neue Autorin auf der Team-Seite bemerkt?…in der heutigen Mittagspause stellte ich fest, dass alle Wohnzimmerfenster durch Abwesenheit glänzten – scheinbar sind die Handwerker in meiner Abwesenheit ins Haus eingebrochen und haben begonnen die Fenster auszutauschen. Nach Dienstschluss waren neue Fenster drin, und die Balkontüre werden sie wohl morgen erledigen, die steht nämlich noch ganz verloren in der Gegend herum…


Es gibt was auf die Augen…