Hinweis zur Handhabung: der aktuelle Tag findet sich im Artikel immer an erster Stelle – Späterleser müssen leider nach unten scrollen…


20.08.10

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, der Tag war nicht nur sehr, sondern sogar äußerst angenehm – der einzige wiederbestellte, also mir bereits bekannte Patient, wurde meinerseits vor ca. einer Woche mit einer statischen Fingerextensionsschiene nach einer Strecksehnenverletzung mit Streckdefizit im MCP-Gelenk Dig. II re. versorgt, und hatte (für mich ziemlich überraschend) ein um 10° verringertes Streckdefizit, sowie eine deutlich verbesserte Alltagsintegration der betroffenen Hand vorzuweisen – d.h. das Erschießen von Füchsen und Rehen funktionierte bereits wieder in adäquater Art und Weise…und angesichts der bevorstehenden Elch-Jagdsaison Anfang September kann der Stellenwert dieser Fähigkeit gar nicht hoch genug angesetzt werden!

Da Agneta die Möglichkeit zur Podcastaufnahme heute doch nicht genutzt hat, bleibt es euch selbst überlassen, euch zum Thema COTEC zu informieren – das war aber auch der einzige Wermutstropfen des Tages. Der Strudel ist gut angekommen, war zwar nicht in der mütterlichen Qualität (Zimt vergessen, Teig nicht ganz so dünn, mediolaterale Teigruptur) aber ich war trotzdem zufrieden. Nach der Rückgabe der Dienstkleidung, dem Aufräumen des Schreibtisches und dem Mittagsmahle (Käsekuchen und gemischter Salat mit Rentierfiletscheiben) war ich dann auch weg, Tränen gab es keine, aber eine herzliche Verabschiedung…und der Mann von Helena, der sich als Hobby mit Holzschnitz- und Skulpturarbeiten beschäftigt hat mir noch einen sehr coolen, selbstgemachten Holzlöffel zukommen lassen, mit der strengen Auflage diesen auch tatsächlich zu verwenden – ich freu mich schon drauf, wirklich eine sehr schöne Arbeit!

Bei allen Leserinnen und Lesern, die mich während dieser Zeit begleitet haben, bedanke ich mich vielmals für das Mitlesen und Kommentieren, das Thema „Schweden“ ist nun nahezu abgeschlossen, ein Artikel zur Abreise und eine Zusammenfassung des Aufenthalts in Zahlen ist für die nächste Woche noch geplant, die Bildergalerie harrt auch noch ihrer letzten Aktualisierung und in ca. einer Woche gibt’s den vollständigen Praktikumsbericht als PDF zum Download.

Wie geht’s jetzt mit dem handlungs:plan weiter? Ergotherapeutisch jedenfalls, mit geringerer Aktualisierungshäufigkeit und vielleicht auch mal einer Woche Pause. Die Schweden-Podcasts erscheinen in den nächsten zwei Monaten, Andrea hat einen Artikel zum Thema Beugesehnenverletzungen verfasst, und ich freue mich schon darauf endlich mit (fast) allen Teammitgliedern einen Kaffee trinken zu gehen. Und dann wären da noch die Link-Seiten und die Blogroll zusammenzuschrauben. Bleibt auf dem Laufenden, Möglichkeiten dazu bieten wir reichlich an! Spätestens ab Oktober sollte hier so etwas wie ein „eingeschränkter Vollbetrieb“ herrschen – ich hab noch ein paar recht interessante Ideen, von denen ich hoffe, dass sie sich großteils verwirklichen lassen…

Randnotizen

…ich habe zwar an den Apfelstrudel gedacht, aber den Asti in der Wohnung vergessen: NNEEEEEEEEEIIIIIIIINNNNN!!!

Das Rehabilitationsteam

v.l.n.r.: Agneta Carlsson (ET), Ellenor Edin (PT), Helena Millkvist (ET), Anders Boström (PT) und ich

Lena war leider nicht anwesend, die Gute befindet sich noch immer im Urlaub – und Stella hat sich auf der Anders’schen Glatze sichtlich wohlgefühlt…


19.08.2010

Schon komisch, dass einem wichtige Dinge oft erst auf den letzten Drücker einfallen. So habe ich mich jetzt zwar wochenweise zu den Themen Beugesehnenverletzungen, Geschichte der Ergotherapie, kognitivem Training, Kunsttherapie bei Brustkrebs, Entwicklung des DASH-Score und OTIPM durch die Universitätsinfrastruktur gesucht, aber dass ich mich eigentlich zum Thema Sturzprävention auch ein bisschen schlaumachen könnte – bei wichtigen Themen wäre es nämlich nicht so schlecht am Laufenden zu sein – ist mir erst heute kurz vor der Mittagspause eingefallen. Dazu sind dann auch nochmal ungefähr 15 20 aktuelle Studien aus dem Rechner gefallen, wahrscheinlich bin ich in den Ferien unter anderem sehr viel mit Lesen beschäftigt. Als „Nebenprodukt“ habe ich noch ein paar Weblinks zum Thema „Wissenschaft“ aufgetaucht, das wird sich auf den Link-Seiten des handlungs:plan recht gut machen.

Von „Franziska“ habe ich mich heute auch verabschiedet, neben therapeutischen Ballspiele mit Medizinbällen verschiedenen Bällen, habe ich abschließend noch ein paar Fotos ihrer Hand gemacht, und wir haben – unter der Prämisse linkshändiger Computerbedienung – eine halbe Stunde lang die Bilder in der Bildergalerie betrachtet. Das hat dann auch netterweise zur mütterlichen Bitte um Zusendung der bisherigen Fotos für die Gestaltung eines Fotoalbums geführt – ist ja fast vorbildlich, wie der Coping-Prozess hier abläuft.

Der Abschlusstag verspricht im Übrigen recht angenehm zu werden, die kochen Mittagessen für mich – ausgezeichnet! Dafür bringe ich Apfelstrudel und Asti (wohl das Getränke der Ergotherapieausbildung) mit – und dann werden wir wohl noch ein bisschen quatschen, Büro aufräumen und ein paar Fotos machen…stay tuned!

Randnotizen

Das Backrohr ist heiß und ich steh am Ofen, ich schneide die Äpfel und rolle den Strudel – ich bin der Strudelmann, der Strudel machen kann, der ganz sicher gelingt, und nach Strudel stinkt…als Anweisung für die Hinterlegung des Wohnungsschlüssels habe ich die Aussage „Lass ihn einfach auf meinem Zimmertisch liegen“ erhalten – dass die Wohnung dann tagelang offensteht wurde wohl nicht so genau bedacht, macht aber nix, die Gute studiert ja nur Medizin, da muss man sich ja keine Sorgen machen…


18.08.2010

Die Tage werden kürzer – und passend dazu auch die Blogeinträge – herbstlich halt (und das ist auch gut so). Es ist kühl geworden in Umeå, gefühlte acht bis zehn Grad untertags – scheint schnell zu gehen mit dem Jahreszeitenwechsel. Dafür herrschen hier in drei bis vier Monaten ja auch schon Temperaturen so um die -30°C. Im Praktikum selbst passiert nicht mehr viel (weitere Bilder von Fingerextensionsschienen bei PIP-Extensionsdefiziten nach Luxationen erspare ich euch ab sofort – und außer dieser einen Schiene, einem Nachbetreuungsgespräch und dem Wiedersehen mit „Franziska“ ist heute auch nicht viel passiert – ein Bild vom Fortschritt der Wundheilung folgt morgen noch.

Mit den Praktikumsenden ist das auch so eine seltsame Sache bei mir: in Einrichtungen in denen es mir gut gefallen hat, setzt spätestens in der letzten Woche ein ganz komischer Gefühlszustand ein – meine geistige Präsenz am jeweiligen Ort hängt dann nur an einem hauchdünnen Faden, ich bin eigentlich schon wieder ganz woanders, muss aber trotzdem noch regelmäßig aufstehen und meinen studentischen Pflichten nachkommen (ich ertappe mich regelmäßig dabei, sehr detailreich meine bevorstehenden Ferien zu planen, währen rund um mich der schwedische Singsang ertönt) und gleichzeitig bin ich auch ein bisschen wehmütig…nicht so einfach, das Ganze.

Der Surströmming landete heute in der Post, ich hoffe die Pakete werden nicht geröntgt oder geöffnet – Lebensmittelversand mit der Post ist nämlich verboten. Vielleicht hilft es, dass aufgrund der Einsparungen bei der schwedischen Post die Pakete in einem Supermarkt, also auch bei dessen Personal, aufgegeben werden müssen, und die netten Menschen wirklich keine Ahnung haben, welche Informationen am Aufgabeschein angeführt werden müssen – wobei der Fisch ja ohnehin nur bedingt als Lebensmittel bezeichnet werden kann, eher als chemische Waffe (auch verboten) oder als Grenzerfahrung (möglicherweise nicht ganz so streng verboten).

Morgen beginnen dann meine Aufräumarbeiten in der Wohnung (die neuen Fenster sind drin) und das Zusammenpacken, mit dem Freitag endet dann auch die Woche in diesem Beitrag, an weiteren Artikeln zum Thema Umeå wird’s noch drei geben, und dann kommt der Deckel drauf. Ich bin gespannt ob sich das mit dem Podcast zum Thema COTEC noch ausgeht, Agneta ist nicht sehr motiviert (ich übrigens auch nicht, aber aus anderen Gründen, und das ändert sich immer wenn das Mikro an ist) aber ich kann lästig sein, wenn ich will…


17.08.2010

Mein Tag auf der neurologischen Rehabilitation an der umeå’schen Uniklinik ist vorbei – es war interessant, aber eher im kommunikativen als im ergotherapeutischen Wortsinn. Am Ende haben Maria und ich uns nochmal tüchtig „verquatscht“ – ich musste per Telefonanruf an die handchirurgische Abteilung zurückbeordert werden, um Agneta einen, zumindest halbwegs zeitgerechten, Dienstschluss zu ermöglichen – mein schlechtes Gewissen hielt sich allerdings in Grenzen (Ähem…)

Neurologische Rehabilitation in Umeå

Wirklich zusammenhängende Informationen kann ich an dieser Stelle nicht anbieten, es bleibt wohl bei den Eindrücken – zu komplex ist das Thema an sich, zu wenig Zeit hatten wir, um alles bis in die letzten Details zu besprechen – aber ich werde mich bemühen, alles zumindest halbwegs verständlich zusammenzufassen…

Die Abteilung in Umeå nimmt zur „allgemeinen“ neurologischen Rehabilitation Patientinnen und Patienten aus dem Großraum Umeå auf, und verfügt über acht Einzelzimmerbetten – das Gesundheits- und Krankenpflegepersonal der Abteilung hat zusätzlich orthopädische Patientinnen und Patienten zu betreuen, aber die Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sind nur für die neurologischen Patientinnen und Patienten zuständig. Zusätzlich besteht ein Schwerpunkt im Bereich von Rückenmarksläsionen jeglicher Genese, in diesem Bereich ist die Abteilung für alle Patientinnen und Patienten aus Västerbotten zuständig. Die Schwerpunktabteilung für Patientinnen und Patienten nach Schlaganfällen für Västerbotten befindet sich hingegen in Sävar.

Die Aufenthaltsdauer schwankt – je nach der Schwere des Krankheitsbildes – zwischen mehreren Wochen und mehreren Monaten, einer der Patientinnen die ich heute treffen durfte, ist bereits seit acht Monaten an der Abteilung. Zusätzlich wird eine rehabilitative Ambulanz betrieben, davon habe ich heute allerdings nicht wirklich viel mitbekommen. Regelmäßig wiederkehrende Aufenthalte zur Rehabilitation, wie sie in österreichischen Einrichtungen angeboten werden, sind hier nicht Teil des Versorgungsplans, Patientinnen und Patienten können bei Bedarf aber jederzeit die Ambulanz aufsuchen.

Maria (die mich heute mitgeschleppt und sich meinen unzähligen Fragen gestellt hat) ist spezialisiert auf schwere traumatische Hirnschädigungen – bei uns auch „Patientinnen und Patienten mit apallischem Syndrom“ genannt, wir haben uns praktisch den ganzen Vormittag – abgesehen von der Fika natürlich – in Gespräche zu den Themen neurologische Rehabilitation, beruflicher Werdegang, Blogging & Podcasting, Aktivität vs. Funktion und den Problemen eines streng aktivitätsorientierten Ansatzes im ergotherapeutischen Handeln verstrickt (und über Bogenschießen, so nebenbei bemerkt). Sehr interessant, das Ganze…

Aktivität vs. Funktion

Prinzipiell bin ich dem aktivitätsorientierten Ansatz sehr zugeneigt, vor allem im Bereich der Zielsetzung, und der dadurch vereinfachten Festlegung der zu trainierenden Fähigkeiten und Fertigkeiten. Problematisch wird es für mich in Einzelfällen, wie z.B. einem Patienten mit ausgeprägter Neglect-Symptomatik, bei dem sich die – aktivitätsbezogene – ergotherapeutische Behandlung darauf beschränkte, ihm ein sicheres Bewegen in der häusliche Umgebung zu ermöglichen. Meiner Einschätzung nach verlieren Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten durch diesen Ansatz großteils den restitutiven beziehungsweise kurativen Ansatz ihrer Tätigkeit, und beschränken sich darauf, kompensierend tätig zu sein – speziell im Falle des Neglects, in dem Studien deutliche Verbesserungen der Symptomatik durch den Einsatz von Vibration im Bereich der Nackenmuskulatur, oder durch den Einsatz von Prismenbrillen belegen. Ich bin jetzt zu faul, um Links zu allen Studien herauszusuchen, glaubt’s mir einfach (ich weiß, ich weiß, sehr wissenschaftlich, ein Artikel zum Thema wäre fällig), ob eine Alltagsintegration der Verbesserung stattfindet dürfte bis dato allerdings noch nicht bewiesen beziehungsweise durch Studien belegt sein.

Ein hochkomplexes Thema also, den funktionellen Aspekt der ergotherapeutischen Behandlung völlig zu vernachlässigen, erscheint mir allerdings auch nicht sehr förderlich für ein möglichst gutes Outcome den individuellen Menschen betreffend – meiner Einschätzung nach wird die Integration des hier Gesehenen, Besprochenen und Gelernten eine der größten Herausforderungen nach meiner Rückkehr darstellen – und ich bin schon mehr als gespannt, wohin diese Straße führen wird. Aber, wie es Anne G. Fisher am Ende des (noch nicht veröffentlichten) Podcasts gesagt hat: „Vielleicht werden wir in 25 Jahren herausfinden, das alles was wir heute denken falsch ist…“ – wir können uns nur bemühen und unser Bestes geben…

Randnotizen

…interessant wie viel Platz eine gendergerechte Schreibweise eigentlich braucht…Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel… Apfelstrudel…und so nebenbei habe ich durch kreatives Neuberechnen aller Fotos auf meinem Rechner rund 8 GB Speicherplatz gespart (schulterklopf)…und Schluss für heute…


16.08.2010

Unglaublich wie der Herbst hier Einzug hält, blaueren Himmel gibt es wohl nirgendwo – und sobald man sich auch nur kurz im Schatten aufhält wird es (wiesel-)frisch, bei dem Wetter bekomme ich Lust auf Wanderungen. Ich bin ganz hin- und hergerissen – irgendwie ein bisschen melancholisch, weil sich die Zeit hier dem Ende nähert (und zwar ganz rasant), und irgendwie voll der Vorfreude auf die Heimreise – schwierig, schwierig die ganze Angelegenheit. Neben meiner Praktikumstätigkeit, habe ich heute ein Riesenpaket mit Klamotten gen Heimat geschickt, um beim Abflug Platz für die ganzen Mitbringsel zu haben, Souvenirs eingekauft und mich mit einem Jahresvorrat an Fischsuppenwürfeln eingedeckt – die gibt’s zuhause nämlich nirgends, und für bestimmte Gerichte sind sie einfach das Tüpfelchen auf dem i. Nebenbei haben wir mit meiner Praktikumsbeurteilung begonnen, Agneta und Helena waren – gelinde gesagt – mehr als amüsiert über die Notwendigkeit, den Beurteilungsbogen und den Stundennachweis mit einem offiziellen Stempel zu versehen („…do we have one? You’ve got to ask the secretaries…“). Nebenbei bemerkt, sind die heimischen Stempel um einiges pompöser, was sagt uns das über unser Österreich?

Der Wochenplan

Der Schnuppertag auf der Neurorehabilitation findet morgen statt, der auf der Geriatrie wahrscheinlich am Donnerstag, zwischendurch werden Agneta und ich noch einen Podcast zum Thema COTEC aufnehmen, die ganze Dokumentation, die ich hier gemacht habe, evaluieren – und dann ist da noch die Sache mit dem Apfelstrudel…wer hat Erfahrungen im Ausziehen von Strudelteig? Hilfe…

Spiegeltherapie nach traumatischer Unterarmamputation

Das Konzept der Spiegeltherapie habe ich während meiner Praktika mehrfach angewandt (auch im Rahmen einer Sichtstunde), unter anderem nach einem Schlaganfall und nach einer traumatisierenden Handverletzung – mit wechselndem Erfolg. Heute hatte ich diesbezüglich einen echten Magic Moment – der Patient mit der traumatischen Unterarmamputation war wiederbestellt, konnte seine muskelaktivitätsgesteuerte Unterarmprothese im Alltag auch gut einsetzen (hej, er hat gefischt, das ist nicht so einfach) und hatte bis auf die gezielte Steuerung der einzelnen Muskelpartien auch weiters keine Schwierigkeiten. Die elektrische Aktivitätsmessung ergab eine deutlich verzögerte Relaxationsphase im Bereich der Unterarmextensoren, der Patient benötigte teilweise bis zu sechs Sekunden nach einer Muskelkontraktion, um die betreffende Muskulatur wieder völlig zu entspannen – Grund genug, um den Einsatz einer Spiegeltherapieeinheit vorzuschlagen – und ich war extrem neugierig, wie sich die „Phantomhand“ in der gesunden Hand abbilden würde, vor allem bezüglich Gelenksstellung und Muskeltonus.

Stabile Halterungen für Spiegel sind hier nicht vorhanden, aber aus einer Ablage für Akten, einem schweren Buch, Heftpflaster und Schienenpolsterungsmaterial ließ sich eine brauchbare Vorrichtung konstruieren. Und siehe da, der Patient konnte bei der Aufgabenstellung seine rechte (also die Phantomhand) synchron mit der linken in maximale Flexion und in maximale Extension zu bewegen, nur ein äußerst bescheidenes Bewegungsausmaß erreichen – am Bild ist links das (wahrgenommene) maximal aktiv erreichbare Flexions- und rechts das (wahrgenommene) maximal aktiv erreichbare Extensionsausmaß abgebildet. In diesen Positionen, die er nur unter größten Kraftanstrengungen einnehmen konnte, hatte der Patient VAS-Schmerzwerte von 7-8. Der Übungsablauf wurde meinerseits folgend gestaltet, die Einheit dauerte 30 Minuten.

  • Völlige Entspannung beider Hände – passive Mobilisation der linken Hand in völlige Flexion und völlige Extension, drei Wiederholungen: merklicher Widerstand und antagonistischer Tonusaufbau in den Fingern beim Überwinden der funktionellen Normalstellung der Hand
  • Place-and Hold-Übungen in völliger Flexion und Extension, bei passivem Wechsel zwischen beiden Positionen: das Halten der Position war dem Patienten schmerzfrei möglich, beide Hände wurden seinerseits als völlig gefaustet beziehungsweise gestreckt wahrgenommen
  • Aktiv-assistive Wechsel zwischen beiden Positionen mit Entspannung und Wechsel auf eine passive Vorgehensweise beim Auftreten von Schmerzen oder antagonistischem Tonusanstieg: dies konnte vom Patienten nach dreimaliger Übungswiederholung schmerfrei und in adäquater Qualität durchgeführt werden
  • Aktive Bewegung zwischen maximaler Flexion und maximaler Extension: konnte vom Patienten ebenfalls nach zwei bis drei Wiederholungen in guter Qualität schmerzfrei durchgeführt werden

Für mich waren das wahrscheinlich die intensivsten und interessantesten 30 Minuten meiner ganzen bisherigen Ausbildung, abgesehen vom hervorragenden Ergebnis (und der dadurch zustande gekommenen Motivation auf Patientenseite zuhause weiter zu üben), war es einfach extrem faszinierend die Abbildung einer Phantomhand in der gesunden Hand zu sehen, und die Beeinflussung von Muskeltonus und Muskelkoordinationsleistung durch das Verfahren der Spiegeltherapie hautnah zu erleben – und rasche Erfolge zu erzielen (meine Güte, das wäre ein Patient für eine Sichtstunde gewesen, oder noch besser für die praktische Diplomprüfung…seufz!). Meiner Einschätzung nach, wird der Patient von seinen häuslichen Übungen sehr profitieren und schlussendlich ein gutes Outcome im Prothesenhandling erzielen. Auch noch erwähnenswert: der Patient ist vom Grundcharakter eher ein rationeller Typ, der von Hokuspokus oder Illusionen nicht leicht zu beeindrucken ist, trotzdem war die Verbindung zur Phantomhand in Sekundenschnelle hergestellt, und ist während der ganzen Einheit nicht mehr abgerissen – fascinating, Mr. Spock! Notiz an mich selbst: bei Gelegenheit einen Artikel zum Thema Spiegeltherapie verfassen…

Randnotizen

…erwähnte ich schon mal, dass Römersandalen bei Schwedinnen ganz schwer angesagt sind? Ich kann mich nicht mehr erinnern…fast alle sind wieder da, bei der Nachmittagsfika saßen ca. 10 Leute im Sozialbereich rum…der frische (also nicht ganz so verfaulte) Surströmming kommt am Donnerstag in die Supermärkte – und wird selbstverständlich von mir gekauft werden…frisch wird’s schön langsam am Balkon…


Es gibt was auf die Augen…