Vor einiger Zeit habe ich auf das Symposium Ergotherapie in Pflegeheimen hingewiesen. Es hat am 10. November 2010 in Ingolstadt stattgefunden und ist durch den DVE unterstützt worden. Es ging um die Frage, ob und wie Pflegeheime rehabilitative Konzepte umsetzen können und welche Rolle dabei die Interdisziplinarität spielt. Obwohl der Titel des Symposiums vermuten lässt, dass es dabei ausschließlich um die Rolle der Ergotherapie ging, gab es tatsächlich Ansätze, die Entwicklung ganzheitlicher zu begreifen, also: Welche Rolle spielt die Ergotherapie im rehabilitativen Prozess? Wie sind die einzelnen Berufsgruppen im Pflegeheim miteinander verzahnt? Und wie lassen sich die Prozesse optimieren?

Das ist ein sehr weites Feld, deshalb möchte ich hier gar nicht erst den Versuch machen, einen allumfassenden Überblick zu geben. Zumal ich selbst das Symposium nicht besucht habe. Ich möchte vielmehr einen Teilaspekt herausgreifen und meine eigenen Gedanken dazu aufschreiben. Alle Folien zu den Vorträgen stehen übrigens auf den Seiten des DVE als kostenlose Downloads zur Verfügung. (Artikelbild via Wikimedia Commons)

Für einen guten Kuchen braucht man viele Zutaten

Dr. Norbert Lübke, Leiter des Kompetenzzentrums beim MDK Nord, hat in seinem Vortrag eine Defizitanalyse des rehabilitativen Prozesses im Pflegeheim aus der Sicht engagierter Pflegeheimbetreiber zusammengestellt. Als eines der fünf Defizite nannte er die fehlende Einbeziehung der Pflege in den Therapieprozess. Darüber habe ich ein wenig nachgedacht und mich natürlich gefragt, warum das so ist…

Wunsch und Wirklichkeit

Aus meiner, zugegebenermaßen schon etwas zurückliegenden, Tätigkeit als externe Therapeutin in einem Pflegeheim, ist mir noch gut in Erinnerung,

  1. dass die Pflege quasi immer unter Zeitdruck gearbeitet hat und deshalb froh war, wenn sie überhaupt ihr Pensum schaffte,
  2. es sehr schwierig war, Zeit für Besprechungen zu vereinbaren, abgesehen von den Teambesprechungen, die aber nur einmal im Monat stattfanden,
  3. mir und den ergotherapeutischen Maßnahmen durchaus mit Misstrauen begegnet wurde, was teilweise darauf zurückzuführen war, dass ich von extern ins Haus kam
  4. die Pflege froh war, wenn ihnen jemand unter die Arme griff, und sie den Bewohner für eine dreiviertel Stunde versorgt wusste
  5. dass ich mit Lagerungshinweisen und anderen Versuchen der Einbeziehung der Pflege keine nachhaltig zufriedenstellenden Erfahrungen gemacht habe.

Die Gefahr bei dieser Konstellation ist aus meiner Sicht, dass man unbewusst oder auch aus der Not heraus, der Pflege etwas abnehmen will, sie an der ein oder anderen Stelle unterstützt, evtl. mal eben schnell den Bewohner mitfüttert beim Mittagessen mitversorgt oder Ähnliches. Das ist jedoch nicht gemeint, wenn bessere Zusammenarbeit eingefordert wird, übrigens ja auch von der Pflege selbst, wie man hier sieht. Im Gegenteil, die Pflege möchte an vielen Stellen mehr wissen, was die Ergotherapeuten tun und warum sie es tun. Es geht hier letztlich um Abgrenzung der Aufgaben und gleichzeitig um die Abgleichung der Ziele.

Eier, Butter, Zucker, Mehl – und ein gutes Rezept

Was tut die Pflege, um dem Bewohner selbstständiges Anziehen zu ermöglichen, was tun die Therapeuten, wo gibt es Überschneidungen und wo schafft eine Berufsgruppe die Voraussetzung, dass die andere Berufsgruppe ihre Teilziele erreichen kann? Ich konnte als Therapeutin beispielsweise das ADL-Training vor dem Frühstück nicht machen, wenn die Pflege den Bewohner nicht rechtzeitig geweckt hat. In der Folge wurde das Ziel, selbstständiges Anziehen und Durchführung der Morgenhygiene später erreicht als geplant. Das hatte wiederum zur Folge, dass die Pflege länger assistieren musste und belasteter war.

Daraus lässt sich eine vernünftige Argumentationskette herleiten, die dazu führt, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Dazu ist es notwendig, dass wir Therapeuten unsere Möglichkeiten ausschöpfen. Das erfordert Hartnäckigkeit, Geduld und Mut, denn es ist nicht schön, wenn man am 3. Tag in Folge der Pflege zurückmelden muss, dass die Absprachen nicht eingehalten wurden. Sich immer wieder gemeinsam zu fragen: Warum hat es nicht geklappt und wie ließe sich das besser handhaben? führt aber in der Regel zu einer konstruktiven Atmosphäre. Auch permanente Aufklärung über das, was man täglich tut und als Therapeutin für eine Selbstverständlichkeit und deshalb nicht weiter erwähnenswert hält, trägt dazu bei, dass das gegenseitige Verständnis wächst.

Aufschreiben und weitersagen nicht vergessen

Der erste, zweite und dritte Schritt die Aufklärung über das tägliche Tun. Dann kann man im sechsten, siebten und achten Schritt darauf hoffen, dass man konkret an der Verbesserung der Zusammenarbeit arbeiten kann. Und zwar gemeinsam.

Wie erleben Sie das? Wie ist die Zusammenarbeit mit der Pflege? Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Silke Jäger ist Ergotherapeutin, Lektorin und Projektmanagerin und verdient ihre Brötchen als Freiberuflerin mit Texten über Rehabilitation, Therapie und Gesundheitsthemen—Website