Einleitung

Die Messung der Zweipunktdiskriminationsfähigkeit als Teilkomponente der Oberflächensensibilität ist ein Standardmessverfahren in der orthopädischen Ergotherapie und teilweise auch in anderen Fachbereichen. Der Begriff „Zweipunktdiskrimination“ bezeichnet das Auflösungsvermögen der Hautoberfläche bei Berührungsreizen, d.h. die Wahrnehmungsfähigkeit der Haut bei synchroner Stimulation bezüglich des Vorliegens eines oder zweier taktiler Stimuli. (Artikelbild von VSPYCC via Flickr)

Das Auflösungsvermögen der Haut ist abhängig von der Rezeptorendichte im jeweiligen sensorischen Feld und variiert teilweise stark, einige Beispiele sind in der nachfolgenden Tabelle angeführt:

Ort

Auflösungsvermögen

Daumen und Finger

ca. 2-5 mm

Handfläche

ca. 12 mm

Unterarm

ca. 40 mm

Schulter

ca. 37 mm

Wade

ca. 48 mm

Messmethoden

Die Zweipunktdiskriminationsmessung kann statisch und dynamisch durchgeführt werden, die statische Messung erlaubt Rückschlüsse auf die Funktion der langsam reagierenden Rezeptoren beziehungsweise Nervenfasern, während die dynamische Messung diese Rückschlüsse bezogen auf die Funktion der schnell reagierenden Rezeptoren beziehungsweise Nervenfasern erlaubt. Die statische Wahrnehmungsfähigkeit spielt eine Rolle bei allgemeinen feinmotorischen Tätigkeiten, z.B. beim Aufziehen einer mechanischen Armbanduhr oder beim Halten von Werkzeugen – die dynamische Wahrnehmungsfähigkeit hingegen wird bei feinmotorisch manipulativen Tätigkeiten benötigt, z.B. beim Schließen von Knöpfen.

Die Messung der Zweipunktdiskriminationsfähigkeit kann mit industriell gefertigten Zweipunktdiskriminatorscheiben – deren Preisgestaltung teilweise recht interessant ausfällt – erfolgen, als Alternative kann ein Zirkel oder gebogene Büroklammern verwendet werden – bei den Alternativmethoden muss allerdings ein gewisser Messfehler mit einkalkuliert werde, zusätzlich besteht möglicherweise eine Verletzungsgefahr für Klientinnen und Klienten durch scharfe Spitzen oder Grate.

Statische Messung

Die Messung erfolgt grundsätzlich unter dem Ausschluss visueller Kontrolle, entweder müssen die Augen geschlossen oder geeignete Sichtschutzmaßnahmen getroffen werden, die Messung erfolgt im Idealfall zusätzlich im Seitenvergleich mit der nichtbetroffenen Hand.

  • Positionierung der Handfläche in Supination, gegebenenfalls auf einer passenden Unterlage
  • Beginn der Messung mit 5 mm Abstand zwischen den Spitzen des Diskriminators, die Messspitzen sind entlang der Längsachse der Langfinger ausgerichtet, die Messung erfolgt an der Fingerbeere
  • Bei der Messung selbst soll für mindestens drei Sekunden mit den Messspitzen ein dekapillarisierender Druck aufgebaut werden, Bewegungen sind zu vermeiden, ein zufälliges Wechseln zwischen der Verwendung einer und beider Messspitzen ist durchzuführen
  • Von sieben Messungen sollen vier korrekt empfunden werden, um ein Scoring im betreffenden Messbereich zu ermöglichen, wenn dies im gewählten Messbereich nicht möglich ist, ist der Messbereich zu vergrößern
  • Wenn bei einem Abstand von 15 mm eine inadäquate Diskriminationsfähigkeit der Fingerbeere vorliegt, sollten im Vergleich dazu die proximale und die mittlere Phalanx des jeweiligen Fingers gemessen werden

Messwert

Interpretation

< 6 mm

normal

6-10 mm

mittelmäßig

11-15 mm

schlecht

nur ein Punkt wahrnehmbar

Schutzsensibilität

keine Punkte wahrnehmbar

Anästhesie

Dynamische Messung

Die Messung erfolgt grundsätzlich unter dem Ausschluss visueller Kontrolle, entweder müssen die Augen geschlossen oder geeignete Sichtschutzmaßnahmen getroffen werden, die Messung erfolgt im Idealfall zusätzlich im Seitenvergleich mit der nichtbetroffenen Hand.

  • Positionierung der Handfläche in Supination, gegebenenfalls auf einer passenden Unterlage
  • Beginn der Messung mit 8 mm Abstand zwischen den Spitzen des Diskriminators, die Messspitzen sind quer zur Längsachse der Langfinger ausgerichtet, die Messung erfolgt immer mit beiden Messspitzen gleichzeitig und mit leichtem Druck
  • Der Beginn der Messung erfolgt am PIP-Gelenk, der Diskriminator wird während der Messung langsam nach distal bewegt, Klientinnen und Klienten sollen darauf achten ob während der Bewegung des Diskriminators kontinuierlich ein oder zwei Punkte wahrgenommen werden
  • Stopp der Testung bei einem Abstand von 2 mm, dies entspricht der normalen dynamischen Diskriminationsfähigkeit

Quellen

  • Alzheimer, C. (2008). Sensorisches System. In E. J. Speckmann, J. Hescheler, & R. Köhling (Hrsg.), Physiologie (5. Ausg., S. 49-164). Elsevier.
  • Manual des North Coast Touch-Test™-Zweipunktdiskriminators, April 2001

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